Volks­wa­gen kann neue Vor­wür­fe ent­kräf­ten

Jün­ge­re Die­sel­mo­to­ren nicht von Ma­ni­pu­la­ti­on be­trof­fen – Was wuss­ten die Top­ma­na­ger?

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

WOLFSBURG (dpa) - Für sei­nen Be­frei­ungs­schlag brauch­te der VWKon­zern fast acht St­un­den. Der quä­len­de Ver­dacht, dass noch mehr Die­sel­wa­gen in den Stru­del des Ab­gas­Skan­dals ge­ra­ten könn­ten, ka­ta­pul­tier­te den Au­to­bau­er am Don­ners­tag­mor­gen aufs Neue in die Ne­ga­tiv­schlag­zei­len. Erst am spä­ten Nach­mit­tag kam dann die in Wolfsburg lang­er­sehn­te Ent­war­nung: Auch die jün­ge­ren Die­sel­mo­to­ren mit dem VW-in­ter­nen Na­men EA 288 sind nicht von den Ma­ni­pu­la­tio­nen be­trof­fen.

Die An­trie­be ha­ben dem­nach nicht nur in der ak­tu­el­len EU-Ab­gas­norm Eu­ro 6 kei­ne ver­bo­te­ne Soft­ware ein­ge­baut. Das­sel­be gilt auch für die an­fäng­lich ab 2012 her­ge­stell­ten EA-288-Va­ri­an­ten in der Eu­ro 5.

„Nach gründ­li­cher Prü­fung herrscht nun Klar­heit“, teil­te das Un­ter­neh­men mit. Die VW-in­ter­nen Un­ter­su­chun­gen hät­ten er­ge­ben, dass in bei­den EA-288-Va­ri­an­ten – al­so der mit Eu­ro 6 und eben auch je­ner zu­nächst frag­li­chen mit Eu­ro 5 – „kei­ne Soft­ware ver­baut ist, die ei­ne un­zu­läs­si­ge Ab­schalt­ein­rich­tung im Sin­ne der Ge­setz­ge­bung dar­stellt“.

Die stun­den­lan­ge Un­ge­wiss­heit hat­te es zu­nächst of­fen ge­las­sen, ob sich das De­ba­kel aus­wei­tet und wei­te­re Au­to­fah­rer ver­un­si­chert. Das Ein­räu­men zu­sätz­li­cher Wa­gen mit Be­trugs­soft­ware hät­te Eu­ro­pas größ­tem Au­to­bau­er wohl auch den Vor­wurf der Sa­la­mi­tak­tik ein­ge­brockt.

Der Druck in Wolfsburg war da­her enorm. Schon der bis­her be­kann- Nach Volks­wa­gen nun auch Bosch-Sie­mens-Haus­ge­rä­te ( BSH)? Der bri­ti­sche Staub­sau­ger­her­stel­ler Dy­son wirft BSH vor, dass zwei Staub­sau­ger- Mo­del­le von BSH in un­ab­hän­gi­gen Tests deut­lich mehr Strom ver­braucht hät­ten als an­ge­ge­ben. Beim Land­ge­richt Berlin be­an­trag­te Dy­son nach An­ga­ben ei­ner Un­ter­neh­mens­spre­che­rin ei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ge­gen BSH und ge­gen die Sie­mens Elek­tro­ge­rä­te Gm­bH we­gen Ir­re­füh­rung von Kun­den. Nach Darstel­lung Dy­sons macht sich BSH ei­ne Lü­cke in ei­ner EURicht­li­nie zu­nut­ze, die es er­mög­li-

