Der Papst wird ka­tho­lisch blei­ben

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Klaus Nach­baur

Ei­ne Fa­mi­li­en­syn­ode, auf der all­zu ho­he Er­war­tun­gen las­te­ten, ist zu En­de ge­gan­gen. Die so­ge­nann­ten Fort­schritt­li­chen – in Deutsch­land ist das die Be­we­gung „Wir sind Kir­che“– hat­ten sich von der Syn­ode er­hofft, dass die ka­tho­li­sche Kir­che rund­um et­was evan­ge­li­scher wer­den sol­le. Vor al­lem die Pas­to­ral wie­der­ver­hei­ra­te­ter Ka­tho­li­ken soll­te den Zeit­läuf­ten an­ge­passt wer­den. Auf der an­de­ren Sei­te gibt es star­ke kon­ser­va­ti­ve Kräf­te, die in je­der Art von Nach­gie­big­keit ein Fun­da­ment ih­rer Kir­che be­droht se­hen. Jetzt wer­den bei­de ein we­nig ent­täuscht sein. Bei­de wer­den auch ein we­nig er­freut sein, weil das Ab­schluss­pa­pier Spiel­räu­me lässt. Der Papst hat das Wort.

Na­tür­lich hängt das Ru­mo­ren mit der Per­son die­ses ei­gen­ar­ti­gen Hei­li­gen Va­ters aus Ar­gen­ti­ni­en zu­sam­men. Papst Fran­zis­kus ist den Er­neue­rern ei­ne gro­ße Hoff­nung, kon­ser­va­ti­ven Ka­tho­li­ken ist er su­spekt. Ver­wir­rend sind ih­nen die Si­gna­le, die die­ser „Spon­ti­fex Ma­xi­mus“bis­her aus­ge­sen­det hat. Das geht bis in höchs­te Kir­chen­krei­se. Ein zer­strit­te­ne­res Kar­di­nals- und Bi­schofs­kol­le­gi­um, ei­ne ir­ri­tier­te­re Ku­rie in Rom at es wohl noch nie ge­ge­ben.

Das ist ein Irr­tum. Die­ser 2000 Jah­re al­te Tan­ker – „die ei­ne hei­li­ge ka­tho­li­sche Kir­che“– war schon oft in schwe­rer See un­ter­wegs. Un­ter­ge­gan­gen ist er nie, trotz bis­wei­len schlech­ter Steu­er­män­ner, trotz Streits um den rech­ten Kurs. So ein Streit wird auch der­zeit aus­ge­foch­ten. Aber das Pro­blem sieht aus eu­ro­päi­scher Sicht an­ders aus als aus afri­ka­ni­scher oder aus la­tein­ame­ri­ka­ni­scher oder aus asia­ti­scher Sicht. Zu­ge­spitzt: Wes­halb soll­te „Wir sind Kir­che“den Afri­ka­nern vor­ge­ben, wel­chen fa­mi­li­en­po­li­ti­schen Kurs sie zu fah­ren ha­ben? Das wä­re ei­ne Art Re­li­gi­ons­ko­lo­nia­lis­mus. Fran­zis­kus hat an­ge­deu­tet, dass er ei­ne de­zen­tra­le Kir­che wünscht. Das ist gut. Gut ist auch, dass al­le deutsch­spra­chi­gen Syn­oden-Teil­neh­mer das­sel­be Do­ku­ment un­ter­zeich­net ha­ben.

Als si­cher darf gel­ten: Die­ser Papst wird ka­tho­lisch blei­ben. Die Hoff­nun­gen der ei­nen und die Be­fürch­tun­gen der an­de­ren Sei­te wer­den un­er­füllt blei­ben.

k.nach­baur@schwa­ebi­sche.de

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