Russ­land hält an As­sad fest

Kri­sen­tref­fen zu Sy­ri­en in Wi­en bringt kei­ne sub­stan­zi­el­le An­nä­he­rung

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND -

WI­EN (dpa) - Im Rin­gen um Aus­we­ge aus dem sy­ri­schen Bür­ger­krieg hat ein Kri­sen­tref­fen in Wi­en kei­ne sub­stan­zi­el­le An­nä­he­rung ge­bracht. Russ­land auf der ei­nen und die USA, Sau­di-Ara­bi­en so­wie die Tür­kei auf der an­de­ren Sei­te blie­ben am Frei­tag wei­ter un­eins über die Zu­kunft des sy­ri­schen Macht­ha­bers Ba­schar alAs­sad. Russ­land hält trotz in­ter­na­tio­na­ler Kri­tik an As­sad fest, die USA se­hen ei­ne po­li­ti­sche Lö­sung in Sy­ri­en nur oh­ne ihn.

Der rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row sag­te nach Ge­sprä­chen mit US-Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry und sei­nen Kol­le­gen aus Sau­di-Ara­bi­en und der Tür­kei, über das Schick­sal Sy­ri­ens kön­ne nur das sy­ri­sche Volk ent­schei­den. „Aber nicht auf dem Schlacht­feld oder über ir­gend­wel­che Auf­stän­de, son­dern über ei­nen po­li­ti­schen Dia­log.“

Ker­ry be­zeich­ne­te die Ge­sprä­che in Wi­en als „kon­struk­tiv und pro­duk­tiv“, wie sein Spre­cher Mark To­ner in Wa­shing­ton sag­te. Es ha­be neue Ide­en ge­ge­ben, „die die Mög­lich­keit ber­gen, die Dy­na­mik in Sy­ri­en zu än­dern.“Die Ge­sprächs­teil­neh­mer könn­ten sich be­reits am nächs­ten Frei­tag er­neut tref­fen. To­ner schloss ei­ne künf­ti­ge Be­tei­li­gung des Irans an den Ge­sprä­chen nicht aus.

Sy­ri­sche Ak­ti­vis­ten warn­ten vor ei­ner neu­en Flucht­wel­le in Rich­tung Tür­kei, soll­ten die rus­si­schen Luft­an­grif­fe und Kämp­fe im Nor­den des Lan­des an­dau­ern. Der seit vier­ein­halb Jah­ren an­hal­ten­de Bür­ger­krieg in Sy­ri­en, der nach UN-An­ga­ben bis­lang 4,2 Mil­lio­nen Men­schen ins Aus­land ge­trie­ben hat, gilt als Haupt­aus­lö­ser für die Flücht­lings­kri­se. Ein ra­scher Aus­weg aus dem Sy­ri­en­kon­flikt ist bis­her nicht in Sicht.

Die ara­bi­sche Zei­tung „Al-Sharq al-Aw­sat“hat­te un­ter Be­ru­fung auf nicht nä­her ge­nann­te of­fi­zi­el­le tür­ki­sche Qu­el­len ge­mel­det, Russ­land ha­be ge­gen­über An­ka­ra sei­ne Be­reit­schaft si­gna­li­siert, über As­sads Schick­sal nach­zu­den­ken. Mos­kaus Be­din­gung sei, dass Sy­ri­ens Staats­chef für ei­ne 18-mo­na­ti­ge Über­gangs­pe­ri­ode an der Macht blei­be. Da­nach sol­le es ei­ne Prä­si­den­ten­wahl ge­ben, bei der As­sad kan­di­die­ren dür­fe. „Ich ken­ne ei­nen sol­chen Plan nicht“, sag­te der rus­si­sche Prä­si­den­ten­spre­cher Dmi­tri Pes­kow.

Die US-Bot­schaf­te­rin bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen, Sa­man­tha Po­wer, kri­ti­sier­te die Hal­tung Russ­lands. „Je­der, der As­sad hilft und ei­nem po­li­ti­schen Über­gang im Weg steht, wird nur den Kon­flikt ver­län­gern, mehr Lei­den ver­ur­sa­chen und (die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat) IS stär­ken“, er­klär­te sie. Die Si­tua­ti­on in Sy­ri­en wer­de durch ei­ne von Russ­land un­ter­stütz­te Bo­den­of­fen­si­ve des sy­ri­schen Re­gimes ver­schärft. Al­lein in den ver­gan­ge­nen Ta­gen sei­en 85 000 Sy­rer ver­trie­ben wor­den.

FOTO: DPA

Schwie­ri­ge Ge­sprä­che: Ser­gej La­w­row (li.) und John Ker­ry.

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