We­gen der Haut­far­be kon­trol­liert?

Deutsch-Af­gha­ne ver­klagt die Bun­des­re­pu­blik, weil er sich von Po­li­zei dis­kri­mi­niert fühlt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - PANORAMA -

STUTTGART (lsw) - Weil er als ein­zi­ger von acht Pas­sa­gie­ren in sei­nem Zug­ab­teil von Bun­des­po­li­zis­ten kon­trol­liert wur­de, hat ein Deutsch-Af­gha­ne die Bun­des­re­pu­blik ver­klagt. Er fühlt sich we­gen sei­ner Haut­far­be dis­kri­mi­niert. Am ers­ten Pro­zess­tag vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stuttgart lie­ßen die Rich­ter durch­bli­cken: Auch sie hal­ten die Kon­trol­le für pro­ble­ma­tisch.

Der 30-jäh­ri­ge Klä­ger hat ei­nen deut­schen Pass und af­gha­ni­sche Wur­zeln. Vor Ge­richt schil­der­te er, dass er sich re­gel­mä­ßig von der Po­li­zei we­gen sei­nes Aus­se­hens dis­kri­mi­niert fühlt. Er ist sich si­cher: Im­mer wie­der wird er al­lein we­gen sei­ner schwar­zen Haa­re und dunk­len Haut kon­trol­liert. „Ich bin Teil die­ser Ge­sell­schaft und möch­te auch so be­han­delt wer­den“, sag­te der in Ka­bul ge­bo­re­ne Klä­ger. Be­son­de­re Be­fug­nis­se Am 19. No­vem­ber 2013 saß er abends im ICE 377 Rich­tung Freiburg. Er ar­bei­tet für die Ge­sell­schaft für In­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit GIZ – ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, die vor al­lem im Auf­trag der Bun­des­re­gie­rung Ent­wick­lungs­hil­fe im Aus­land leis­tet.

Na­he Ba­den-Ba­den wird der heu­te 30-Jäh­ri­ge von drei Bun­des­po­li­zis­ten kon­trol­liert. Als ein­zi­ger Pas­sa­gier der ers­ten Klas­se. Schon wie­der, denkt er. Die Be­am­ten stel­len sei­ne Per­so­na­li­en fest und glei­chen die Da­ten ab. Sie dür­fen das laut Ge­setz bis zu 30 Ki­lo­me­tern dies­seits der Gren­ze, zur Auf­de­ckung un­er­laub­ter Ein­rei­sen und Ver­hü­tung von Straf­ta­ten. Ba­den-Ba­den liegt in die­sem Raum.

Fest­ge­schrie­ben sind die­se be­son­de­ren Kon­troll­be­fug­nis­se der Beam- ten im Pa­ra­graf 23 des Bun­des­po­li­zei­ge­set­zes. Da­mit wür­den häu­fig il­le­ga­le Ein­rei­sen un­ter­bun­den, so Clau­dia Her­wig von der Bun­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Stuttgart.

Die­se Kon­trol­len und ih­re ge­setz­li­che Grund­la­ge sind seit Jah­ren im­mer wie­der Ge­gen­stand von Pro­zes­sen vor deut­schen Ver­wal­tungs­ge­rich­ten, zu­letzt im Früh­jahr in Köln und zu­vor in Koblenz. Schon 2010 be- an­stan­de­te der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) die im Ge­setz fest­ge­schrie­be­nen Be­fug­nis­se. In­zwi­schen führt die EU-Kom­mis­si­on ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ge­gen Deutsch­land, weil die ent­spre­chen­den Pa­ra­gra­fen wei­ter Be­stand ha­ben.

Die Vor­ga­ben im Bun­des­po­li­zei­ge­setz führ­ten zwangs­läu­fig zu Kon­trol­len nach äu­ße­ren Merk­ma­len,

FOTO: DPA

Der in Ka­bul ge­bo­re­ne Klä­ger ist Deut­scher und sagt: „ Ich füh­le mich als Teil die­ser Ge­sell­schaft und will so be­han­delt wer­den.“

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