CDU will Be­treu­ungs­geld im Süd­wes­ten

Par­tei prä­sen­tiert Wahl­pro­gramm – 1500 neue Po­li­zis­ten ge­for­dert – Rück­halt für Mer­kel

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTTGART - Ba­den-Würt­tem­bergs CDU will das vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­kipp­te Be­treu­ungs­geld auf Lan­des­ebe­ne nach baye­ri­schem Vor­bild wie­der ein­füh­ren.

Im Fal­le ei­ner Re­gie­rungs­über­nah­me im März 2016 wol­le man die Leis­tung für et­wa 100 000 Fa­mi­li­en un­ter dem Na­men „Fa­mi­li­en­geld Ba­den-Würt­tem­berg“wie­der ein­füh­ren. Die Par­tei wol­le ei­nen „fa­mi­li­en­po­li­ti­schen Ak­zent für die­je­ni­gen set­zen, die sich für ei­ne Be­treu­ung ih­rer Kin­der zu Hau­se ent­schei­den“, heißt es im Wahl­pro­gramm, das beim Lan­des­par­tei­tag am 20. und 21. No­vem­ber in Rust ver­ab­schie­det wer­den soll. Zu­dem sol­len Fa­mi­li­en mit drei oder mehr Kin­dern beim Kin­der­geld und beim so­zia­len Woh­nungs­bau „über­pro­por­tio­nal“ge­för­dert wer­den. Die CDU wer­de „die Fa­mi­lie in den Blick­punkt“rü­cken, kün­dig­te Spit­zen­kan­di­dat Gui­do Wolf nach ei­ner Lan­des­vor­stands­sit­zung am Mon­tag in Stuttgart an.

Bei der Sit­zung stärk­te der Lan­des­vor­stand nach Wor­ten von Lan­des­chef und Bun­des­vi­ze Tho­mas Strobl „mit ganz gro­ßer Mehr­heit“ der in der Flücht­lings­kri­se stark un­ter Druck ge­ra­te­nen Par­tei­che­fin An­ge­la Mer­kel den Rü­cken: „Die CDU Ba­den-Würt­tem­berg steht zu un­se­rer Bun­des­vor­sit­zen­den und Bun­des­kanz­le­rin“, sag­te Strobl. Das be­deu­te al­ler­dings nicht, „dass man in der ei­nen oder an­de­ren Sach­fra­ge kei­ne an­de­re Mei­nung ha­ben darf“, sag­te der Bun­des­po­li­ti­ker. Mer­kel hat­te zu­letzt Ge­gen­wind aus Ba­denWürt­tem­berg be­kom­men: Un­ter an­de­rem hat­te der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mat­thi­as Pr­öf­rock ei­nen Brand­brief an die Kanz­le­rin un­ter­zeich­net. In den Wahl­kampf geht die CDU un­ter an­de­rem mit der For­de­rung nach 1500 neu­en Po­li­zis­ten, ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro für Stra­ßen­bau und ei­nem Al­ko­hol­kon­sum­ver­bot auf öf­fent­li­chen Plät­zen. Zu­dem sol­len Gym­na­si­en selbst wäh­len dür­fen, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jah­ren an­bie­ten. Ei­ne Rück­kehr zur ver­bind­li­chen Grund­schul­emp­feh­lung, wie von der Jun­gen Uni­on ge­for­dert, soll es hin­ge­gen nicht ge­ben. Die Emp­feh­lung soll un­ver­bind­lich blei­ben, aber an­ders als bis­her der wei­ter­füh­ren­den Schu­le künf­tig be­kannt ge­macht wer­den.

STUTTGART - Zwei eins­ti­ge Kon­kur­ren­ten wol­len die CDU im Land ge­mein­sam zu­rück an die Macht brin­gen. Spit­zen­kan­di­dat Gui­do Wolf kün­dig­te am Mon­tag in Stuttgart an, beim Lan­des­par­tei­tag im No­vem­ber Par­tei­chef Tho­mas Strobl zur Wie­der­wahl vor­zu­schla­gen. „In die­ser For­ma­ti­on wol­len wir die Land­tags­wahl 2016 ge­win­nen“, sag­te Wolf bei der Vor­stel­lung des „Ent­wurfs des Re­gie­rungs­pro­gramms“, wel­ches die CDU bei dem Par­tei­tag auf den Weg brin­gen will.

