Hoch ver­tei­di­gen, knapp ver­lie­ren

Er­neut führt die all­zu of­fen­si­ve Spiel­wei­se des VfB Stuttgart beim 3:4 in Le­ver­ku­sen zu ei­ner un­nö­ti­gen Nie­der­la­ge

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Jo­chen Schlos­ser und un­se­ren Agen­tu­ren

s war et­was Zeit ver­gan­gen, ehe Alexander Zor­ni­ger dem Re­por­ter des ZDF in der BayA­re­na Re­de und Ant­wort stand. Dann aber sag­te der Mann von der Ost­alb: „So a Spiel kasch ei­gent­lich it ver­lie­ra.“Die­sen Satz muss­te nach dem un­glaub­li­chen 3:4 (0:0) des VfB Stuttgart am Sams­tag bei Bay­er Le­ver­ku­sen wahr­lich nie­mand mehr ins Hoch­deut­sche über­tra­gen. Und den­noch: Wenn es in der Fuß­ball-Bun­des­li­ga der­zeit ei­nen Ver­ein gibt, der ei­ne sol­che Par­tie doch noch ver­lie­ren kann, dann ist es Zor­ni­gers VfB. „Das glei­che Ki­no, der glei­che Film“2:0 ge­führt, 3:1 ge­führt – und so­gar noch nach Bay­ers Aus­gleich in Mi­nu­te 71 wur­de wei­ter hoch an­ge­lau­fen, wei­ter hoch ver­tei­digt. Oder vi­el­leicht ein­fach viel zu hoch ge­po­kert? Ad­mir Meh­me­di, der für Bay­er be­reits beim eben­so spek­ta­ku­lä­ren 4:4 un­ter der Wo­che in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen AS Rom das letz­te Tor er­ziel­te, hat­te ab der Mit­tel­li­nie qua­si freie Bahn. Er er­ziel­te in Spiel­mi­nu­te 89 den nicht wirk­lich ver­dien­ten Sieg­tref­fer für die Gast­ge­ber. „Wir wa­ren 90 Mi­nu­ten ei­ne gleich­wer­ti­ge Mann­schaft“, sag­te Zor­ni­ger nach dem Ab­pfiff, „aber es war schwer ge­gen die­se Of­fen­siv­power, das ist ein an­de­res Le­vel.“Die Mann­schaft, gab er noch zu Pro­to­koll, „tut mir ex­trem leid – es ist im­mer das glei­che Ki­no, der glei­che Film“. Lei­der ist es ein Film oh­ne Hap­py End von ei­nem wa­ge­mu­ti­gen Re­gis­seur.

Hät­te der Coach die Sei­nen nicht vi­el­leicht ein­brem­sen sol­len? Hät­te sich der VfB nicht vi­el­leicht aus­nahms­wei­se für 20 Mi­nu­ten ein­igeln kön­nen, um Zähl­ba­res mit­zu­neh­men? „Es gibt nur ei­ne Mann­schaft auf der Welt, die sich so dem Geg­ner an­pas­sen kann, ob­wohl sie es ei­gent­lich nicht bräuch­te: das ist Bay­ern München“, mein­te Zor­ni­ger. „Wir kön­nen nicht zwi­schen Ak­ti­vi­tät und Pas­si­vi­tät hin- und her­wech­seln. Wir müs­sen mit un­se­rer Spiel­wei­se ein­fach noch mehr Punk­te ho­len. Das ist das Ent­schei­den­de.“

Ent­schei­dend hier­für ist wie­der­um auch die Ver­mei­dung von Ge­gen­tref­fern. Und Stuttgart ist mit mitt­ler­wei­le 23 da­von die Schieß­bu­de der Li­ga. VfB-Spiel­ge­stal­ter Da­ni­el Di­da­vi, der ei­ne gran­dio­se Par­tie zeig­te und in der nächs­ten Sai­son höchst­wahr­schein­lich für Bay­er spie­len wird, hat die Zei­chen der Zeit er­kannt. „Klar ist, dass Le­ver­ku­sen of­fen­siv ei­ne über­ra­gen­de Qua­li­tät hat. Aber klar ist auch, dass wir jetzt in zehn Spie­len über 20 To­re kas­siert ha­ben“, sag­te er. „Das sind über zwei To­re im Schnitt pro Spiel. Das ist ein­fach Einst kick­te er in der Ju­gend des VfB, nun kur­sier­ten Ge­rüch­te Hol­ger Bad­stu­ber könn­te in der Rück­run­de vom FC Bay­ern an sei­nen al­ten Ver­ein aus­ge­lie­hen wer­den – um nach sei­nen vie­len und lang­wie­ri­gen Ver­let­zun­gen mehr Spiel­pra­xis zu er­hal­ten. Doch der 26jäh­ri­ge Ober­schwa­be aus Rot an der Rot, der nach zwei Kreuz­band­ris­sen zu­letzt durch ei­ne Seh­nen­ver­let­zung au­ßer Ge­fecht ge­setzt wur­de, spielt in den Pla­nun­gen von zu viel. Das müs­sen wir schleu­nigst än­dern, sonst be­stehst du in der Bun­des­li­ga nicht.“

