Hand­wer­ker hän­gen Bil­lig­an­bie­ter ab

Gu­te Aus­sich­ten für die re­gio­na­len Be­trie­be – Zu­kunfts­markt Ener­gie und al­ters­ge­rech­tes Woh­nen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Frank Hau­tumm

RA­VENS­BURG - „Gut bis sehr gut“schät­zen die Hand­wer­ker im Kreis Ra­vens­burg ih­re ak­tu­el­le Si­tua­ti­on ein. Das liegt zum ei­nen dar­an, dass ih­re Kun­den in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein „Be­wusst­sein für re­gio­na­le Qua­li­tät ent­wi­ckelt“hät­ten. Da­zu kommt: Mit der en­er­ge­ti­schen Sa­nie­rung und dem Bau­en für al­ters­ge­rech­tes Woh­nen er­öff­nen sich den Un­ter­neh­men zwei gro­ße Märk­te für die kom­men­den Jah­re.

Gu­te Stim­mung al­so beim neu­en Kreis­hand­werks­meis­ter Micha­el Bu­cher und Franz Moos­herr, Ge­schäfts­füh­rer der Kreis­hand­wer­ker­schaft Ra­vens­burg. Die wird auch da­durch nicht ge­trübt, dass die Zahl der ab­ge­schlos­se­nen Lehr­ver­trä­ge im Kreis von 653 im Vor­jahr auf 619 in 2015 zu­rück­ge­gan­gen ist. „Das ist ei­ne Mo­ment­auf­nah­me und kann zu ei­nem an­de­ren Stich­tag schon wie­der ganz an­ders aus­se­hen. Au­ßer­dem kom­men wir von ei­nem sehr ho­hen Ni­veau. Nach wie vor ist Ra­vens­burg die Aus­bil­dungs­schmie­de des Be­zirks“, sa­gen Bu­cher und Moos­herr im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“.

Die Aus­bil­dungs­zah­len sei­en seit drei bis vier Jah­ren sta­bil. „Da­zu kommt, dass die Qua­li­tät der Be­wer­ber spür­bar zu­ge­nom­men hat“, sagt Bu­cher. In frü­he­ren Jah­ren hat­ten die Hand­wer­ker meist dar­über ge­klagt, dass vie­len Schul­ab­gän­gern die Aus­bil­dungs­rei­fe feh­le. Moos­herr und Bu­cher ver­mu­ten, dass in­zwi­schen ver­schie­de­ne Image­kam­pa­gnen fruch­ten. Re­gio­na­le Qua­li­tät ist ge­fragt Auch die ei­gent­li­che Kon­junk­tur­sprit­ze für das hie­si­ge Hand­werk hat et­was mit Image zu tun: „Das Be­wusst­sein für re­gio­na­le Qua­li­tät hat sich aus­ge­prägt ent­wi­ckelt“, sagt Micha­el Bu­cher. Kun­den in Ober­schwa­ben sei­en in­zwi­schen wie­der be­reit, da­für auch an­ge­mes­se­ne Prei­se zu zah­len. Die re­gio­na­len Be­trie­be wür­den da­durch ge­stärkt, der Wett­be­werb mit „Bil­lig­an­bie­tern“ha­be sich ent­schärft. Und die Hand­wer­ker sei­en in der La­ge, für „gu­te Ar­beit gu­te Löh­ne“zu zah­len. Der Kon­junk­tur­mo­tor läuft al­so, 71 Pro­zent der von der Kreis­hand­wer­ker­schaft be­frag- ten Ge­schäfts­füh­rer be­ur­tei­len ih­re La­ge als po­si­tiv, 93 Pro­zent rech­nen da­mit, dass dies so bleibt oder sich so­gar wei­ter ver­bes­sert. „Die­sen Trend ha­ben wir jetzt seit drei Jah­ren“, freut sich Franz Moos­herr.

Der Markt müs­se al­ler­dings wei­ter ak­tiv be­ar­bei­tet wer­den. Da­zu ge­hört nach Ein­schät­zung der Ver­ant­wort­li­chen vor al­lem, dass die Be­trie­be das Po­ten­zi­al er­ken­nen, das in der en­er­ge­ti­schen Sa­nie­rung und im bar­rie­re­frei­en Bau­en lie­ge. „Wir ha­ben 120 000 Woh­nun­gen im Kreis. 65 Pro­zent da­von sind en­er­ge­tisch noch nicht er­tüch­tigt“, rech­net Moos­herr vor. Und gar 93 Pro­zent al­ler Haus­hal­te, in de­nen Se­nio­ren le­ben, sei­en noch nicht spe­zi­ell auf de­ren Be­dürf­nis­se zu­ge­schnit­ten. „Ei­ne Zu­kunfts­auf­ga­be für die Kreis­hand­wer­ker­schaft“, sagt Micha­el Bu­cher. Die­se will das The­ma mit ei­nem groß an­ge­leg­ten Pro­jekt 2016 in­ten­siv an­ge­hen. Fach­kräf­te feh­len nach wie vor Vie­le gu­te Nach­rich­ten für das Hand­werk, doch Moos­herr und Bu­cher spre­chen auch von „Sor­gen“und „Ri­si­ken“. Oben­an steht der wei­ter ekla­tan­te Man­gel an Fach­kräf­ten. Bu­cher: „Wir ha­ben gu­te Be­wer­ber, aber es sind bei Wei­tem nicht ge­nug.“Die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung schlägt durch. „40 Pro­zent al­ler un­se­rer Be­schäf­tig­ten wer­den bis 2025 in den Ru­he­stand ge­hen“, sagt Moos­herr.

Wie es mit qua­li­fi­zier­ten Flücht­lin­gen als drin­gend be­nö­tig­te Ver­stär­kung im Hand­werk steht? Moos­herr: „Da gibt es wun­der­ba­re Bei­spie­le, wie gut das ge­lin­gen kann. Aber es wird das Fach­ar­bei­ter­pro­blem nicht lö­sen kön­nen.“

Ver­schärft wird die Si­tua­ti­on da­durch, dass 20 Pro­zent der Hand­werks­be­trie­be im Kreis in den nächs­ten fünf Jah­ren zur Über­ga­be an­ste­hen. Ei­nen Nach­fol­ger zu fin­den, wer­de für vie­le Un­ter­neh­mer im­mer schwie­ri­ger. Moos­herr und Bu­cher glau­ben: „So­lan­ge die Po­li­tik nicht die Rah­men­be­din­gun­gen än­dert, wird das so blei­ben.“Bleibt die Schul­ent­wick­lung im länd­li­chen Raum, die den Ver­ant­wort­li­chen Sor­gen macht: „Wohn­ort­na­he Be­schu­lung“heißt die For­de­rung, die Po­li­tik müs­se von star­ren Re­ge­lun­gen ab­ge­hen, bei­spiels­wei­se was den Klas­sen­tei­ler in den Be­rufs­schu­len an­ge­he.

FOTO: DPA

„Gut bis sehr gut“schät­zen die Hand­wer­ker im Kreis Ra­vens­burg ih­re ak­tu­el­le Si­tua­ti­on ein.

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