Vie­le Klam­mern rund ums Kli­ma

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG - Von Chris­ti­ne Lon­gin, Pa­ris, und un­se­ren Agen­tu­ren

und fünf Wo­chen vor dem Kli­ma­gip­fel in Pa­ris ha­ben bis zu 2000 Di­plo­ma­ten und Ex­per­ten bei ei­ner UN-Vor­be­rei­tungs­kon­fe­renz um ei­nen Ent­wurf für das ge­plan­te Kli­ma­ab­kom­men ge­run­gen. Ziel ist es, die Er­der­wär­mung auf we­ni­ger als zwei Grad im Ver­gleich zur vor­in­dus­tri­el­len Zeit zu be­gren­zen. Da­für sol­len we­ni­ger Treib­haus­ga­se aus­ge­sto­ßen wer­den. Am Frei­tag­abend stand ein Rah­men­ent­wurf für ei­nen neu­en UN-Kli­ma­pakt fest. „Es ist be­schlos­sen“, sag­te der Vi­ze­vor­sit­zen­de der Run­de, Da­ni­el Reifs­ny­der.

Um­welt­schüt­zer er­kann­ten Fort­schrit­te im Ver­lauf der Ver­hand­lun­gen. Sie hät­ten die Vor­aus­set­zung für ein am­bi­tio­nier­tes Ab­kom­men ge­schaf­fen, sag­te der Gre­en­peace-Ex­per­te Mar­tin Kai­ser. So sei­en star­ke Op­tio­nen im Text zu fin­den, wie die ärms­ten und am stärks­ten vom Kli­ma­wan­del be­trof­fe­nen Län­der un­ter­stützt wer­den könn­ten.

In Ar­ti­kel drei geht es um die „Dekar­bo­ni­sie­rung“, al­so die voll­stän­di­ge Ab­kehr von den Kli­ma­kil­lern Koh­le, Öl und Gas. Ei­ne sol­che Ab­kehr sol­le es noch in die­sem Jahr­hun­dert ge­ben, hat­ten die G-7-Län­der noch im Ju­ni bei ih­rem Gip­fel in Schloss El­mau ver­ein­bart. Der „Um­bau der Ener­gie­wirt­schaft“wer­de so­gar schon für 2050 an­ge­strebt.

Doch die­se Jah­res­zahl steht eben­so in Klam­mern wie die Be­gren­zung der Er­der­wär­mung im Ver­gleich zum vor­in­dus­tri­el­len Zeit­al­ter. Um das Ziel zu schaf­fen, müss­te der Aus­stoß der Treib­haus­ga­se laut OECD bis 2050 um 40 bis 70 Pro­zent ver­rin­gert wer­den. „Wir be­we­gen uns bei plus drei Grad“, räumt die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin des UN-Kli­ma­se­kre­ta­ri­ats UNFCCC, Chris­tia­na Fi­gue­res, in der Zei­tung „Li­bé­ra­ti­on“ein. Grö­ße­re An­stren­gun­gen nö­tig „Um die Zie­le zu er­rei­chen, müs­sen die Län­der ih­re An­stren­gun­gen deut­lich ver­stär­ken“, mahn­te die Or­ga­ni­sa­ti­on für Wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD). Sie hat­te die Kli­ma­zu­sa­gen von 44 Län­dern aus­ge­wer­tet, die rund 80 Pro­zent der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ver­ur­sa­chen. „Die Re­gie­run­gen brau­chen ei­nen po­li­ti­schen Weg, der zu null CO2-Aus­stoß bis zum En­de des Jahr­hun­derts führt“, for­der­te die Or­ga­ni­sa­ti­on.

150 der 195 Teil­neh­mer­län­der der Kli­ma­kon­fe­renz ha­ben be­reits ih­re Re­duk­ti­ons­zie­le for­mu­liert. Ei­ni­ge wie Me­xi­ko knüpf­ten ih­re Zu­sa­gen an fi­nan­zi­el­le Hil­fen – ein wei­te­res heik­les The­ma. Denn die Ent­wick­lungs­län­der sol­len ab 2020 pro Jahr 100 Mil­li­ar­den Dol­lar er­hal­ten, um Kli­ma­schä­den ein­zu­däm­men. Wo­her das Geld kom­men soll, ist un­klar. An­de­re Län­der, bei­spiels­wei­se die öl­rei­chen Golf­staa­ten, ha­ben noch kei­ne Zu­sa­gen ge­macht. Gro­ße Ver­bes­se­run­gen Rich­tung Zwei-Grad-Ziel sind von ih­nen nicht zu er­war­ten.

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