Ar­gen­ti­ni­ens Wahl steht im Zei­chen ei­nes Rug­by­spiels

Laut Pro­gno­sen wird zwei­ter Wahl­gang nö­tig sein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Klaus Eh­ring­feld

BU­E­NOS AI­RES - Au­gus­to Ramí­rez eilt aus ei­ner Schu­le im Stadt­teil Bar­rio Nor­te von Bu­e­nos Ai­res. Der Ein­zel­han­dels­kauf­mann hat ge­ra­de sei­ne Stim­me für die ar­gen­ti­ni­sche Prä­si­den­ten­wahl ab­ge­ge­ben. „Ich ha­be den Re­gie­rungs­kan­di­da­ten Da­ni­el Scio­li ge­wählt“, sagt er. „Scio­li ge­fällt mir zwar nicht, aber das Pro­jekt der schei­den­den Prä­si­den­tin Kirch­ner, das er ver­tritt, über­zeugt mich.“

Ramí­rez nennt Men­schen­rech­te, das Küm­mern um die so­zi­al Schwa­chen und die Wie­der­er­star­kung der In­dus­trie als Grün­de. Dann nimmt er ei­nen Schluck Ma­te­tee aus ei­ner Ther­mos­kan­ne und geht mit den Wor­ten: „Ich muss das Spiel se­hen.“

Ge­meint ist das Halb­fi­na­le der Rug­by-WM in En­g­land, wo am Sonn­tag­mit­tag Ar­gen­ti­ni­en ge­gen Aus­tra­li­en um den Ein­zug ins WM-Fi­na­le ge­spielt hat. Die Prä­si­den­ten­wahl, in der ein Nach­fol­ger für die Amts­in­ha­be­rin Cristina Kirch­ner ge­sucht wur­de, stand im Zei­chen des Spiels – zu­min­dest in den Mit­tel- und Ober­klas­se­vier­teln von Bu­e­nos Ai­res, wo Rug­by be­liebt ist. Dort war mor­gens ein gro­ßer An­drang. Vie­le woll­ten mit­tags das Spiel se­hen, aber vie­le woll­ten auch un­be­dingt ab­stim­men.

Denn das süd­ame­ri­ka­ni­sche Land ist nach acht Jah­ren links­na­tio­na­lis­ti­scher Re­gie­rung ge­spal­ten. Das er­ken­nen Geg­ner und Be­für­wor­ter der schei­den­den Re­gie­rung an. Und des­we­gen ging es am Sonn­tag für die meis­ten der 32 Mil­lio­nen Wahl­be­rech­tig­ten dar­um, Ar­gen­ti­ni­en ent­we­der ei­ne neue Rich­tung zu ge­ben oder der staat­lich ge­lenk­ten Wirt­schaft, der Un­ter­stüt­zung für die Ar­men und der per­so­na­li­sier­ten Po­li­tik noch­mal den Vor­zug zu ge­ben.

Lu­is und Da­na Bar­ras wis­sen, was sie wol­len: „Die­se Scheiß-Re­gie­rung muss weg.“Der Un­ter­neh­mer Lu­is zählt gleich al­le Pro­ble­me auf, die Kirch­ner dem Land hin­ter­las­sen ha­ben soll: Kor­rup­ti­on, „Kri­mi­na­li­tät so­wie ei­ne mi­se­ra­ble Bil­dung und ein de­fi­zi­tä­res Ge­sund­heits­sys­tem“.

Wenn die Umfragen vor der Wahl stim­men, wird es ver­mut­lich kei­ner der Kan­di­da­ten im ers­ten Wahl­gang schaf­fen, die not­wen­di­ge Mehr­heit von 40 Pro­zent und ei­nem Min­dest­ab­stand von zehn Punk­ten auf den Zweit­plat­zier­ten zu er­rei­chen. Bes­te Chan­cen da­für hat­te Re­gie­rungs­kan­di­dat Scio­li, dem in Umfragen 38 Pro­zent vor­her­ge­sagt wur­den.

Ex­per­ten warn­ten vor mög­li­chen Wahl­fäl­schun­gen, da das Er­geb­nis sehr knapp sein könn­te und es vor zwei Mo­na­ten bei den Gou­ver­neurs­wah­len in Tu­cumán ei­nen mas­si­ven Fäl­schungs­ver­such zu­guns­ten der Kirch­ner-Kan­di­da­ten ge­ge­ben hat.

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