Vi­ze­meis­ter Berlin an­gelt sich ei­nen Eu­ro­pa­meis­ter

Der nächs­te Zwei­kampf ist pro­gram­miert, aber auch an­de­re Bun­des­li­gis­ten mel­den in­ter­es­san­te Per­so­na­li­en

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - REGIONALSPORT - Von Bernd Hüt­ten­ho­fer

FRIEDRICHSHAFEN - Ste­li­an Mo­cu­les­cu hat mit sei­ner Mei­nung noch nie hin­term Berg ge­hal­ten, wenn es dar­um ging, die man­geln­de Pro­fes­sio­na­li­tät in der Vol­ley­ball-Bun­des­li­ga an­zu­pran­gern. In Schul­turn­hal­len spie­len mag der Trai­ner des Double­ge­win­ners VfB Friedrichshafen nicht mehr; er hält es für kon­tra­pro­duk­tiv, Auf­stei­ger zu lan­ge mit Aus­nah­me­re­ge­lun­gen zu ver­wöh­nen. An­de­rer­seits hört man in Friedrichshafen die al­te Lei­er, dass die Bun­des­li­ga zu vor­her­seh­bar ist, nicht mehr so ger­ne. Schließ­lich möch­te man der Kund­schaft kei­ne Ar­gu­men­te lie­fern, den Spie­len fern­zu­blei­ben.

„Wir soll­ten ver­su­chen, un­se­re Stär­ken her­aus­zu­stel­len“, sagt Mo­cu­les­cu. Pe­ter Klein­mann, Prä­si­dent des Ös­ter­rei­chi­schen Vol­ley­bal­lver­ban­des und neu­er­dings Be­ra­ter des VfB, ar­gu­men­tiert mit dem Bei­spiel des FC Bay­ern München, dass Do­mi­nanz kein Grund für man­geln­des In­ter­es­se zu sein braucht. Die Bay­ern hät­ten das Sta­di­on im­mer voll, weil je­der sie se­hen wol­le. „Da­hin müs­sen wir auch kom­men“, meint Klein­mann. „Un­se­re Leu­te müs­sen we­gen Si­mon (Ti­scher) und Björn (An­drae) in die Hal­le kom­men. Es ist ei­ne der größ­ten Schwä­chen des Vol­ley­balls, dass wir un­se­re Per­sön­lich­kei­ten nicht pro­mo­ten. Wir müs­sen die Spie­ler be­kann­ter ma­chen.“

Wenn man von den Bay­ern spricht, muss man die Vol­ley­bal­lBun­des­li­ga vi­el­leicht in ei­nem neu­en Licht be­trach­ten, denn wäh­rend der Meis­ter der Fuß­ball-Bun­des­li­ga neu­er­dings schon vor der Sai­son fest­zu­ste­hen scheint, gibt es bei den Vol­ley­bal­lern im­mer­hin ei­nen Zwei­kampf – und zwar ei­nen der all­jähr­lich pa­ckends­ten der deut­schen Sport­sze­ne. Zwi­schen dem ab­ge­lös­ten Meis­ter aus Berlin und dem VfB ist stets al­les of­fen. Das dürf­te auch dies­mal nicht an­ders sein. Bei­de Mann­schaf­ten ha- ben ei­ni­ge Stamm­spie­ler ver­lo­ren, bei­de ha­ben ent­spre­chend ein­ge­kauft. Die Um­bau­ar­bei­ten beim Vi­ze­meis­ter schei­nen noch ei­nen Tick an­spruchs­vol­ler zu sein, denn die Ber­li­ner müs­sen ih­ren Meis­ter­trai­ner Mark Le­be­dew eben­so er­set­zen wie den lang­jäh­ri­gen Ka­pi­tän Scott Tou­zin­ski, den lang­jäh­ri­gen Spiel­ma­cher Ka­wi­ka Sho­ji und den rou­ti­nier­ten Mit­tel­blo­cker Rob Bont­je.