Da hilft selbst der schöns­te Spek­ta­kel­fuß­ball nichts. Tat­säch­lich hat­ten die Zei­chen für die mu­ti­gen Ki­cker mit dem Brustring lan­ge auf Er­folg ge­stan­den. Herr­li­chen, at­trak­ti­ven Fuß­ball spiel­ten die Stutt­gar­ter. War die Füh­rung durch Mar­tin Har­nik (50.) noch eher ein Zu­falls­pro­dukt, durf­te Da­ni­el Di­da­vi (54.) ei­nen Bay­ern-Trai­ner Pep Guar­dio­la ei­ne zu wich­ti­ge Rol­le. Guar­dio­las la­pi­da­rer Kom­men­tar zur Fra­ge, ob es für die Stutt­gar­ter ei­ne Mög­lich­keit für ein Leih­ge­schäft gä­be: „Kei­ne Chan­ce.“Of­fen­bar mei­nen es die Münch­ner mit der schö­nen An­griff er­folg­reich per Flach­schuss von der Straf­raum­gren­ze ab­schlie­ßen. Der Ball lief gut durch die Rei­hen, die 2:0-Füh­rung war ver­dient. Zor­ni­ger hat­te recht, als er sag­te, man ha­be „ei­nen Cham­pi­ons-Le­ague-Teil­neh­mer im ei­ge­nen Sta­di­on teil­wei­se vor­ge­führt“. Rich­tig war auch: „Wir hat­ten im zwei­ten Spiel­ab­schnitt die Ge­le­gen­hei­ten, un­se­ren Vor­sprung auf drei To­re aus­zu­bau­en.“Und zwar durch Ab­sa­ge sehr ernst. Auch Sport­vor­stand Mat­thi­as Sam­mer ver­kün­de­te, dass Bad­stu­ber, der erst ver­gan­ge­ne Wo­che wie­der ins Mann­schafts­trai­ning ein­ge­stie­gen war, de­fi­ni­tiv in München blei­ben wer­de. Schließ­lich und end­lich be­zeich­ne­te Mar­kus Hör­wick, der Me­di­en­di­rek­tor des Re­kord­meis­ters, die Mel­dung als „En­te“. Hör­wick sag­te da­zu ab­schlie­ßend: „Das war ein Wunsch­ge­dan­ke. Die Chan­ce ist null­kom­ma­null.“(dpa/SID/sz) Har­nik (64.) und Aria­nit Fe­ra­ti (69.). Selbst als Bay­ers Edel­jo­ker Ka­rim Bel­la­ra­bi (57.) – nach ei­nem Feh­ler von To­ni Sun­jic – auf 1:2 ver­kürz­te, ging es glän­zend wei­ter: Lu­kas Rupp (60.) stell­te den Zwei-To­re-Vor­sprung wie­der her. Doch dann mach­te Le­ver­ku­sen enorm viel Druck. Die VfB-Ab­wehr zeig­te prompt die alt­be­kann­ten Un­si­cher­hei­ten. Ge­nutzt wur­den sie von Se­bas­ti­an Boe­nisch (70.) und Chicha­ri­to (71.). Auf die be­rech­tig­te Fra­ge, bis wann sei­ne Pro­fis ein bes­se­res Ab­wehr­ver­hal­ten ler­nen wür­den, ant­wor­te­te Zor­ni­ger mit Sar­kas­mus: „Vi­el­leicht bis zum 22. oder 24. Fe­bru­ar. Wir ar­bei­ten dar­an.“Ver­är­gert war na­tür­lich auch er selbst. „Das darf uns nicht pas­sie­ren“, sag­te Zor­ni­ger. Jetzt müs­se es hei­ßen: Wie­der auf­ste­hen! Es ge­he nun dar­um, es im DFB-Po­kal und am Sonn­tag zu Hau­se bes­ser zu ma­chen! „In Je­na“sag­te der VfB-Coach, „wird es ekel­haft und ge­gen Darm­stadt 98 wird es noch ek­li­ger.“Zum Su­per­la­tiv woll­te Zor­ni­ger wohl nicht grei­fen. Am Wo­che­n­en­de dar­auf gas­tiert der VfB näm­lich beim FC Bay­ern. Das dürf­te am ek­ligs­ten wer­den.

FOTO: DPA

Das al­te Lied: Le­ver­ku­sens Ex-Frei­bur­ger Ad­mir Meh­me­di (rechts) er­zielt in der Schluss­mi­nu­te den Sieg­tref­fer ge­gen den VfB.

FOTO: DPA

Hol­ger Bad­stu­ber

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