Das ein­tö­ni­ge Lei­den der Frau­en

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - KULTUR - Von Pe­tra Lawrenz

Ger­traud Klemm hat ei­ne Men­ge Wut in sich und schiebt ei­nen im­men­sen Frust an­ge­sichts der Un­ge­rech­tig­keit, die Frau­en er­le­ben. In ih­rem neu­en Buch „Aber­land“brei­tet die Ös­ter­rei­che­rin die Le­bens­ent­wür­fe zwei­er Frau­en aus, die in ih­rem tris­ten Müt­ter- und Ehe­frau­en­da­sein ge­fan­gen zu sein schei­nen.

Da ist die Mitt­fünf­zi­ge­rin Eli­sa­beth, die im Stil­len mit ih­rem un­treu­en Mann ge­nau­so ha­dert wie mit dem Äl­ter­wer­den oder ih­ren miss­ra­te­nen Kin­dern. Und da ist an­de­rer­seits ih­re Toch­ter Fran­zis­ka, An­fang 30, die als jun­ge Mut­ter und Ehe­frau auf an­de­re Art eben­so un­glück­lich ist. Al­les ist furcht­bar, selbst der Mut­ter­tag ei­ne ein­zi­ge Qu­al. Klemm ent­wirft so et­was wie ein düs­te­res Ge­gen­bild zu den all­zeit glück­li­chen Tof­fi­fee-Müt­tern der Wer­bung. Ra­di­kal und mit grim­mi­ger For­mu­lier­wut zer­legt sie das ba­na­le Le­ben die­ser Frau­en, und sie schont we­der die kli­schee­haf­ten Män­ner­ty­pen noch ih­re Haupt­fi­gu­ren.

„Scho­nungs­los“ist wohl das Eti­kett, das sich die­ses Werk ver­die­nen möch­te. Al­ler­dings nutzt sich der an­fäng­li­che Reiz die­ses Wut­bu­ches re­la­tiv schnell ab. Denn die 44-jäh­ri­ge Au­to­rin, selbst Mut­ter zwei­er Ad­op­tiv­kin­der, gönnt we­der ih­ren Fi­gu­ren noch ih­ren Le­sern emo­tio­na­le Hö­hen und Tie­fen, ge­schwei­ge denn un­ter­schied­li­che Stimm­la­gen. Mut­ter wie Toch­ter jam­mern im stets glei­chen ge­häs­sig-re­si­gna­ti­ven Stil. Wä­re das Buch ein Mu­sik­stück, es hät­te nur ei­nen ein­zi­gen Ton, ein ein­zi­ges Mo­tiv – und das wirkt na­tur­ge­mäß ein­tö­nig und auf Dau­er ener­vie­rend. Ger­traud Klemm: Aber­land, Dro­schl Ver­lag 2015, 184 Sei­ten, 19 Eu­ro.

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