Pral­ler Klang aus Freiburg

Neue Auf­nah­men des Ba­rock­or­ches­ters

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Rein­hold Mann

ie bei­den neu­en CDs des Frei­bur­ger Ba­rock­or­ches­ters bie­ten ei­nen pral­len Klang. Sie fal­len mit der Tür ins Haus. Bachs Cem­ba­lo-Kon­zer­te ras­seln un­ge­stüm los. Schu­manns Kla­vier­kon­zert setzt mit ei­nem Schlag ein, als sei­en die Ge­brü­der Klitsch­ko am Werk.

Die Un­mit­tel­bar­keit des Klang­bilds hat ih­ren Reiz. Aber wahr­schein­lich klin­gen bei­de Wer­ke im Kon­zert nicht so wie auf den CDs, die jetzt beim La­bel Har­mo­nia Mun­di er­schie­nen sind. Der Grund da­für liegt im be­grenz­ten Klang­po­ten­zi­al al­ter Tas­ten­in­stru­men­te.

Bei der Auf­nah­me mit Andre­as Stai­er, der auf dem Nach­bau ei­nes his­to­ri­schen Cem­ba­los spielt, wird die Auf­nah­me­tech­nik im Book­let ei­gens do­ku­men­tiert. Die Kom­bi­na­ti­on von Mi­kro­fo­nen, die auf das In­stru­ment ge­rich­tet sind und sol­chen, die den Raum­klang ein­fan­gen, so­wie die Misch­ver­fah­ren für die Ton­signa­le füh­ren da­zu, dass ein Klang­bild auf­ge­baut wird, in dem sich das So­lo­in­stru­ment bes­tens be­haup­ten kann. Im Kon­zert ist das ei­ne Fra­ge der akus­ti­schen Qua­li­tä­ten des Raums. Auf der CD je­den­falls geht die zar­te, silb­ri­ge Klang­far­be des Cem­ba­los nicht im Orches­ter­klang un­ter.

Man kann hier von ei­nem au­dio­phi­len An­satz spre­chen. Fried­rich Gul­da, des­sen Bach-Auf­nah­men aus den 1970er Jah­ren im le­gen­dä­ren MPS-Ton­stu­dio in Vil­lin­gen ge­ra­de wie­der er­schie­nen sind, steht für ähn­li­che Be­mü­hun­gen.

Bei der zwei­ten CD, dem Schu­mann-Kla­vier­kon­zert mit Alexander Mel­ni­kow, kann man von ei­ner ähn­li­chen Auf­nah­me­tech­nik aus­ge­hen. Mel­ni­kow spielt auf ei­nem Er­ar­dFlü­gel aus dem Jah­re 1837. Auch hier wird das Klang­bild des al­ten In­stru­ments sehr gut wie­der­ge­ge­ben. Die Auf­nah­me­tech­nik trans­por­tiert von den Ei­gen­schaf­ten des his­to­ri­schen In­stru­ments die Klang­far­be und kom­pen­siert die schwä­che­re Dy­na­mik. So hat man eher den Ein­druck, ei­nen mo­der­nen Kon­zert­flü­gel zu hö­ren, vor al­lem im For­te.

Zu­dem agiert das Kla­vier im Schu­mann-Kon­zert mit ei­nem poin­tiert, aber auch auf­trump­fend agie­ren­den Orches­ter. Un­ter Pa­blo He­ras-Ca­sa­do spie­len die Frei­bur­ger im auf­ge­dreh­tes­ten Ba­rock-Mo­dus mit knal­li­gen Ak­zen­ten. Das al­les er­laubt schö­ne De­tail­wahr­neh­mun­gen der Klang­far­ben der In­stru­men­te, auch die Trans­pa­renz ist wun­der­bar, aber die In­ter­pre­ta­ti­on wirkt stre­cken­wei­se pe­dan­tisch, di­dak­ti­sie­rend: So, liebes Pu­bli­kum, klingt Ro­man­tik, wenn ein Ba­rock­or­ches­ter spielt.

All das fällt um­so mehr auf, als das be­währ­te Trio Mel­ni­kow-Faus­tQu­ey­ras kam­mer­mu­si­ka­lisch in schöns­ter Frei­heit beim Schu­man­nKla­vier­trio Nr. 2 zu hö­ren ist. Und auch Mel­ni­kows Wahl über­zeugt, hier ein Strei­cher-Kla­vier von 1847 vor­zu­stel­len, um im Ver­ein mit Isa­bel­le Fausts Stra­di­va­ri von 1704 und Je­an-Gui­hen Qu­ey­ras’ Cel­lo von 1696 zu spie­len.

Andre­as Strei­cher (1761-1833), der Grün­der der Wie­ner Kla­vier­bau­er­fa­mi­lie, die für die mo­derns­ten In­stru­men­te der Zeit be­rühmt wur­de, war ein Freund Schil­lers und Beet­ho­vens. Im Stutt­gar­ter Wai­sen­haus auf­ge­wach­sen konn­te er wie Schil­ler die Karls­schu­le be­su­chen. Er reis­te mit ihm zur Urauf­füh­rung der „Räu­ber“in Mann­heim. Und trat als Pia­nist her­vor, be­vor er in Wi­en mit dem Kla­vier­bau be­gann. Neue Auf­nah­men des Frei­bur­ger Ba­rock­or­ches­ters: Bach, Cem­ba­lo­kon­zer­te, Andre­as Stai­er, HMC 902181.82. Schu­mann, Kla­vier­kon­zert, Alexander Mel­ni­kow, HMC 902198. Das Frei­bur­ger Ba­rock­or­ches­ter ist mit Andre­as Stai­er am 3. Fe­bru­ar 2016 zu Gast bei den Wan­ge­ner Alt­stadt­kon­zer­ten.

FOTO: PR

Das Frei­bur­ger Ba­rock­or­ches­ter po­siert vor dem Müns­ter.

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