„Mit Tü­cken be­haf­tet“

Ex­per­ten zum The­ma „Fe­ri­en­häu­ser als Ka­pi­tal­an­la­ge“

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - AUS ALLER WELT -

BONN (dpa) - Ein Fe­ri­en­häus­chen am Meer als Ka­pi­tal­an­la­ge? Das klingt ver­lo­ckend. Doch die Rea­li­tät sieht oft an­ders aus. Ein Über­blick mit Fra­gen von Sa­bi­ne Meu­ter und Ant­wor­ten meh­rer Ex­per­ten zum The­ma. Ei­ne Fe­ri­en­im­mo­bi­lie als Ka­pi­tal­an­la­ge – wie sinn­voll ist das? In der ak­tu­el­len Nied­rig­zins­pha­se kann es sinn­voll sein, mehr auf Sach­wer­te wie Im­mo­bi­li­en zu set­zen, sagt Ralf Scher­f­ling von der Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW. An­le­ger soll­ten aber dar­auf ach­ten, dass am En­de nicht die Sach­wer­te das Port­fo­lio do­mi­nie­ren. Lohnt sich das über­haupt fi­nan­zi­ell? „Ei­ne Fe­ri­en­im­mo­bi­lie lohnt sich fi­nan­zi­ell meist dann, wenn sie we­nig oder gar nicht selbst ge­nutzt wird so­wie kon­stan­te und hin­rei­chend ho­he Miet­ein­nah­men er­zielt wer­den kön­nen“, er­klärt Alexander Wiech von Haus & Grund Deutsch­land. Sie lohnt sich au­ßer­dem eher, wenn man die steu­er­li­chen An­fangs­ver­lus­te mit an­de­ren Ein­künf­ten ver­rech­nen kann, er­klärt Hans-Jo­chen Ger­lach vom Ver­band Wohn­ei­gen­tum. Wich­tig ist, beim Kauf­preis nicht übers Ohr ge­hau­en zu wer­den – hilf­reich ist, Ver­gleich­s­prei­se am Ort und die rea­lis­ti­schen Miet­ein­nah­men zu ken­nen. Wo fin­den In­ter­es­sen­ten ge­eig­ne­te Ob­jek­te? Das In­ter­net kann ei­ne ers­te An­lauf­stel­le sein: „Un­ab­ding­bar sind um­fas­sen­de Be­sich­ti­gun­gen und ein Er­kun­den der Um­ge­bung vor Ort“, sagt Pe­ter Schöll­horn von der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung Aus­lands­im­mo­bi­li­en (DSA). Ent­schei­dend ist die La­ge des Ob­jek­tes. Kauf­in­ter­es­sen­ten kön­nen sich auch an Mak­ler wen­den, die auf Fe­ri­en­im­mo­bi­li­en spe­zia­li­siert sind. Fi­nan­ziert sich das Ob­jekt mit Blick auf Miet­ein­nah­men von al­lein? „Wenn die Im­mo­bi­lie nicht auch selbst ge­nutzt wird, die Aus­las­tung stimmt und die Mie­te rich­tig kal­ku­liert wur­de, soll­te die Fi­nan­zie­rung ge­si­chert sein“, sagt Alexander Wiech. Bei der Miet­kal­ku­la­ti­on muss man aber auch das Ri­si­ko des Leer­stands be­rück­sich­ti­gen. Und Fe­ri­en­woh­nun­gen ha­ben im Ver­gleich zu sons­ti­gen Miet­woh­nun­gen durch wech­seln­de Be­woh­ner zu­sätz­li­che Ri­si­ken. „Da­zu ge­hö­ren et­wa hö­he­re Ab­nut­zung so­wie Be­schä­di­gun­gen et­wa an Tep­pich­bö­den oder Gar­di­nen“, so Ger­lach. Wel­chen Auf­wand ha­ben Ei­gen­tü­mer mit ih­rer Fe­ri­en­im­mo­bi­lie? Wer nicht selbst vor Ort sein kann, muss je­man­den mit Ver­mie­tung, Ver­wal­tung und Pfle­ge be­auf­tra­gen. Das über­neh­men häu­fig Agen­tu­ren, die es in den meis­ten Fe­ri­en­re­gio­nen gibt. „Ei­ne Agen­tur küm­mert sich häu­fig auch um die Or­ga­ni­sa­ti­on der End­rei­ni­gung oder das Be­schwer­de­ma­nage­ment“, er­klärt Ger­lach. Wel­che Zu­satz­kos­ten kom­men auf ei­nen zu? Die Im­mo­bi­lie muss mo­der­ni­siert und in­stand ge­setzt wer­den, das kann ins Geld ge­hen. „Ne­ben Ver­wal­tungs­und Pfle­ge­kos­ten fal­len die üb­li­chen Be­triebs­kos­ten wie Grund­steu­er so­wie Ent­wäs­se­rungs­und Müll­ge­büh­ren an“, er­klärt Wiech. Wo lau­ern Fal­len? Soll­te das Ob­jekt ei­ne klas­si­sche Wohn­im­mo­bi­lie sein, kann sie nicht im­mer als Fe­ri­en­woh­nung ver­mie­tet wer­den. Schöll­horn sagt, dass in Län­dern wie Ita­li­en, Frank­reich und Spa­ni­en pri­vat­schrift­li­che Kauf­ver­trä­ge oh­ne no­ta­ri­el­le Beur­kun­dung ver­bind­lich sind. „Der Ver­trag ist al­so auch dann gül­tig, wenn es sich nur um ein Blatt Pa­pier han­delt.“Un­er­fah­re­ne Kauf­in­ter­es­sen­ten könn­ten da­bei über­vor­teilt wer­den.

FOTO: DPA

Ein Haus am Meer – da­von träu­men vie­le. Doch ei­ne Fe­ri­en­im­mo­bi­lie eig­net sich nicht im­mer als Ka­pi­tal­an­la­ge.

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