„Do­ping“be­schert der In­dus­trie gu­te Zah­len

Un­ter­neh­men im Süd­wes­ten pro­fi­tie­ren von schwa­chem Eu­ro und nied­ri­ger In­fla­ti­on

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Ka­ra Ball­arin

STUTTGART - Der In­dus­trie im Süd­wes­ten geht es pri­ma. Noch zu­min­dest, be­tont der Prä­si­dent des Lan­des­ver­bands der Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen In­dus­trie (LVI), Han­sEber­hard Koch. Ob die gu­ten Kon­junk­tur­da­ten Be­stand ha­ben, hän­ge auch von der Ent­wick­lung des Eu­ro ab. Und da­von, ob die VW-Kri­se das Ver­trau­en in die Mar­ke „Ma­de in Ger­ma­ny“er­schüt­te­re. Hort der Sta­bi­li­tät „Deutsch­land ist ein Hort der Sta­bi­li­tät“, sagt Koch am Di­ens­tag in Stuttgart und lie­fert da­zu Zah­len zum Brut­to­in­lands­pro­dukt und zur Auf­trags­ent­wick­lung (sie­he Kas­ten). Ba­den-Würt­tem­berg steht noch bes­ser da, was Koch vor al­lem mit dem Fo­kus der Süd­west-In­dus­trie auf die Bran­chen Ma­schi­nen­bau, Au­to­mo­bil und Che­mie er­klärt. Der Auf­trags­ein­gang sei über­ra­schend stark. Zwei­ter wich­ti­ger Er­folgs­fak­tor sei­en die Aus­lands­be­zie­hun­gen, denn die Un­ter­neh­men aus dem Süd­wes­ten sei­en stär­ker in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­tet als an­de­re Län­der.

Die gu­ten Zah­len nennt Koch al­ler­dings „trü­ge­risch“und „fra­gil“und spricht so­gar von „Do­ping“durch ge­wal­ti­ge Wäh­rungs­ef­fek­te. Der schwa­che Eu­ro sei bei man­chen Un­ter­neh­men für die Hälf­te des Um­satz­zu­wach­ses ver­ant­wort­lich. Nied­ri­ge In­fla­ti­on so­wie Ma­te­ri­alund Öl­kos­ten spiel­ten den Fir­men zu­dem in die Kar­ten. Weil die­se güns­ti­gen Fak­to­ren nicht be­ein­flusst wer­den könn­ten, sagt Koch: „Das se­he ich als Warn­zei­chen.“

Wie sich die Ma­ni­pu­la­tio­nen bei VW mit­tel- und lang­fris­tig aus­wir- ken, wis­se kein Mensch, sagt er. „Ich glau­be aber, dass das Ver­trau­en in die Mar­ke ,Ma­de in Ger­ma­ny’ so ro­bust ist, dass es sich nicht aus­wirkt.“An die Po­li­tik rich­tet Koch den Ap­pell, auf den Skan­dal nicht mit über­zo­ge­ner Re­gu­lie­rung zu re­agie­ren – wie das im Fi­nanz­sek­tor nach der Ban­ken­kri­se ge­sche­hen sei. Je­de Re­gu­lie­rung kos­te Ar­beits­plät­ze.

Zu den stei­gen­den Flücht­lings­zah­len be­kennt Koch: „Wirt­schaft und In­dus­trie brau­chen Zu­wan­de­rung“– und zwar zwi­schen 500 000 und 900 000 Men­schen jähr­lich. „Zur Er­hal­tung un­se­rer Ren­ten­bei­trä­ge ist das ab­so­lut not­wen­dig.“An­ge­sichts der glo­ba­len wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen sagt er: „Es wür­de uns Deut­schen sehr schlecht be­kom­men, wenn wir uns ver­hal­ten wür­den wie die Un­garn.“Auch die In­dus­trie brin­ge sich ein in die In­te­gra­ti­on der Flücht­lin­ge. Die Po­li­tik müs­se si­cher­stel­len, dass Asyl­su­chen­de in Aus­bil­dung nicht ab­ge­scho­ben wer­den könn­ten.

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