Neu­es Asyl­ge­setz tritt heu­te in Kraft

Alt­mai­er kün­digt zü­gi­ge Ab­schie­bun­gen an – auch Ba­den-Würt­tem­berg be­tei­ligt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Sa­bi­ne Lenn­artz, Ka­ra Ball­arin und Agen­tu­ren

BERLIN/STUTTGART - Das neue Asyl­ge­setz tritt schon am heu­ti­gen Sams­tag in Kraft, ei­ne Wo­che frü­her als ge­plant. Da­mit sol­len schnel­le­re Ab­schie­bun­gen mög­lich wer­den. Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU), Flücht­lings­ko­or­di­na­tor der Bun­des­re­gie­rung, rech­net mit „ei­ni­gen Zehn­tau­send“Ab­schie­bun­gen noch in die­sem Jahr.

Un­ter­des­sen reißt der Flücht­lings­strom auf der West­bal­kan-Rou­te nicht ab. „Eu­ro­pa muss da­für sor­gen, dass der Zustrom ge­ord­net wird“, so Alt­mai­er. Beim be­vor­ste­hen­den EU-Spit­zen­tref­fen am Sonn­tag in Brüs­sel will die Bun­des­re­gie­rung mit je­nen Staa­ten ent­lang der West­bal­kan-Rou­te re­den, die bis­lang die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen ver­wei­gern und sie nur zum Zi­el­land Deutsch­land durch­schleu­sen.

Auch Ba­den-Würt­tem­bergs In­nen­mi­nis­ter Rein­hold Gall (SPD) will nicht an­er­kann­te Asyl­be­wer­ber schnel­ler ab­schie­ben. Da­zu rich­tet er ei­nen Ar­beits­stab „Rück­kehr­ma­nage­ment“ein, der Bin­de­glied sein soll zwi­schen dem In­nen­mi­nis­te­ri­um und dem Re­gie­rungs­prä­si­di­um in Karls­ru­he. Die­ses ist im Süd­wes­ten zen­tral für Ab­schie­bun­gen zu­stän­dig.

Die Len­kungs­grup­pe Flücht­lings­un­ter­brin­gung im Stutt­gar­ter In­nen­mi­nis­te­ri­um be­grüß­te das von Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Alt­mai­er an­ge­kün­dig­te Ab­schie­be­pro­gramm. Der Chef der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Staats­kanz­lei, Klaus-Pe­ter Mu­raw­ski, for­der­te Alt­mai­er auf, bald­mög­lichst ei­ne Lis­te von Leu­ten zu über­sen­den, die „rechts­si­cher zu­rück­ge­führt wer­den kön­nen“. Die grün-ro­te Lan­des­re­gie­rung wer­de al­les da­zu bei­tra­gen, dass die Ab­schie­bun­gen zü­gig um­ge­setzt wer­den. „Da­bei grei­fen wir auch ger­ne auf die Un­ter­stüt­zung der Bun­des­wehr zu­rück“, so Mu­raw­ski. Das Stutt­gar­ter In­nen­mi­nis­te­ri­um be­ton­te aber, dass zu­min­dest kom­men­de Wo­che noch kein Ab­schie­be­flug ge­plant sei.

Bis­her gibt es Sam­mel­ab­schie­bun­gen vor al­lem vom Flug­ha­fen Karls­ru­he/Ba­den-Ba­den (Ba­denAir­port) in Rhein­müns­ter-Söl­lin­gen mit Char­ter-Flug­zeu­gen. We­gen der gro­ßen Zahl von Flücht­lin­gen wer­den aber künf­tig al­le Flug­hä­fen des Lan­des ins Au­ge ge­fasst. Auch Trans­port­ma­schi­nen der Bun­des­wehr könn­ten dann zum Ein­satz kom­men, hieß es in Si­cher­heits­krei­sen.

Mit 34 Men­schen, die am Frei­tag vom Ba­den-Air­port aus mit ei­nem Char­ter-Flug­zeug zu­rück nach Ser­bi­en und Ma­ze­do­ni­en ge­bracht wor­den sind, er­höht sich die Zahl der ab­ge­scho­be­nen Flücht­lin­ge aus dem Süd­wes­ten auf 1766 im lau­fen­den Jahr. Ge­plant wa­ren rund 5000 Ab­schie­bun­gen, sag­te ein Spre­cher des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums. Die Po­li­zei tref­fe nur je­den zwei­ten Men­schen am an­ge­kün­dig­ten Ter­min der Ab­schie­bung an. Das Asyl-Ge­set­zes­pa­ket, das heu­te in Kraft tritt, än­dert die Pra­xis: Ab­schie­be­ter­mi­ne wer­den nicht mehr an­ge­kün­digt.

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