Bund be­schließt schnel­le Ab­schie­bun­gen

La­ge der Flücht­lin­ge auf Bal­kan­rou­te dra­ma­tisch – Slo­we­ni­en setzt Mi­li­tär ein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE -

BERLIN (AFP) - Die Bun­des­re­gie­rung will ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber ver­stärkt ab­schie­ben und da­bei not­falls auf die Bun­des­wehr zu­rück­grei­fen. De­ren Ka­pa­zi­tä­ten kä­men in­fra­ge, wenn kei­ne zi­vi­len Flug­zeu­ge zur Ver­fü­gung stün­den, sag­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Seibert am Mitt­woch in Berlin. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) schloss den Ein­satz von Bun­des­wehr­ma­schi­nen nicht aus. Ab­ge­scho­ben wer­den soll nach Sei­berts Wor­ten künf­tig oh­ne An­kün­di­gung und mög­lichst di­rekt aus der Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung her­aus.

Die Rück­füh­rung ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber war nach An­ga­ben des Re­gie­rungs­spre­chers Schwer­punkt­the­ma bei der Ka­bi­netts­sit­zung am Mitt­woch. „Be­ste­hen­de Aus­rei­se­pflich­ten wer­den der­zeit noch nicht in aus­rei­chen­dem Um­fang durch­ge­setzt“, sag­te Seibert. Nach Ablauf der frei­wil­li­gen Aus­rei­se­frist sol­le der kon­kre­te Ab­schie­be­ter­min nicht an­ge­kün­digt wer­den, um die Ge­fahr des Un­ter­tau­chens zu ver­rin­gern. Zu­stän­dig sei­en die Län­der. En­de Sep­tem­ber wa­ren nach An­ga­ben des In­nen­mi­nis­te­ri­ums gut 193 000 Aus­rei­se­pflich­ti­ge in Deutsch­land re­gis­triert, dar­un­ter et­was mehr als 1400 00 Ge­dul­de­te.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) sag­te auf dem IG-Me­tal­lKon­gress in Frank­furt, wem im Rah­men ei­nes rechts­staat­li­chen Ver­fah­rens be­schei­nigt wer­de, er sei nur aus wirt­schaft­li­chen Grün­den hier, dem sei auch ver­stärkt zu sa­gen: „Ihr müsst wie­der nach Hau­se ge­hen.“

CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er be­grüß­te die Maß­nah­men als „längst über­fäl­lig“. Er be­harr­te auf der Ein­rich­tung von Tran­sit­zo­nen, um die­je­ni­gen, die kei­ne Blei­be- per­spek­ti­ve hät­ten, „gleich zu­rück­wei­sen“zu kön­nen.

Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Staats­mi­nis­te­rin Ay­dan Özo­guz (SPD), er­klär­te, um die Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge mit ei­nem Recht auf Asyl zu ge­währ­leis­ten, müss­ten die­je­ni­gen das Land ver­las­sen, de­ren Asyl­an­trag ab­ge­lehnt wur­de.

Brenn­punkt in der Flücht­lings­kri­se bleibt die Gren­ze zwi­schen den EU-Län­dern Kroa­ti­en und Slo­we­ni­en. Am Mitt­woch­vor­mit­tag zähl­ten die Be­hör­den rund 11 000 Flücht­lin­ge in Slo­we­ni­en. Das klei­ne Al­pen­A­dria-Land kann nach ei­ge­ner Darstel­lung pro Tag nur bis zu 2500 Flücht­lin­ge ein­rei­sen las­sen, re­gis­trie­ren und nach Ös­ter­reich wei­ter­trans­por­tie­ren.

Slo­we­ni­ens Gren­ze zu Kroa­ti­en ist 670 Ki­lo­me­ter lang. Das EU-Mit­glied Slo­we­ni­en setzt an­ge­sichts des Zus­troms von täg­lich meh­re­ren Tau­send Flücht­lin­gen das Mi­li­tär zur Grenz­si­che­rung ein. Ers­te Sol­da­ten wur­den am Mitt­woch an die Gren­ze zum EU-Nach­barn Kroa­ti­en ge­schickt. An­ge­sichts der an­ge­spann­ten La­ge auf der Bal­kan­rou­te im Süd­os­ten Eu­ro­pas rief EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker ein Spit­zen­tref­fen für Sonn­tag ein.

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FOTO: DPA

Flücht­lin­ge war­ten an der slo­we­nisch- kroa­ti­schen Gren­ze auf Es­sens­pa­ke­te. Vie­le der aus Sy­ri­en ge­flo­he­nen Men­schen sei­en voll­kom­men er­schöpft, be­rich­ten Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen.

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