Ko­s­tü­me ent­ste­hen mit Lie­be zum De­tail

Mo­de­fach­schü­ler gestal­ten Ko­s­tü­me für Na­ta­n­ja – Vie­le Ko­s­tü­me wer­den re­cy­celt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - INZIGKOFEN/ SIGMARINGEN/ KRAUCHENWIES - Von Thi­lo Berg­mann

IN­ZIG­KOFEN - Ein Dorf steht Kopf: Das Mu­si­cal „Na­ta­n­ja“be­schäf­tigt die In­zig­ko­fer seit vie­len Mo­na­ten. Die Vor­be­rei­tun­gen lau­fen heiß, am 20. No­vem­ber ist Pre­mie­re. Sie or­ga­ni­sie­ren, tan­zen, mu­si­zie­ren und schnei­dern. 140 Ko­s­tü­me wer­den für die Auf­füh­rung ge­stal­tet – rund 40 Per­so­nen küm­mern sich dar­um.

Die spa­ni­sche Hof­gar­de hängt in ei­nem Kel­ler­raum in In­zig­kofen. Eva Eg­gers und Chris­ti­na Wenz­lerFie­de­rer wüh­len sich durch die Ko­s­tü­me. Der Raum ist voll da­von. „Das hier muss je­mand auf­tren­nen“, sagt Eg­gers und hält ei­ne Wes­te hoch. Schnei­de­rin Ta­b­i­tha Fie­de­rer nimmt die Wes­te mit, dann kann dar­aus ein neu­es Ko­s­tüm wer­den. „Wir ha­ben bis jetzt kaum Geld aus­ge­ge­ben“, sagt Chris­ti­na Wenz­lerFie­de­rer stolz. Sie hält mit Eg­gers die Fä­den in der Hand.

Der Groß­teil der Klei­der stammt von der Tex­til-Re­cy­cling-Fir­ma Strie­bel in Lan­ge­nens­lin­gen – wie so vie­les war das ei­ne Spen­de. Von ei- nem Raum­aus­stat­ter kam ei­ne gro­ße Rol­le Stoff und aus dem Dorf et­li­che Bett­la­ken, die nun um­ge­näht wer­den. „Wir re­cy­celn al­te Klei­der, das ist das Tol­le“, sagt Wenz­ler-Fie­de­rer. Das Team schaut sich die Stof­fe an und ent­schei­det dann, was dar­aus wer­den soll. In In­zig­kofen la­gern die Ko­s­tü­me, nach und nach leert sich der Fun­dus, wenn die Schau­spie­ler und Tän­zer ih­re Ko­s­tü­me ab­ho­len.

In der Ge­schich­te geht es um ein so­ge­nann­tes Ster­nen­kind, das auf der Su­che nach ei­nem pas­sen­den Na­men ist. Es be­geg­net vie­len Men­schen in un­ter­schied­li­chen Or­ten und Epo­chen: Ba­rock, Re­nais­sance, In­dia­ner, Sam­ba und die 50er-Jah­re, um nur ein paar zu nen­nen – das for­dert die Ko­s­tüm­ab­tei­lung. 25 Schü­ler der Mo­de­fach­schu­le Sigmaringen küm­mern sich in Klein­grup­pen um die Ko­s­tü­me. Sie ma­chen sich Ge­dan­ken, neh­men Maß, schnei­dern, nä­hen und fär­ben. Für vie­le ist es ei­ne ein­ma­li­ge Ge­le­gen­heit, die mit ei­nem Zer­ti­fi­kat für die Be­wer­bungs­map­pe be­lohnt wird. Chris­ti- na Wenz­ler-Fie­de­rer ist Leh­re­rin für Ko­s­tüm und Mo­de­ge­schich­te an der Schu­le und hat die Zu­sam­men­ar­beit in­iti­iert. Schnitt­mus­ter wer­den am Com­pu­ter er­stellt Au­ßer­dem ste­hen zwölf Nä­he­rin­nen aus dem Dorf in den Start­lö­chern, um in den kom­men­den Wo­chen die ver­blei­ben­den Ko­s­tü­me zu nä­hen. Dann wird auch mit Schnitt­mus­tern ge­ar­bei­tet, die am Com­pu­ter er­stellt wur­den – Neu­land für Eva Eg­gers, die Tex­til stu­diert und als Leh­re­rin an ei­ner Wal­dorf­schu­le Thea­ter­er­fah­rung ge­sam­melt hat.

Die Ko­s­tü­me der Haupt­rol­le Na­ta­n­ja und ih­rer Be­glei­tung, der Eu­le, ste­hen noch un­ter Ver­schluss. „Ei­ne Mo­dell­be­schrei­bung gibt es nicht“, sagt Eli­as Kre­mer und lacht. Der 20Jäh­ri­ge ist Mo­de­fach­schü­ler im zwei­ten Jahr und ge­stal­tet die Ko­s­tü­me der bei­den Haupt­rol­len. „Ich ha­be mir lan­ge Ge­dan­ken ge­macht“, sagt er. 50 Ent­wür­fe lan­de­ten im Pa­pier­korb, dann war er zu­frie­den. Das Ko­s­tüm muss­te die bun­te Viel- falt auf der Büh­ne über­ra­gen und die Per­sön­lich­keit der Rol­le be­ach­ten. Bei­de Rol­len ma­chen im Lau­fe des Stücks ei­ne Ve­rän­de­rung durch – auch das soll­te man se­hen. Das Kleid der Na­ta­n­ja wird schlicht und den­noch edel sein. „Es wird fun­keln, wie die Ster­ne“, sagt er.

In ei­ner Stu­den­ten­woh­nung be­kommt die Eu­le ihr Fe­der­kleid – und das soll aus viel mehr be­ste­hen als nur aus Stoff. Mehr ver­rät Kre­mer nicht. 120 Ar­beits­stun­den wer­den am Schluss in den bei­den Ko­s­tü­men ste­cken. Für ihn steht nicht das Zer­ti­fi­kat im Vor­der­grund, son­dern die Her­aus­for­de­rung, die Ver­bin­dung zum Thea­ter und die Freu­de an der Ar­beit.

Pro Auf­füh­rungs­tag wer­den die meis­ten der 140 Ko­s­tü­me im­mer nur ma­xi­mal drei Mi­nu­ten zu se­hen sein – so­lan­ge wie die un­ter­schied­li­chen Tän­ze eben dau­ern. „Es lohnt sich trotz­dem. Es ist Lieb­ha­be­rei und der Spaß an der Sa­che“, sagt Eva Eg­gers, und wen­det sich wie­der den vie­len Ko­s­tü­men und Stof­fen im Kel­ler zu.

FOTO: THI­LO BERG­MANN

Küm­mern sich um Na­ta­n­jas Mo­de: ( von links) Ta­b­i­tha Fie­de­rer, Eva Eg­gers, Chris­ti­na Wenz­ler- Fie­de­rer und Eli­as Kre­mer.

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