NSU-Aus­schuss vor Neu­auf­la­ge in 2016

Den par­la­men­ta­ri­schen Auf­klä­rern läuft all­mäh­lich die Zeit da­von

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTTGART (klw) - Der NSU-Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Land­tags wird am Frei­tag be­ra­ten, ob das Gre­mi­um sei­nen Auf­trag bis zur Wahl im kom­men­den März noch ab­ar­bei­ten kann. Grund da­für sind zahl­rei­che Ent­hül­lun­gen, die den Zeit­plan durch­ein­an­der­ge­bracht ha­ben. Die Par­la­men­ta­ri­er sol­len in ers­ter Li­nie die Hin­ter­grün­de des Heil­bron­ner Po­li­zis­ten­mor­des 2007 und die Ver­bin­dun­gen der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Ter­ror­zel­le NSU in den Süd­wes­ten un­ter­su­chen.

STUTTGART - Der so­wie­so schon eng ge­strick­te Zeit­plan des ba­den­würt­tem­ber­gi­schen NSU-Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses ge­rät im­mer stär­ker un­ter Druck: Bis Weih­nach­ten müs­sen die Par­la­men­ta­ri­er ih­re Ar­beit prak­tisch ab­ge­schlos­sen ha­ben, wenn der Ab­schluss­be­richt zur letz­ten Land­tags­sit­zung die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode Mit­te Fe­bru­ar 2016 fer­tig ge­druckt sein soll. Und selbst das wird knapp, denn ob der Ste­no­gra­fi­sche Di­enst des Par­la­ments die letz­te Sit­zung am 21. De­zem­ber noch pünkt­lich zu Pa­pier brin­gen kann, ist of­fen. „Wir prü­fen al­les“Nun ist un­klar, wie der Aus­schuss noch mehr Zeit be­kommt, um of­fe­ne Fra­gen ab­zu­ar­bei­ten. Zu­sätz­li­che Ter­mi­ne, schnel­le­re Druck­ver­fah­ren – „wir prü­fen al­les“, sagt der Aus­schuss­vor­sit­zen­de Wolf­gang Drexler (SPD). Ob das reicht, ist frag­lich. Denn von vorn­her­ein war nicht viel Zeit: Im­mer­hin war der Aus­schuss erst im No­vem­ber 2014 vom Land­tag ein­ge­setzt wor­den – mit ei­nem um­fang­rei­chen Auf­trag.

Am Frei­tag wol­len die Ab­ge­ord­ne­ten nun ent­schei­den, ob man die­sen Auf­trag kom­plett er­fül­len kann oder dem am 13. März 2016 ge­wähl­ten nächs­ten Land­tag ei­nen Fol­ge­aus­schuss mit den noch of­fe­nen Fra­gen vor­schla­gen soll. Da­nach sieht es näm­lich der­zeit aus.

Denn ein gro­ßer Fra­ge­kom­plex liegt im­mer noch weit­ge­hend brach: Wie eng wa­ren die Ver­bin­dun­gen der rechts­ex­tre­men Ter­ror­zel­le Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Un­ter­grund (NSU) zu Rech­ten im Süd­wes­ten tat­säch­lich? Zwar er­eig­ne­te sich mit dem An­griff auf zwei Po­li­zis­ten in Heil­bronn („Kie­se­wet­ter-Mord“) nur ei­ner von zehn dem NSU zu­ge­rech­ne­ten Mord­an­schlä­gen in Ba­den-Würt­tem­berg, doch es gibt vie­le Hin­wei­se auf en­ge Ban­de zwi­schen dem mut­maß­li­chen Ter­ror­trio und Rechts­ex­tre­mis­ten im Raum Stuttgart/Heil­bronn. Ob man vor der Wahl noch zur Au­f­ar­bei­tung kommt, ist laut Drexler of­fen.

An­de­re ver­meint­lich schnell zu klä­ren­de Kom­ple­xe ha­ben sich als hart­lei­big er­wie­sen: Der mys­te­riö­se Flam­men­tod des frü­he­ren Neo­na­zis Flo­ri­an H. und die Ak­ti­vi­tä­ten des Ku-Klux-Klans (KKK) im Süd­wes­ten ha­ben den Aus­schuss auch we­gen im­mer neu zu­ta­ge ge­tre­te­ner Schlam­pe­rei­en lan­ge be­schäf­tigt.

Und dank des Zu­falls­fun­des bis­her un­be­kann­ter KKK-Ak­ten­stü­cken ha­ben die Ab­ge­ord­ne­ten nun auch noch Ver­fas­sungs­schutz­che­fin Bea­te Bu­be und ih­ren Vor­gän­ger Hel­mut Ran­nach­er vor­ge­la­den. Die sol­len dem­nächst er­klä­ren, war­um das Par­la­ment nichts von KKK-Ak­ten wuss­te, die beim Ver­fas­sungs­schutz la­gen. Das kos­tet noch­mal Zeit, „so weh mir das tut“, sagt Drexler an­ge­sichts ver­blei­ben­der zehn Sit­zungs­ter­mi­ne bis Weih­nach­ten.

FOTO: DPA

Wolf­gang Drexler ( SPD) lei­tet den NSU-Un­ter­su­chungs­aus­schuss. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr.

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