Schwin­del­er­re­gend

„The Walk“– Ro­bert Ze­me­ckis er­zählt die Ge­schich­te des Hoch­seil­ar­tis­ten Phil­ip­pe Pe­tit

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KINO/ VERANSTALTUNGEN - Von Ste­fan Ro­ther

ass Ro­bert Ze­me­ckis für nach­hal­ti­ge Ki­no­er­leb­nis­se steht, wur­de die­ser Ta­ge durch den Wir­bel um das Ju­bi­lä­um sei­ner „Zu­rück in die Zu­kunft“-Tri­lo­gie noch ein­mal un­ter­stri­chen. Nun hat er sich ei­nem rea­len Er­eig­nis ge­wid­met, das be­reits 40 Jah­re zu­rück­liegt: Am 7. Au­gust 1974 ba­lan­cier­te der Ar­tist Phil­ip­pe Pe­tit oh­ne je­de Ge­neh­mi­gung zwi­schen den Tür­men des frisch er­rich­te­ten World Tra­de Cen­ters in New York auf ei­nem Seil.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te sich der „For­rest Gump“-Re­gis­seur weit­ge­hend vom Re­al­film zu­rück­ge­zo­gen und über­wie­gend ani­mier­te Fil­me wie „Der Po­lar­ex­press“ge­dreht. Mit die­sem tech­ni­schen Wis­sen im Ge­päck macht er nun vor al­lem das Fi­na­le von „The Walk“zum Er­leb­nis.

Zu Be­ginn des Films er­zählt der von Jo­seph Gor­don-Le­vitt ge­spiel­te Ar­tist auf der Frei­heits­sta­tue ste­hend von sei­nem Le­ben. Da­mit ist auch den nicht mit Pe­tits Ak­ti­on ver­trau­ten Zu­schau­ern von Be­ginn an klar, dass die Sa­che gut aus­ge­hen wird. Zu­dem gibt es mit „Man on Wi­re“be­reits ei­ne Os­car-ge­krön­te Do­ku­men­ta­ti­on aus dem Jahr 2008. Was kann ei­ne Film­bio­gra­phie da dann noch Neu­es bie­ten?

Zum ei­nen in­sze­niert Ze­me­ckis eben die letz­ten 30 Mi­nu­ten in so spek­ta­ku­lä­ren Bil­dern, dass man­cher Zu­schau­er wohl den Blick ab­wen­den muss – ins­be­son­de­re, wenn er den Film in ei­nem 3D-Ki­no sieht. Zum an­de­ren sind auch die 90 Mi­nu­ten zu­vor sehr un­ter­halt­sam ge­stal­tet, was zu ei­nem gu­ten Teil an der ans­te- cken­den Ener­gie und Be­ses­sen­heit liegt, die Gor­don-Le­vitt in sei­ne Film­rol­le steckt. Zu­nächst al­ler­dings wird, eher im Schnell­durch­lauf, sein Le­ben vor dem spek­ta­ku­lä­ren Coup ge­zeigt: Die frü­he Fas­zi­na­ti­on für das Ar­tis­ti­sche, die An­fän­ge als Stra­ßen­künst­ler in Pa­ris, die Be­geg­nung mit Men­tor Pa­pa Ru­dy (Ben Kings­ley) und Freun­din An­nie Al­lix (Char­lot­te Le Bon).

Als das Ge­sche­hen sich dann von Pa­ris nach New York ver­la­gert, steigt die Span­nung. Die streng ge­hei­men Vor­be­rei­tun­gen er­in­nern an „Oce­ans Ele­ven“: Mit ei­nem ste­tig wach­sen­den Team an Ver­bün­de­ten wird der nicht ge­neh­mig­te Zu­gang zu den Zwil­lings­tür­men mi­nu­ti­ös vor­be­rei­tet. Doch am Tag sel­ber läuft bei­lei­be nicht al­les nach Plan.

Ze­me­ckis in­sze­nier­te sei­ne Ge­schich­te als zwei­fa­che Hom­mage: Zum ei­nen an den Aben­teu­rer, der al­les dar­an setzt, sich sei­nen Traum zu er­fül­len. Zum an­de­ren an die New Yor­ker Twin To­wers. Nicht die in das Ge­dächt­nis ein­ge­brann­ten Bil­der von de­ren En­de sol­len die Er­in­ne­rung be­stim­men, son­dern auch das op­ti­mis­ti­sche Ver­spre­chen, das de­ren Er­rich­tung als die höchs­ten Ge­bäu­de der Welt si­gna­li­sie­ren soll­te. Da­bei ist nicht oh­ne Iro­nie, dass ein an­ar­chis­ti­scher Ar­tist zum Ruf die­ses Ge­bäu­des der Hoch­fi­nanz bei­trug. Als Dank er­hielt er üb­ri­gens ein Zu­gangsti­cket zu den Tür­men – mit le­bens­lan­ger Gül­tig­keit. The Walk. Re­gie: Ro­bert Ze­me­ckis. Mit Jo­seph Gor­don- Le­vitt, Ben Kings­ley, Char­lot­te Le Bon. USA 2015. 123 Mi­nu­ten. FSK ab 6.

FOTO: SO­NY

Im Jahr 1974 ba­lan­cier­te Phil­ip­pe Pe­tit ( Jo­seph Gor­don- Le­vitt) auf ei­nem Seil, das zwi­schen den bei­den Tür­men des World Tra­de Cen­ters ge­spannt war.

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