Stadt darf Schorn­stein­hö­he nicht fest­le­gen

Kre­ma­to­ri­um: Stadt­bau­meis­ter er­klärt, dass die Im­mis­si­ons­schutz­be­hör­de zu­stän­dig ist

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MESSKIRCH - Von Se­bas­ti­an Mu­solf

MESSKIRCH - Die Bür­ger­initia­ti­ve „Kein Kre­ma­to­ri­um am Meß­kir­cher Fried­hof“for­dert in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung, dass die Hö­he des Schorn­steins des Kre­ma­to­ri­ums noch vor der Ab­stim­mung im Ge­mein­de­rat kon­kret be­rech­net und im Be­bau­ungs­plan fest­ge­setzt wer­den soll. „Aus dem Rat­haus gab es da­zu bis­lang nur va­ge und auch wi­der­sprüch­li­che An­ga­ben. Zu­letzt wur­de mit­ge­teilt, dass der Schorn­stein bis knapp über die Hang­kan­te rei­chen wird“, heißt es in der Mit­tei­lung.

Die Bür­ger­initia­ti­ve ist der An­sicht, dass auf­grund der be­son­de­ren to­po­gra­phi­schen La­ge ei­ne um­ge­hen­de kon­kre­te Be­rech­nung der Schorn­stein­hö­he un­er­läss­lich ist: „Nur wenn der Sach­ver­halt aus­rei­chend ge­klärt ist, kann dar­über ent­schie­den wer­den. Des­halb muss dem Ge­mein­de­rat noch vor der Ab­stim­mung be­kannt sein, wie sich die Schorn­stein­hö­he im Hin­blick auf die Emis­si­ons­träch­tig­keit des Kre­ma­to­ri­ums aus­wirkt und ob ei­ne ent­spre­chen­de Hö­he im na­hen Um­feld zum Fried­hof über­haupt ge­biets­ver­träg­lich ist.“

Denn rei­che der Schorn­stein nur bis zur Hang­kan­te oder knapp dar­über, sei we­gen des um­lie­gen­den ho­hen Baum­be­stan­des ein un­ge­hin­der­ter Ab­zug der Emis­sio­nen in die freie Luft­strö­mung nicht ge­währ­leis­tet, meint die Initia­ti­ve. Dies be­deu­te ih­rer An­sicht nach ei­ne Ge­fähr­dung von Um­welt und Ge­sund­heit, da von ei­ner Null-Emis­si­on auch bei hoch­mo­der­nen Fil­ter­sys­te­men nicht aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne. „Oder aber der Schorn­stein wird so hoch, dass er den Baum­be­stand über­ragt. Er­for­der­lich wä­re dann ei­ne Hö­he von et­wa 38 Me­tern (Hang zehn Me­ter, Kas­ta­ni­en 25 Me­ter, Über­stand drei Me­ter)“, be­haup­tet die Initia­ti­ve.

Stadt­bau­meis­ter Tho­mas Kölsch­bach sagt im Ge­spräch mit der Schwä­bi­schen Zei­tung, dass die Hö­he des Schorn­steins in der Tat noch nicht fest­steht. Die Stadt­ver­wal­tung sei al­ler­dings nicht be­rech­tigt, ei­ne be­stimm­te Hö­he vor­zu­ge­ben: „Die Fest­le­gung der Hö­he ist al­lein Auf­ga­be der Im­mis­si­ons­schutz­be­hör­de. Sie legt die­se im Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren fest.“Laut Bun­des-Im­mis­si­ons­schutz­ver­ord­nung ist ei­ne Min­dest­hö­he von zehn Me­tern über Flur vor­ge­ge­ben. Da das Kre­ma­to­ri­um ei­ne ma­xi­ma­le Hö­he von sechs Me­tern ha­be, wür­de in die­sem Fall der Schorn­stein das Ge­bäu­de um vier Me­ter über­ra­gen. Bei der Fest­le­gung der Hö­he spie­le laut Ver­ord­nung der be­nach­bar­te Baum­be­stand auch kei­ne Rol­le, er­klärt Kölsch­bach. Es sei völ­lig ab­we­gig, dass der Schorn­stein wie von der Initia­ti­ve be­fürch­tet, 38 Me­ter hoch wer­de. Zu­dem ent­stün­den bei der Ver­bren­nung der To­ten kei­ne dich­ten Qualm­wol­ken. Be­bau­ungs­plan könn­te im De­zem­ber rechts­kräf­tig wer­den Vor­aus­sicht­lich im De­zem­ber soll ein Sat­zungs­be­schluss er­fol­gen und der Be­bau­ungs­plan des Kre­ma­to­ri­ums rechts­kräf­tig wer­den. Kölsch­bach geht da­von aus, dass der In­ves­tor ab die­sem Zeit­punkt sei­ne Un­ter­la­gen bei der Im­mis­si­ons­schutz­be­hör­de ein­rei­chen wird und die­se dann die Hö­he des Schorn­steins fest­legt. Da­zu ha­be das Amt ma­xi­mal drei Mo­na­te Zeit.

Kürz­lich hat­te die Initia­ti­ve die Fra­ge auf­ge­wor­fen, wer die Kos­ten für ei­ne et­wai­ge Alt­las­ten­ent­sor­gung auf dem Ge­län­de tra­gen müs­se. Kölsch­bach sagt, dass der Be­reich im Alt­las­ten­ka­tas­ter auf­ge­nom­men wor­den sei. „Das Land­rats­amt hat uns nicht die Auf­la­ge er­teilt, dass wir dort Alt­las­ten sa­nie­ren müs­sen.“Zu­dem wer­de in die­sem Be­reich nicht in die Tie­fe ge­baut. Wenn den­noch Alt­las­ten auf dem Grund­stück des Kre­ma­to­ri­ums auf­tau­chen, müs­se der Be­trei­ber die­se ent­sor­gen. „Bei der an­gren­zen­den öf­fent­li­chen Park­platz­flä­che wä­ren hin­ge­gen wir zu­stän­dig“, sagt der Stadt­bau­meis­ter.

„Ei­nen Aus­tausch oder ei­ne Nach­fra­ge von Sei­ten der Bür­ger­initia­ti­ve hat es nicht ein ein­zi­ges Mal ge­ge­ben. Sie ha­ben nicht ein­mal das Ge­spräch ge­sucht“, kri­ti­siert Kölsch­bach das Ver­hal­ten der Kre­ma­to­ri­ums­geg­ner. Le­dig­lich am letz­ten Tag der Of­fen­la­ge der Plä­ne ha­ben sie ih­re Stel­lung­nah­me ein­ge­bracht.

FOTO: DPA

In Meß­kirch soll das ers­te Kre­ma­to­ri­um im Land­kreis Sigmaringen ent­ste­hen. Die Bür­ger­initia­ti­ve „Kein Kre­ma­to­ri­um am Meß­kir­cher Fried­hof“be­män­gelt, dass die Hö­he des Schorn­steins der An­la­ge noch nicht fest­steht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.