Mehr als 40 To­te bei Bu­s­un­glück in Frank­reich

Se­nio­ren­grup­pe rast bei Bor­deaux in Holz­trans­por­ter

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - JOURNAL - Von Chris­ti­ne Lon­gin

PA­RIS - Sie wa­ren auf dem Weg in die Py­re­nä­en zu ei­nem Aus­flug, als ihr Bus in ei­nen quer­ste­hen­den Last­wa­gen ras­te: Mehr als 40 Se­nio­ren sind am Frei­tag Op­fer ei­nes Bu­s­un­glücks in Frank­reich ge­wor­den. Der Lk­wFah­rer und sein drei­jäh­ri­ger Sohn ka­men eben­falls ums Le­ben. Die ge­naue Op­fer­zahl war am Abend noch un­klar: Laut der er­mit­teln­den Staats­an­wäl­te konn­te nicht fest­ge­stellt wer­den, ob al­le an­ge­mel­de­ten Pas­sa­gie­re im Bus wa­ren. Im Rei­se­bus sei­en 41 oder 42 Men­schen ge­stor­ben.

Wer das aus­ge­brann­te Wrack des Rei­se­bus­ses sieht, kann sich nicht vor­stel­len, dass je­mand le­bend aus dem ver­kohl­ten Ge­rip­pe her­aus­kam. 43 Men­schen star­ben laut Gen­dar­me­rie in dem In­fer­no, das sich am Frei­tag­mor­gen ge­gen halb acht auf der Land­stra­ße D 17 rund 50 Ki­lo­me­ter öst­lich von Bor­deaux er­eig­ne­te. Bus­fah­rer als Le­bens­ret­ter Ein Rei­se­bus mit 48 Rent­nern fuhr in ei­ner Kur­ve in ei­nen un­be­la­de­nen Holz­las­ter und fing so­fort Feu­er. Der Lkw-Fah­rer hat­te auf der feuch­ten Stra­ße of­fen­bar die Kon­trol­le über sein Fahr­zeug ver­lo­ren. Sein An­hän­ger stand quer auf der Stra­ße. Der Bus­fah­rer sah den Trans­por­ter zu spät und fuhr fron­tal hin­ein. Nur acht Men­schen über­leb­ten das Un­glück, vier da­von schwer ver­letzt.

Nur leicht ver­letzt wur­de der Bus­fah­rer, der geis­tes­ge­gen­wär­tig die Tü­ren öff­ne­te, um we­nigs­tens ei­ni­ge In­sas­sen zu ret­ten. Ein Au­to­fah­rer, der hin­ter dem Bus her­fuhr, wur­de eben­falls zum Le­bens­ret­ter: Er schlug laut ei­nem Spre­cher der Gen­dar­me­rie die Schei­be des Un­glücks­fahr­zeugs ein, um Pas­sa­gie­re her­aus­zu­ho­len In der Ka­bi­ne des Lkw-Fah­rers, der ums Le­ben kam, fan­den die Ret­tungs­kräf­te die Lei­che ei­nes drei­jäh­ri­gen Jun­gen, wahr­schein­lich sein Sohn.

Erst sie­ben Ki­lo­me­ter wa­ren die Rei­sen­den un­ter­wegs, als sich das Dra­ma im be­rühm­ten Wein­an­bau­ge­biet Saint-Emi­li­on er­eig­ne­te. Sie wa­ren am frü­hen Mor­gen in der klei­nen Ge­mein­de Pe­tit-Pa­lais ge­star­tet. Die Mit­glie­der des Se­nio­ren­klubs wa­ren auf dem Weg in die Py­re­nä­en, um dort den be­rühm­ten Bayon­ne-Schin­ken zu kos­ten, und soll­ten am Abend wie­der zu­rück sein.

„Ich ha­be die Nach­richt er­hal­ten, als ich Brot kauf­te. Mei­ne Frau ist mit zwei Freun­din­nen ge­gen sie­ben Uhr auf­ge­bro­chen“, be­rich­te­te der Le­bens­ge­fähr­te ei­nes der Op­fer der Zei­tung „Sud Ou­est“. 16 Se­nio­ren aus Pe­tit-Pa­lais, ei­nem Dorf mit gut 700 Ein­woh­nern, sa­ßen in dem Bus – nur ei­ner über­leb­te. Bür­ger­meis­te­rin Patri­cia Raichi­ni soll drei Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge ver­lo­ren ha­ben. Ihr Vor­gän­ger

GI­RON­DE

5 km

Puis­se­gu­in

D 17

PA­RIS Mi­chel Ro­ge­rie, Vor­sit­zen­der des Se­nio­ren­klubs, soll eben­falls un­ter den Op­fern sein. Die Kur­ve, in der sich der Un­fall er­eig­ne­te, war als ge­fähr­lich be­kannt. „Es gab dort schon frü­her Un­fäl­le“, räum­te der stell­ver­tre­ten­de Bür­ger­meis­ter von Puis­se­gu­in ein. Auf dem Ge­biet sei­ner Ge­mein­de liegt die Un­glücks­stel­le. War­um der Bus so schnell kom­plett aus­brann­te, ist noch un­klar. „Das fra­gen wir uns auch“, sag­te der Spre­cher der Gen­dar­me­rie.

Re­gie­rungs­chef Ma­nu­el Valls, In­nen­mi­nis­ter Ber­nard Ca­ze­neuve und Ver­kehrs­mi­nis­ter Alain Vi­da­lies reis­ten ge­mein­sam zur Un­fall­stel­le. Prä­si­dent François Hol­lan­de äu­ßer­te sich in At­hen, wo er am Don­ners­tag

FOTO: AFP

Nur we­ni­ge Pas­sa­gie­re und der Fah­rer konn­ten sich aus dem Bus ret­ten. Hel­fer küm­mer­ten sich an der Un­fall­stel­le na­he der Kle­in­stadt Puis­se­gu­in um die Ver­letz­ten.

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