In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten sei­en sie zu ei­nem Tan­dem zu­sam­men­ge­wach­sen, be­grün­de­te Wolf die Emp­feh­lung. En­de 2014 hat­te er Strobl in ei­nem Mit­glie­der­ent­scheid um die Spit­zen­kan­di­da­tur ge­schla­gen und an­fangs auch of­fen über die Über­nah­me des Lan­des­vor­sit­zes nach­ge­dacht. Nun wol­le man ge­mein­sam an dem Ziel ar­bei­ten, die CDU im März zu­rück in die Re­gie­rung zu brin­gen. Po­li­tik für die Mit­te ver­spro­chen Der 104-sei­ti­ge Re­gie­rungs­pro­gramm­ent­wurf trägt den Ti­tel „Ge­mein­sam. Zu­kunft. Schaf­fen.“und soll vor al­lem „Po­li­tik für die Mit­te der Ge­sell­schaft“ent­hal­ten, sag­te Wolf. Vor al­lem die Fa­mi­lie ste­he im Mit­tel­punkt. Für die ha­be Grün-Rot näm­lich kei­nen Sinn, heißt es im Pro­gramm­ent­wurf. Die wei­te­ren Punk­te:

In der Bil­dungs­po­li­tik traut die größ­te Op­po­si­ti­ons­par­tei den Re­gie­ren­den we­nig zu: Grün-Rot ha­be das „Schul­sys­tem schwer be­schä­digt“, heißt es. Zu­rück­dre­hen will die CDU die Re­for­men al­ler­dings nicht: Die von Grün-Rot ge­för­der­ten Ge­mein­schafts­schu­len wer­de die CDU „nicht schlie­ßen, son­dern mit ih­nen über ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung“spre­chen, sag­te Wolf. Man wer­de den Schu­len ein „fai­rer Part­ner“sein, sag­te Wolf.

Auch die Grund­schul­emp­feh­lung soll – an­ders als von der Jun­gem Uni­on ge­for­dert – nicht wie­der ver­bind­lich wer­den. Statt­des­sen soll es an den Re­al­schu­len, die zu­sätz­lich den Haupt­schul­ab­schluss an­bie­ten, am En­de der Klas­se 6 ei­ne eben­falls nicht bin­den­de Bil­dungs­we­ge­emp­feh­lung ge­ben. Grund­sätz­lich spricht sich die CDU für ein nach Schul­ar­ten dif­fe­ren­zier­tes Schul­sys­tem mit star­kem Gym­na­si­um und „neu­er“Re­al­schu­le aus.

Beim Zu­schnitt der Mi­nis­te­ri­en sieht die CDU Hand­lungs­be­darf: Fi­nanz- und Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um sol­len wie­der ge­trennt, das „völ­lig falsch kon­stru­ier­te“In­te­gra­ti­ons­mi­nis­te­ri­um auf­ge­löst und ins In­nen­res­sort ein­ge­glie­dert wer­den.

Die Po­li­zei soll um 1500 Stel­len ver­stärkt, da­für die von Grün-Rot seit Jah­ren an­ge­kün­dig­te Kenn­zeich­nungs­pflicht für Be­am­te ge­stri­chen wer­den. Kom­mu­nen sol­len auf öf­fent­li­chen Plät­zen Al­ko­hol­kon­sum­ver­bo­te aus­spre­chen dür­fen.

Was die Re­for­men kos­ten und wo­her das Geld da­für kom­men soll, blieb un­klar. Nach dem Wahl­sieg am 13. März wer­de man ei­nen Kas­sen­sturz ma­chen und den von Grün-Rot um 30 Pro­zent auf­ge­bläh­ten Haus­halt durch­fors­ten, kün­dig­te Wahl­kampf­lei­ter Thors­ten Frei an. Zu­dem wol­le man in Sa­chen Län­der­fi­nanz­aus­gleich bes­ser ver­han­deln. Al­lein das wer­de dem Land bis zu 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro mehr brin­gen, sag­te Frei.

SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Kat­ja Mast be­zeich­ne­te das Wahl­pro­gramm als „An­ein­an­der­rei­hung von All­ge­mein­plät­zen“, vol­ler „Wi­schi­Wa­schi-Aus­sa­gen“und „La­ri-Fa­riAnt­wor­ten“. „Das ist das Wa­ckel­pud­ding­pro­gramm ei­nes Wa­ckel­kan­di­da­ten Wolf, ganz nach dem Mot­to: Zu al­lem be­reit, aber zu nichts zu ge­brau­chen.“

FOTO: DPA

Part­ner: CDU-Lan­des­vor­sit­zen­der Tho­mas Strobl (links) und Spit­zen­kan­di­dat Gui­do Wolf wol­len wei­ter zu­sam­men­ar­bei­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.