Se­xy und re­bel­lisch

So wird der ro­cki­ge Chic rich­tig um­ge­setzt – Au­ßer Le­der und Lack kommt auch Spit­ze zum Ein­satz

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MODE - Von Lea Sib­bel

KÖLN (dpa) - Was macht ei­gent­lich den Rock-Chic aus? Re­bel­li­on und Sexi­ness – das sind wohl die Stich­wor­te, die bei den Ex­per­ten bei die­ser Fra­ge fal­len. Sich von Zwän­gen zu lö­sen, Gren­zen zu über­schrei­ten – die­se Wün­sche sieht Gerd Mül­lerThom­kins vom Deut­schen Mo­de-In­sti­tut hin­ter der Klei­dung mit Ro­ckF­lair. „Op­po­si­ti­on, Re­vol­te fin­det so ja gar nicht statt – zu­min­dest kei­ne ernst ge­mein­te“, sagt er. „Des­halb re­vol­tiert vi­el­leicht der Ho­mo Mo­di­cus.“ An­ders­sein steht im Vor­der­grund Stil­be­ra­te­rin An­na Bin­ge­mer-Lehr aus Köln un­ter­schei­det den Ro­ckLook der Rol­ling Sto­nes und den Glam-Fak­tor in­spi­riert von Da­vid Bo­wie von der Mo­de, die sich am ur­sprüng­li­chen Rock 'n' Roll ori­en­tiert. Das sind et­wa Klei­der, die weib­li­che Kur­ven un­ter­strei­chen, so­wie wei­te Rö­cke und Pet­ti­coats. Aber auch hier steht das Ge­gen-den-StromSchwim­men, das An­ders­sein im Vor­der­grund. Man will heu­te mit die­ser Mo­de zei­gen: „Ich schwim­me über­haupt nicht im Main­stream mit“, be­schreibt die Mo­de­ex­per­tin. So sei­en die 50er Jah­re ak­tu­ell et­wa auch in der Tat­too-Sze­ne sehr be­liebt.

Als Far­be der Ab­gren­zung spielt beim Rock-Schick Schwarz die ent­schei­den­de Rol­le, er­klärt Di­plom­De­si­gner Ro­bert Her­zog von der Staat­li­chen Mo­de­schu­le Stuttgart. Schwar­zes Le­der ist da­bei das Non­plus­ul­tra. Le­der, einst das Ma­te­ri­al der Ar­bei­ter, steht auch heu­te noch ein biss­chen für den Un­der­dog. Die schwar­ze Le­der­ja­cke – qua­si ein Must-ha­ve des Rock-Chics – hat­te ih­ren Durch­bruch, als Mar­lon Bran­do sie in den 50ern im Film „The Wild One“trug – na­tür­lich als Re­bell, er­zählt Her­zog.

Heu­te kommt die Le­der­ja­cke aber ein biss­chen ver­än­dert da­her. „Das sind nicht mehr die 1:1-Bi­ker­ja­cken wie wir sie ken­nen“, sagt Mül­lerThom­kins. Denn ak­tu­ell spielt Leich­tig­keit ei­ne Rol­le in der Mo­de, die Ja­cken ver­lie­ren ihr Ge­wicht und wer­den auch vom Stoff her im­mer dün­ner.

Ro­bert Her­zog, De­si­gner

Dünn – das ist nicht nur in die­sem Zu­sam­men­hang von Be­deu­tung. Denn beim Le­bens­stil à la Sex, Drugs and Rock 'n' Roll kommt auch ei­ne ge­wis­se Ma­ger­keit zum Tra­gen, sagt der Ex­per­te. So wer­de mit Hil­fe von Ma­te­ria­li­en Schlank­heit be­tont. Kunst­fa­sern mit Stretch sor­gen zum Bei­spiel für ei­ne en­ge Pass­form. Und so sind Legg­ins ne­ben der Le­der­ja­cke ein wei­te­res wich­ti­ges Klei­dungs­stück 1950er- und 1960er-Jah­ren mu­si­ka­lisch durch­brach, hat nicht nur die Büh­nen, son­dern ei­nen gan­zen Le­bens­stil ge­prägt. Nicht zu­letzt des Looks. „Ho­sen: eng, eng, eng!“, be­schreibt Her­zog die Sil­hou­et­ten.

