Ap­pell an die Gu­ten

Die Düs­sel­dor­fer Band Broi­lers spricht sich für Zi­vil­cou­ra­ge aus

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SZENE AM WOCHENENDE -

Et­was weh­mü­tig sit­zen Ines und An­di von den Broi­lers vor ih­rem Auf­tritt bei Rock am See beim In­ter­view. Denn vor­erst ist jetzt Live-Pau­se an­ge­sagt. Chris­tia­ne Wohl­haupter hat mit Bas­sis­tin Ines und Schlag­zeu­ger An­di über die Leh­ren des jüngs­ten Al­bums und neue Plä­ne ge­spro­chen. Ihr macht jetzt erst ein­mal Pau­se. Müs­sen sich die Fans et­wa Sor­gen ma­chen, dass ihr aus­ge­brannt seid? An­di: Ne, gar nicht. Wir wol­len ein neu­es Al­bum ma­chen, und uns fällt das wäh­rend des Tou­rens im­mer sehr schwer. Be­vor man aus­brennt und nichts Neu­es zu bie­ten hat, ha­ben wir ge­dacht, neh­men wir uns lie­ber mal zu­rück, spie­len ein neu­es Al­bum ein, la­den die Bat­te­ri­en neu auf. Ines: Es ist auch nicht so, dass wir uns jetzt ein Jahr lang nicht se­hen oder so. Wir ma­chen jetzt zwar al­le erst mal Ur­laub und ha­ben dann neue Ener­gie und ge­hen dann wie­der an un­se­re Waf­fen. An­di: Wir ha­ben im Stu­dio schon die ers­ten De­mos auf­ge­nom­men und hof­fen, dass das jetzt recht schnell so wei­ter­geht. Was macht ihr denn ge­nau, um die Bat­te­ri­en wie­der auf­zu­la­den? An­di: Die meis­ten von uns fah­ren tat­säch­lich in Ur­laub. Dann ein biss­chen Zeit mit Freun­den, Fa­mi­lie ver­brin­gen. Ich freue mich to­tal dar­auf, die Vor­weih­nachts­zeit zu nut­zen. Die letz­ten Jah­re wa­ren wir da im­mer auf Tour. Jetzt mal so al­les mit­neh­men: Kür­bis­sup­pe ko­chen, Kür­bis­se schnit­zen ... Ines: ... zu Weih­nach­ten Eier­punsch trin­ken. Aber wir se­hen uns trotz­dem. Da wer­den die Fans ja er­leich­tert sein, die ver­mu­tet hat­ten, ihr könn­tet zu lang und zu dicht auf­ein­an­der ge­ses­sen ha­ben. Wie schafft man es denn, so lan­ge so gut be­freun­det zu sein? Ines: Wir sa­gen spa­ßes­hal­ber im­mer: Wir ha­ben gar kei­ne an­de­ren Freun­de mehr. Weil wir seit Jah­ren zu­sam­men­hän­gen, kön­nen und wol­len wir gar nicht mehr oh­ne ein­an­der. Es macht im­mer noch Spaß, kei­ner denkt: „Boah, jetzt muss ich die Eier­köp­fe schon wie­der se­hen.“An­di: Das ist auch das Al­ler­wich­tigs­te, wenn du ei­ne Band grün­dest: Such’ dir Freun­de. Nicht Mu­si­ker, die zwar gut spie­len, aber mit de­nen du sonst nichts ge­mein­sam hast. Uns war die Freund­schaft im­mer wich­ti­ger als die Band selbst. Wie sol­len sich die Fans die Broi­lers-freie Zeit ver­trei­ben? Ines: Viel Mu­sik hö­ren, auf Kon­zer­te ge­hen, un­se­re Plat­ten hö­ren, un­se­re DVD an­schau­en. An­di: Nor­th­cote hat ein neu­es Al­bum, das soll­te man sich mal an­hö­ren. Bru­ce Springs­teen braucht im­mer Un­ter­stüt­zung. Es ist ja auch ab­seh­bar, dass wir wie­der­kom­men. Die ers­ten De­mos sind schon im Kas­ten. Wel­che Leh­ren habt ihr denn aus eu­rem 2014er Al­bum „Noir“ge­zo­gen? Ines: Wei­ter­ma­chen wie auf „Noir“. Wir ma­chen das, wor­auf wir Lust ha­ben, da kön­nen wir da­hin­ter­ste­hen. An­di: Wer ei­nen doof fin­den will, fin­det im­mer Grün­de, ei­nen doof zu fin­den. Wenn man hin­ter sei­nen Sa­chen steht, kann ei­nem das ziem­lich