Nun soll Ro­ber­to Ser­niot­ti neue Ak­zen­te set­zen und den Ti­tel an die Spree zu­rück­ho­len. Der ge­bür­ti­ge Tu­ri­ner, 53 Jah­re alt, be­gann sei­ne Trai­ner­kar­rie­re 1989 in Cu­neo, wo er in elf Jah­ren neun Ti­tel hol­te. 2005 ge­wann er mit Tours VB die Cham­pi­ons Le­ague. Zu­letzt trai­nier­te Ser­niot­ti Dia­tec Tren­ti­no, das im Cham­pi­ons­Le­ague-Vier­tel­fi­na­le ge­gen Bel­go­rod aus­schied. Im Mit­tel­block steht ihm künf­tig der fran­zö­si­sche Eu­ro­pa­meis­ter Ni­co­las Le Goff zur Ver­fü­gung. Für sei­nen Lands­mann Scott Tou­zins­ky soll Paul Lot­man, der vom pol­ni­schen Spit­zen­team Re­so­via Rzes­zow kam, für ei­ne sta­bi­le An­nah­me und Punk­te sor­gen. Die hei­kels­te Auf­ga­be hat ne­ben dem Trai­ner der Kroa­te Tsi­ma­fei Zhu­ko­w­ski über­nom­men, der für Sho­ji die Bäl­le ver­tei­len soll. Der in Weiß­russ­land ge­bo­re­ne 26-Jäh­ri­ge kennt die Bun­des­li­ga von sei­nem Gast­spiel bei Ge­ne­ra­li Ha­ching in der Sai­son 2013/14 und hat viel Ita­li­en-Er­fah­rung. Ein Nach­teil für die Ber­li­ner könn­te sein, dass Ser­niot­ti we­gen der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft an­fangs nur sechs, sie­ben Leu­te beim Trai­ning hat­te, wäh­rend Mo­cu­les­cu dies­mal un­ge­wohnt früh mit un­ge­wohnt vie­len Spie­lern ar­bei­ten konn­te. Ni­roo­mand: „Es tut sich was“Die bei­den Spit­zen­teams wer­den vor al­lem an­fangs acht­ge­ben müs­sen, dass die ge­wohn­te Hack­ord­nung nicht ge­stört wird. Schon in der Vor­sai­son über­rasch­te der spä­te­re Drit­te aus Düren zu Sai­son­be­ginn mit ei­nem Sieg in Friedrichshafen, und Neu­ling Lü­ne­burg ge­lang ei­ne Über­ra­schung beim da­ma­li­gen ak­tu­el­len Meis­ter in Berlin. Des­sen Ma­na­ger Ka­weh Ni­roo­mand er­war­tet zu­neh­men­den Wi­der­stand aus der Ta­bel­len­mit­te. „Es tut sich was in der Bun­des­li­ga. Es gibt in an­de­ren Ver­ei­nen wie TV Rot­ten­burg, TV Bühl oder SVG Lü­ne­burg gu­te Be­stre­bun­gen, die Lü­cke zu schlie­ßen. Für uns sind das ei­ni­ge Stol­per­stei­ne.“

Für den VfB auch. Gleich zum Auf­takt stellt sich der Meis­ter heu­te (19.30 Uhr) in der Fra­port-Are­na vor, wo der aus der TG Rüs­sels­heim her­vor­ge­gan­ge Neu­ling Uni­ted Vol­leys Rhein-Main die Vol­ley­ball­be­geis­te­rung in Frank­furt we­cken will. „Ein sehr am­bi­tio­nier­tes Pro­jekt“, wie VfB-Ka­pi­tän Si­mon Ti­scher fin­det. Mit da­bei sind sei­ne ehe­ma­li­gen Team­ka­me­ra­den Chris­ti­an Dün­nes und Jan Zim­mer­mann. Der jun­ge Spiel­ma­cher hat­te kei­ne Lust mehr, beim VfB von drau­ßen zu­zu­schau­en. Trai­niert wer­den die Vol­leys von Micha­el Warm, von 2005 bis 2009 beim SCC Berlin und der­zeit auch ös­ter­rei­chi­scher Na­tio­nal­trai­ner.

FOTO: DPA

Pro­mi­nen­ter Neu­zu­gang: Ni­co­las Le Goff, ge­ra­de mit Frank­reich Eu­ro­pa­meis­ter ge­wor­den, steht jetzt für die Vol­leys Berlin am Netz.

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