Wenn der Turn­schuh schlau wird

Vie­le all­täg­li­che Ge­gen­stän­de wer­den ans In­ter­net an­ge­schlos­sen – Vor­trag in Friedrichshafen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT -

FRIEDRICHSHAFEN (str) - Das In­ter­net der Din­ge ist längst Wirk­lich­keit. Kühl­schrän­ke fun­ken ih­ren Füll­stand ans Han­dy. Sen­so­ren er­ken­nen, ob Park­plät­ze be­legt sind. Hals­bän­der spü­ren, ob ei­ne Kuh be­reit ist zur Be­f­ruch­tung.

Doch wie ver­än­dert die­se Tech­nik un­se­re Wirt­schaft? Dar­über gab am Mitt­woch in Friedrichshafen Mar­kus Wein­ber­ger Aus­kunft. Er ist Di­rek­tor ei­nes ge­mein­sa­men For­schungs­la­bors von Bosch, der Uni­ver­si­tät St. Gal­len und der ETH Zü­rich, das sich mit dem In­ter­net der Din­ge be­fasst. Der schwä­bi­sche Tech­no­lo­gie­kon­zern ge­hört zu den Pio­nie­ren auf die­sem Ge­biet.

„Phy­si­sche Din­ge wer­den mit Sen­so­ren und lokaler In­tel­li­genz aus­ge­stat­tet“, sag­te Wein­ber­ger. Ge­gen­stän­de, die bis­her „dumm“wa­ren, be­kä­men durch Sen­so­ren so­zu­sa­gen Sin­nes­zel­len. „Es geht um die Idee, dass je­des phy­si­sche Ding mit Sen­so­rik aus­ge­stat­tet und mit dem In­ter­net ver­bun­den wird.“

Mit­hil­fe sol­cher Sen­so­ren kann ein Lo­gis­ti­ker zum Bei­spiel er­mit­teln, wo ge­nau sein Gü­ter­wag­gon steht. Ei­ne Glüh­lam­pe weiß, ob ein Mensch im Raum ist. Füh­ler kom­men in Turn­schu­he und Fahr­rä­der. Der Com­pu­ter wächst in all­täg­li­che Ge­gen­stän­de hin­ein. „Das In­ter­net der Din­ge hat das Po­ten­zi­al, je­dem Ding neue Fä­hig­kei­ten zu ge­ben.“

Das ver­än­dert die Ab­läu­fe in Un­ter­neh­men. Händ­ler kön­nen im Mi­nu­ten­takt ei­ne In­ven­tur in ih­rem La­ger ma­chen. In­ge­nieu­re über­wa­chen rund um die Uhr den Zu­stand ih­res Ma­schi­nen­parks.

Dar­aus er­ge­ben sich aber auch neue Ge­schäfts­mo­del­le – je­den­falls dann, wenn die Un­ter­neh­mer ei­ne gu­te Idee ha­ben, was sie mit den Da­ten an­stel­len kön­nen. „Al­les wird ex­akt mess­bar“, sag­te Wein­ber­ger. Den Um­gang mit die­ser Da­ten­flut müs­sen die meis­ten Un­ter­neh­men al­ler­dings erst ler­nen. In­dus­trie­fir­men ver­wan­del­ten sich in Di­enst­leis­ter, pro­phe­zei­te Wein­ber­ger. Sie müs­sen sich so­zu­sa­gen ei­ne Schei­be von Goog­le und Face­book ab­schnei­den, die mit der Aus­wer­tung und Nut­zung von Da­ten Mil­li­ar­den ver­die­nen.

Ge­nau aus die­sem Grund be­trach­ten vie­le Un­ter­neh­mer die Ent­wick­lung auch arg­wöh­nisch: Wer gu­te Ma­schi­nen baut, kennt sich noch lan­ge nicht mit Da­ten­ana­ly­se oder der Pro­gram­mie­rung von Mi­kro­pro­zes­so­ren aus. Des­halb riet Wein­ber­ger zu Part­ner­schaf­ten. „Man muss aus sei­nem ei­ge­nen Haus raus“, sag­te der For­scher. Un­ter­neh­men müss­ten sich Ver­bün­de­te aus an­de­ren Bran­chen su­chen. „Das In­ter­net der Din­ge hat so vie­le tech­ni­sche Ebe­nen, das kann ei­ner al­lein nicht schaf­fen.“

Wein­ber­ger sprach auf Ein­la­dung der Initia­ti­ve In­no­va­ti­on B in Friedrichshafen. Die­ser Zu­sam­men­schluss meh­re­rer Un­ter­neh­men und Ein­rich­tun­gen hat sich zum Ziel ge­setzt, über Zu­kunfts­tech­no­lo­gi­en zu dis­ku­tie­ren. „Es ist kei­ne Fra­ge mehr, dass das In­ter­net der Din­ge kommt“, sag­te Ot­to Neff, Bei­rats­spre­cher der Initia­ti­ve. „Un­se­re Wirt­schafts­welt wird sich bom­bas­tisch ver­än­dern, vie­le Un­ter­neh­men wer­den ver­schwin­den.“

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