Ein ein­zi­ges Sym­bol ver­eint al­le 26 Buch­sta­ben des Al­pha­bets

Der Sig­ma­rin­ger Heinz Ma­xi­mi­li­an Bie­de­rer be­schäf­tigt sich in­ten­siv mit Spra­che

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN - Von Thi­lo Berg­mann

SIGMARINGEN - Heinz Ma­xi­mi­li­an Bie­de­rer hat et­was ge­schaf­fen, das au­ßer­or­dent­lich un­wahr­schein­lich ist. Sagt er zu­min­dest. Der 75-Jäh­ri­ge lebt in Sigmaringen und hat ein Sym­bol er­stellt, das al­le Buch­sta­ben des Al­pha­bets ver­eint – das sei ein­zig­ar­tig. Bie­de­rer be­schäf­tigt sich viel mit Wor­ten und Spra­che. Ge­nau des­halb sei das Sym­bol ein Glücks­fall für ihn – und sei­ne Wel­t­an­schau­ung.

Heinz Ma­xi­mi­li­an Bie­de­rer ist ein Mann der Wor­te. In München lei­te­te er zehn Jah­re lang ei­ne ei­ge­ne Wer- be­agen­tur. Sei­ne Fir­ma ver­knüpf­te da­mals die Milch ei­ner Mol­ke­rei und ei­nen Fuß­ball­spie­ler mit dem glei­chen Na­men – ei­ne Mar­ke war ge­bo­ren. Bis 2005 war Bie­de­rer in Bay­ern, dann ar­bei­te­te er in der Schweiz. Seit 2013 le­ben er und sei­ne Frau in Sigmaringen. „We­gen der Nä­he zur Schweiz“, sagt Bie­de­rer. Am An­fang steht ein Mo­no­gramm Der ers­te Ent­wurf für das Sym­bol ent­stand durch Zu­fall. Ei­gent­lich woll­te er die Wör­ter „Du“und „Ich“in ei­nem so­ge­nann­ten Mo­no­gramm mit­ein­an­der ver­bin­den. Als er fer­tig war, be­merk­te sei­ne Toch­ter, dass mit klei­nen Ve­rän­de­run­gen auch die an­de­ren Buch­sta­ben des Al­pha­bets in dem Sym­bol zu er­ken­nen wa­ren. Die Wahr­schein­lich­keit, dass er das auf An­hieb er­stellt hat, lie­ge bei eins zu vier Bil­lio­nen, sagt er - ein Freund, der sich mit Wahr­schein­lich­keit aus­kennt, ha­be das für ihn aus­ge­rech­net. „Mit Ab­sicht wä­re ich in tau­send Jah­ren nicht dar­auf ge­kom­men“, sagt Bie­de­rer. Er füg­te noch ei­nen Bo­gen hin­zu und op­ti­mier­te sein Sym­bol vier Jah­re lang. Dann nann­te er es „Lo­gos“, was vie­le, zum Teil auch re­li­giö­se, Be­deu­tun­gen hat: im­mer aber Spra­che oder Sinn als zen­tra­les Ele­ment. Sei­ne Krea­ti­on be­inhal­tet al­le Buch­sta­ben des Al­pha­bets und für Bie­de­rer da­mit auch den Ur­sprung der Spra­che. „Es ist ei­ne Art Ur-Ru­ne“, sagt er.

Bie­de­rer ist Schrift­stel­ler und Be­grün­der der so­ge­nann­ten „Lo­goso­phie.“Sei­ne Wel­t­an­schau­ung ba­siert auf Spra­che, sein Welt­bild auf Wor­ten. Er setzt sich mit der Ent­ste­hung, Be­deu­tung und Zu­sam­men­set­zung von Wor­ten aus­ein­an­der. „Al­lein vor dem Wort „Geist“saß ich 20 Jah­re lang“, sagt er. Er spielt mit den Wor­ten, nimmt sie aus­ein­an­der und be­wusst wahr. Dar­über hält er auch Vor­trä­ge und gibt Se­mi­na­re. „Das hat nichts mit Eso­the­rik oder Re­li­gi­on zu tun“, sagt er. Eher sei es ei­ne lo­gi­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem ei­ge­nen Sein. Wenn je­der sich sei­ner Aus­sa­gen be­wusst wä­re, wä­re vie­les ein­fa­cher, ist sich Bie­de­rer si­cher. Weil für die Wort-Akro­ba­tik und Aus­ein­an­der­set­zung mit der Spra­che das von ihm ge­schaf­fe­ne „Lo­gos“die Grund­la­ge bil­det, ist er be­son­ders stolz dar­auf.

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