Ohr­fei­ge für Prä­si­den­tin Kirch­ner in Ar­gen­ti­ni­en

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG - Von Klaus Eh­ring­feld, Bu­e­nos Ai­res

s war ein schwar­zer Wahl­abend für Prä­si­den­tin Cristina Kirch­ner, ih­re Pe­ro­nis­ten-Par­tei und ih­ren Kan­di­da­ten Da­ni­el Scio­li. Kurz nach Mit­ter­nacht be­stä­tig­te die Wahl­kom­mis­si­on, was ganz Ar­gen­ti­ni­en schon ge­spürt hat­te. Die Wäh­ler ha­ben den seit zwölf Jah­ren re­gie­ren­den Pe­ro­nis­ten bei der Prä­si­den­ten­wahl ei­ne schwe­re und un­er­war­te­te Nie­der­la­ge be­rei­tet.

Scio­li, Kan­di­dat der „Front für den Sieg“der schei­den­den Staats­che­fin Kirch­ner, ge­wann zwar in der ers­ten Run­de mit 36,86 Pro­zent der Stim­men. Aber der Vor­sprung auf den kon­ser­va­ti­ven Op­po­si­ti­ons­kan­di­da­ten Mau­ricio Ma­cri be­trägt 2,5 Pro­zent und ist weit von den zehn Pro- zent ent­fernt, die in Umfragen vor­her­ge­sagt wur­den. Die Pe­ro­nis­ten ha­ben ihr schlech­tes­tes Er­geb­nis seit 32 Jah­ren ein­ge­fah­ren. Am 22. No­vem­ber kommt es zur Stich­wahl zwi­schen Scio­li und Ma­cri.

Die si­cher ge­glaub­te Prä­si­dent­schaft für Scio­li scheint al­ler­dings nun fast un­er­reich­bar, da die Stim­men des Dritt­plat­zier­ten Ser­gio Mas­sa (21,34 Pro­zent) ver­mut­lich zu gro­ßen Tei­len zu Ma­cri, dem Bür­ger­meis­ter von Bu­e­nos Ai­res, wan­dern wer­den. Knapp zwei Drit­tel der Wäh­ler ha­ben am Sonn­tag ge­gen die Re­gie­rung und ih­ren blas­sen Kan­di­da­ten ge­stimmt. Vor vier Jah­ren hat­te Kirch­ner bei ih­rer Wie­der­wahl noch 54,1 Pro­zent der Stim­men ge­holt.

So ist die Nie­der­la­ge Scio­lis auch und vor al­lem die von Kirch­ner. Sie be­trieb in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ei­ne ab­sur­de Po­li­tik. Ei­ner­seits setz­te sie den von ihr nie ge­schätz­ten Scio­li als Kan­di­da­ten ih­rer Par­tei durch, leg­te ihm aber an­de­rer­seits dann im Wahl­kampf al­le St­ei­ne in den Weg, die sie fand. Es war ei­ne Po­li­tik der Selbst­zer­stö­rung, wie man nun weiß.

Ob Ar­gen­ti­ni­en der Re­gie­rung nur ei­nen Denkzettel ver­pas­sen woll­te oder wirk­lich mit so gro­ßer Mehr­heit ei­nen Wan­del will, wird sich in vier Wo­chen zei­gen. Klar ist, dass die Men­schen et­was an­de­res wol­len als das, was ih­nen die Re­gie­run­gen „K“von Nés­tor Kirch­ner (2003 bis 2007) und sei­ner Frau Cristina (2008 bis 2015) in den ver­gan­ge­nen zwölf Jah­ren an­ge­bo­ten ha­ben. Wo­bei we­ni­ger so­zia­le Pro­jek­te und die Un­ter­stüt­zung der Be­dürf­ti­gen die Ar­gen­ti­ni­er stö­ren, als viel­mehr das, was Kirch­ners nicht ge­macht ha­ben: die Kor­rup­ti­on be­kämpft, die Be­dro­hung durch or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät ernst ge­nom­men, die In­fla­ti­on in den Griff be­kom­men und die Wirt­schaft auf ein nach­hal­ti­ges Mo­dell ge­trimmt.

Ma­cri steht als Neo­li­be­ra­ler für ein an­de­res Po­li­tik­mo­dell. Der Un­ter­neh­mer und Sohn ei­ner der reichs­ten Fa­mi­li­en des Lan­des ver­spricht, die Ab­schot­tung Ar­gen­ti­ni­ens zu be­en­den, das Land „auf die Hö­he der Zeit“zu brin­gen. Vie­len vor al­lem äl­te­ren Men­schen klingt das sehr nach Car­los Me­nem, je­nem Prä­si­den­ten, der in den 1990er-Jah­ren das Ta­fel­sil­ber des Lan­des ver­scher­bel­te, die Wirt­schaft an den Dol­lar kop­pel­te und es so in die Ka­ta­stro­phe führ­te. Heu­te heißt das Glo­ba­li­sie­rung.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.