Bei­des zu kom­bi­nie­ren – pas­sen­des Ma­te­ri­al und Pass­form für den Rock-Chic –, das er­gibt dann die Le­der­legg­ins. Sie sei nicht tot­zu­krie­gen, sagt Her­zog. Er be­ob­ach­tet au­ßer­dem die Rück­kehr der Mi­kro-Mi­nis aus Le­der mit ei­nem Reiß­ver­schluss vor­ne in der Mit­te. Trans­pa­ren­te Stof­fe Doch nicht nur Mi­ni und en­ge Le­der­ho­se sor­gen für den nö­ti­gen Sex-Ap­peal des Looks: Auch Ele­men­te mit Spit­ze und trans­pa­ren­te Stof­fe kom­men zum Ein­satz. Dar­in sieht Her­zog ei­ne star­ke Dop­pel­deu­tig­keit. Die Tei­le sol­len se­xy und trotz­dem ab­wei­send sein. „Auf kei­nen Fall sind es Din­ge, die der bür­ger­li­chen Kon­ven­tio­na­li­tät ent­spre­chen“, fasst er zu­sam­men.

Ein biss­chen Glanz ist für den Glam-Fak­tor des Rocks auch nicht ver­kehrt. Das kommt für Mül­lerThom­kins ein­mal vom Le­der, zum an­de­ren aber auch von Ma­te­ria­li­en wie Chintz, ein zum Glän­zen ge­brach­tes Baum­woll­ge­we­be.

Gleich­zei­tig glän­zen Reiß­ver­schlüs­se, Nie­ten und die Ac­ces­soires, vor al­lem in Sil­ber und Edel­stahl. „Das ist Bling-Bling auf ei­ne roughe-toughe Art.“

Für Bin­ge­mer-Lehr, die sich ger­ne eher am ur­sprüng­li­chen Rock 'n' Roll ori­en­tiert, kommt der Glam-Fak­tor in­spi­rier­ten Rock 'n' Roll und Rock­mu­sik die Mo­de. Und so, wie die Rock­bands auch heu­te noch Tau­sen­de Fans be­geis­tern, hat es der Rock-Chic eben­falls bis in die Ge­gen­wart ge­schafft. (dpa) durch ge­k­lips­te Ohr­rin­ge mit Strass­stei­nen und klas­si­sche Drei­er-Ket­ten in Stu­fen, et­wa in hel­lem, mitt­le­rem und dunk­lem Grau, zu­stan­de. Für sie lässt sich der Look im 50's Style auch mit dem pas­sen­den Ma­ke-up un­ter­stüt­zen, et­wa ei­nem star­ken Lid­strich und ro­ten Lip­pen. All­tags­kom­bi­na­ti­on mit Je­ans Wann lässt sich der Rock-Chic gut an­zie­hen? „Ab­ge­schwächt kann man ihn zu vie­len Ge­le­gen­hei­ten tra­gen“, fin­det Bin­ge­mer-Lehr. Her­zog nennt als ab­ge­schwäch­te Va­ri­an­te für den All­tag die Kom­bi­na­ti­on Je­ans und Le­der­ja­cke und dar­un­ter ei­ne Blu­se. „Das wä­re so ein re­la­tiv ge­mä­ßig­ter Ever­y­day-Look.“

Netz­strumpf­ho­se zu en­gem Kleid, ei­ne Pelz­ja­cke dar­über und an die Fü­ße noch Ank­le Boots: Ein Aus­geh-Out­fit.

„Auf kei­nen Fall sind es Din­ge, die der bür­ger­li­chen Kon­ven­tio­na­li­tät

ent­spre­chen.“

FOTO: SIS­LEY

Die Rock-Mo­de steht für Re­bel­li­on und Sex-Ap­peal. Dunk­les Le­der ist da­für das Non­plus­ul­tra.

FOTO: LIE­BES­KIND

Der­be Stie­fel, en­ge Je­ans, Le­der­ja­cke: So prä­sen­tiert sich ei­ne all­tags­taug­li­che Rock-Kom­bi­na­ti­on.

FOTO: HEI­NE

Mit ei­nem Le­der­kleid lässt sich der Mo­de­stil gut um­set­zen. Hier ein Bei­spiel von Hei­ne.

FOTO: 8PM

Le­der passt zu die­ser Mo­de wie kaum ein an­de­res Ma­te­ri­al.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.