Tut es trotz­dem weh, wenn lang­jäh­ri­ge Fans eu­er jüngs­tes Al­bum nicht gut fan­den? Oder zieht man sich die­se Kri­tik gar nicht rein? An­di: Das tut im ers­ten Mo­ment schon weh, aber man muss sich dann eben ein di­cke­res Fell zu­le­gen. Was in­spi­riert euch für das nächs­te Al­bum? An­di: Es ist na­tür­lich noch ein biss­chen früh, das mit Ge­wiss­heit zu sa­gen, aber ich den­ke, dass die po­li­ti­sche La­ge, die Flücht­lings­the­ma­tik in die Lie­der mit ein­flie­ßen wird. Ines: Es ist echt trau­rig, dass wir da an­ge­langt sind, wo man dann wie­der klar Stel­lung be­zie­hen muss. Ist „Ich will hier nicht sein“, der Song, den ihr 2014 der Flücht­lings­the­ma­tik ge­wid­met habt, al­so noch wich­ti­ger ge­wor­den? An­di: Lei­der ist das Lied so ak­tu­ell wie nie zu­vor. Man hat schon mor­gens kei­nen Bock, den Com­pu­ter an­zu­schal­ten, weil man nur liest, da brennt ein Flücht­lings­heim ... Ines: Das macht echt ag­gres­siv.

ei­ne Band aus Die Broi­lers sind

der Punk, Rock Düsseldorf, bei Lan­ge

auf­ein­an­der­tref­fen. und Ska ge­han­delt, als Ge­heim­tipp

ih­rem Al­bum wur­den sie mit

(2011) und dem „San­ta Mu­er­te“

(2014) ei­ner Nach­fol­ger „Noir“

Nach vie­len brei­ten Mas­se be­kannt.

Fes­ti­va­l­auf­trit­ten Kon­zer­ten und

jetzt im Stu­dio wol­len sie sich

neue Al­bum an die Ar­beit fürs

(crw) ma­chen.

egal sein, ob ei­nen die Leu­te fei­ern oder nicht. Kommt die­se rech­te Ge­sin­nung über­ra­schend? An­di: Ich dach­te, die Leu­te hät­ten aus Hoyerswerda, Mölln und Ros­tock ge­lernt. Aber seit Pegida und den vie­len auf­rech­ten, be­sorg­ten Bür­gern, die nichts an­de­res wa­ren als ma­ro­die­ren­de Na­zi­hor­den, war das ab­zu­se­hen. Ines: Ich hat­te schon im­mer be­fürch­tet, dass viel Kon­ser­va­ti­ves in den Leu­ten steckt. Aber mich über­rascht die Dumm­heit der Men­schen, dass die nicht zwei Schrit­te wei­ter­den­ken. Sei­ten wie „Hoo­li­gans ge­gen Satz­bau“füh­ren die­se Dumm­heit vor ... Ines: Ich ha­be die Sei­te auch ge­li­ked, und vor ein paar Mo­na­ten wa­ren da teil­wei­se noch Sa­chen da­bei, die mich zum Schmun­zeln ge­bracht ha­ben. Aber mitt­ler­wei­le kann ich nur noch den Kopf schüt­teln. An­di: Mit die­sen Leu­ten kann man ja auch nicht mehr dis­ku­tie­ren. Die ver­schlie­ßen sich ja auch vor Zah­len und Fak­ten und glau­ben lie­ber ob­sku­ren Sei­ten im In­ter­net. Das ist, wie je­mand an­de­res schon sag­te, wie mit ei­ner Tau­be Schach zu spie­len. Die schmeißt al­le Fi­gu­ren um und kackt dir aufs Brett und fühlt sich als Sie­ger. Da weiß ich auch nicht, wie man dem ent­ge­gen­tritt. Hu­mor ist ein gu­ter An­satz ... Ines: Aber Hu­mor schwächt das auch wie­der ein biss­chen ab. Das ist auch ge­fähr­lich. An­di: Da hast du auch recht. Was wä­re ein bes­se­rer An­satz? An­di: Vi­el­leicht muss man den gan­zen Leu­ten, die man noch er­rei­chen kann, klar­ma­chen: Ihr seid gar kei­ne be­sorg­ten Bür­ger. Ihr lauft da ganz schlech­ten Leu­ten hin­ter­her. Von den 15 000 Men­schen, die bei Pegida wa­ren, wa­ren si­cher auch nicht al­le knall­har­te Na­zis. Son­dern da ha­ben auch Leu­te Schil­der ge­gen die GEZ hoch­ge­hal­ten. Das war eben ein Sam­mel­be­cken für un­zu­frie­de­ne Leu­te. Ines: Ich glau­be, die Gu­ten müs­sen sich stär­ker zu Wort mel­den, Zi­vil­cou­ra­ge zei­gen. Zei­gen, dass sie die­se Mei­nung nicht tei­len. Und die Me­di­en müs­sen über die vie­len po­si­ti­ven Initia­ti­ven be­rich­ten.

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