PR- An­zei­gen te Rück­ruf von 8,5 Mil­lio­nen Die­sel mit dem äl­te­ren Mo­tor EA 189 zieht ei­nen gan­zen Rat­ten­schwanz an Pro­ble­men mit sich: Rück­ru­fe, Ver­trau­ens­ver­lust, An­zei­gen, Kla­gen, Scha­den­er­satz oder zu­rück­ver­lan­ge Sub­ven­tio­nen. Es geht um mög­li­che Mil­li­ar­den­kos­ten. Schwie­ri­ge Auf­klä­rung Mit der Klä­rung ist Volks­wa­gen nun bei der Au­f­ar­bei­tung des Die­sel-De- che, die Ge­rä­te bei lee­rem Beu­tel zu tes­ten. Fül­le sich der Beu­tel, mel­de ein Sen­sor dies und der Strom­ver­brauch stei­ge. BSH wies die Vor­wür­fe ei­ner an­geb­li­chen Ma­ni­pu­la­ti­on „ in al­ler Deut­lich­keit zu­rück“. „ Al­le BSHS­taub­sau­ger wer­den im Ein­klang mit den An­for­de­run­gen der EUÖ­ko­de­si­gn­richt­li­nie für Staub­sau­ger ge­prüft“, teil­te das Un­ter­neh­men mit. Die Wer­te des Ener­gie- La­bels, die im La­bor ge­mes­sen wür­den, könn­ten auch beim Kun­den zu Hau­se er­zielt wer­den. Rü­cken­de­ckung er­hielt BSH von der EU- Kom­mis­si­on. ( dpa) ba­kels ei­nen ent­schei­den­den Schritt wei­ter. Der Kon­zern ist si­cher, dass die ver­bo­te­nen Ma­ni­pu­la­ti­ons­pro­gram­me oder zu­min­dest Va­ri­an­ten da­von mit dem Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel der Mo­to­ren vom EA 189 auf den EA 288 ver­schwan­den. Die an­fäng­li­che Un­si­cher­heit bei die­ser Fra­ge de­mons­triert aber auch, wie schwie­rig es für den Welt­kon­zern mit 600 000 Mit­ar­bei­tern ist, mehr Licht in die Af­fä­re zu brin­gen. We­der die Schwä­che in Chi­na noch der Ab­gas-Skan­dal beim Ri­va­len Volks­wa­gen las­sen die Er­folgs­sträh­ne von Daim­ler ab­rei­ßen. Der Stutt­gar­ter Au­to­bau­er stemmt sich wei­ter­hin er­folg­reich ge­gen die schwä­che­re Au­to­kon­junk­tur. Der Kon­zern hat am Don­ners­tag zwar sei­ne Er­war­tun­gen an den welt­wei­ten Au­to­markt zu­rück­ge­nom­men. Für sei­ne ei­ge­nen Au­to­ver­käu­fe bleibt Daim­ler aber bei der Aus­sa­ge: ein deut­li­ches Ab­satz­plus. Vor al­lem in Chi­na kop­pelt sich der Au­to­bau­er von der ver­hal­te­nen Markt­ent­wick­lung ab. ( dpa)

Seit gut ei­nem Mo­nat ist der Skan­dal be­kannt. Der neue VW-Kon­zern­chef Mat­thi­as Müller hat­teEn­de Sep­tem­ber zu sei­nem An­tritt „scho­nungs­lo­se Auf­klä­rung und ma­xi­ma­le Trans­pa­renz“ver­spro­chen. Doch al­le Aus­sa­gen lie­gen in die­sen Ta­gen auf der ju­ris­ti­schen Gold­waa­ge, und Ta­ge wie der Don­ners­tag mit sei­ner stun­den­lan­gen Un­ge­wiss­heit zei­gen deut­lich, dass der Auf­klä­rungs­pro­zess noch im­mer erst am An­fang steht.

Zu al­lem Über­fluss be­rich­te­te am Don­ners­tag das „Ma­na­ger Ma­ga­zin“, dass füh­ren­de VW-Ma­na­ger schon vor rund an­dert­halb Jah­ren von den Ab­gas-Pro­ble­men ge­wuss­ten hät­ten – wenn­gleich sie von den da­für ur­säch­li­chen Ma­ni­pu­la­tio­nen wohl noch nichts ge­ahnt ha­ben dürf­ten.

Wie das Blatt un­ter Be­ru­fung auf das Pro­to­koll ei­ner Vor­stands­sit­zung schreibt, soll die Füh­rungs­rie­ge der Kern­mar­ke VW-Pkw mög­li­che Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten schon im Früh­jahr 2014 the­ma­ti­siert ha­ben. Zu­min­dest an die­ser Stel­le de­men­tier­te Volks­wa­gen aber oh­ne Ver­zö­ge­rung: „Ei­ne sol­che Pro­to­koll­no­tiz exis­tiert nicht“, be­rich­te­ten die Wolfs­bur­ger über die Sit­zungs­mit­schrift von An­fang des ver­gan­ge­nen Jah­res.

23. Ok­to­ber 2015

FOTO: DPA

Ein vom Ab­gas-Skan­dal be­trof­fe­ner 2.0 Li­ter TDI Die­sel­mo­tor vom Typ EA189.

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