Ma­ne­ge frei für Ulms Tän­zer

Pre­mie­re der Tanz­stü­cke von Gi­u­sep­pe Spo­ta und Ro­ber­to Sca­fa­ti

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Gün­ter Buh­les

ULM - Zwei Tanz­stü­cke in ei­nem Abend­pro­gramm am Thea­ter Ulm: Bal­lett­di­rek­tor Ro­ber­to Sca­fa­ti hat sei­ne be­reits ein­mal im Ju­ni beim Fes­ti­val „Ulm mo­ves“ge­zeig­te Cho­reo­gra­fie „La­s­chia che ac­ca­da“nun ins Re­per­toire in­te­griert. Sein als Gast en­ga­gier­ter Lands­mann Gi­u­sep­pe Spo­ta stu­dier­te mit der weit­ge­hend neu be­setz­ten Com­pa­gnie des Hau­ses als Urauf­füh­rung ei­ne Zir­kus-Pa­ra­bel mit dem Ti­tel „Wan­de­rers“ein. Vor al­lem die­ses Stück er­hielt viel Ap­plaus.

Noch vor Be­ginn von „Wan­de­rers“, wäh­rend sich das Pu­bli­kum ein­fin­det, wan­dert der Zir­kus­di­rek­tor vor der ers­ten Rei­he vor­bei, winkt, macht ein paar Hand­shakes. Auf der Büh­ne rich­tet er dann ei­ne Lich­ter­ket­te als Ma­ne­gen-De­ko­ra­ti­on. Aus den Laut­spre­chern klin­gen bald Live-Fet­zen düs­te­rer Rock­mu­sik der is­län­di­schen Band „Si­gur Rós“. Dann Bei­fall, der in Ste­ve Reichs „Clap­ping Mu­sic“über­geht. Nach ei­ner vom gan­zen En­sem­ble re­gel­recht ze­le­brier­ten He­bung wird der dann hoch oben ste­hen­de Di­rek­tor – Lo­ren­zo An­ge­li­ni, der So­list die­ser Cho­reo­gra­fie – quer über die Büh­ne ge­tra­gen.

Was der Zu­schau­er in der nun fol­gen­den hal­ben St­un­de sieht, sind un­ge­wöhn­li­che Mo­tio­nen, oft paar­wei­se aus­ge­führt, und Par­odi­en oder Slap­sticks zu wech­seln­den Sound­tracks von Ezio Bos­so, Ólaf­ur Ar­nalds und Da­ni­el Hat­va­ni: mal wum­mern­de Syn­the­si­zer-Flä­chen­mu­sik mit Schlag­werk-Ak­zen­ten, dann ele­gan­te Strei­cher­li­ni­en über Kla­vierAr­peg­gi­en. Der be­frack­te Zir­kus­di­rek­tor Die Wan­der­zir­kus-Idee bleibt stets prä­sent, doch es be­darf nicht des Hin­ter­fra­gens, denn es gibt ge­nug zu se­hen. Das Tanz­stück ist sehr ab­wechs­lungs­reich und kurz­wei­lig. Zu ei­nem Hö­he­punkt wird das skur­ri­le Duo, fast ein Pas-de-deux, des weiß be­frack­ten Di­rek­tors in schwar­zen Ho­sen, der mit ei­nem schwar­zen Tor­so in wei­ßem Bein­kleid zu ei­ner sich aben­teu­er­lich ver­ren­ken­den Fi­gur in ar­tis­ti­schen Po­sen ver­schmilzt – ein bril­lan­ter Ein­fall.

„La­scia che ac­ca­da“, auf Deutsch „Lass ge­sche­hen, was ge­schieht“, zeigt sich in­des mit Sprün­gen, He­bun­gen, So­li und ge­schlos­se­nen En­sem­bles – et­wa ei­nem sehr dy­na­mi­schen Män­ner-Quar­tett – noch et­was stär­ker an der klas­si­schen Bal­lett­tra­di­ti­on ori­en­tiert. Sca­fa­ti hat auch kon­ven­tio­nel­le­re Mu­sik aus­ge­sucht, die „be­tanzt“wird: Ly­ri­sches und und lo­cker Spru­deln­des aus den Kla­vier­und Vio­lin­kon­zer­ten des ame­ri­ka­ni­schen Mi­ni­ma­lis­ten Phi­lip Glass und folk­lo­ris­tisch An­ge­hauch­tes von dem un­ga­ri­schen Rock-Bar­den Fe­lix La­j­ko.

„Los­las­sen!“– die­ses Mot­to wird mit an Fä­den ge­hal­te­nen, am En­de tat­säch­lich weg­flie­gen­den Luft­bal­lons, je ei­ner für die zehn En­sem­ble­mit­glie­der, sym­bo­li­siert. Die Com­pa­gnie grüßt noch ein­mal vom Hin­ter­grund der Büh­ne (Ent­wür­fe: San­dra Deh­ler) her­über, auf der fas­zi­nie­ren­de Sze­nen oft in wa­bern­den Ne­beln bei ver­blüf­fen­den Be­leuch­tun­gen (Mar­cus Denk) ab­ge­lau­fen sind. Nächs­te Vor­stel­lun­gen 25., 31. Ok­to­ber, 7., 8., 13. No­vem­ber, Kar­ten über 0731/161-4444 (Thea­ter­kas­se).

FOTO: HER­MANN POSCH

Gi­u­sep­pe Spo­tas „Wan­de­rers“mit Lo­ren­zo An­ge­li­ni, Bog­dan Mu­resan, Da­mi­en Naz­a­bal und Pa­blo San­sal­va­dor (von links) nimmt auch Ele­men­te des Slap­stick auf.

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