Neue Hei­mat für das Lauf­wun­der

Die Laichin­ge­rin Ali­na Reh wech­selt vom TSV Er­bach zu den Ul­mer Leicht­ath­le­ten

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT - Von Da­vid Könd­gen

ULM - Be­kannt wur­de ihr Wech­sel be­reits letz­te Wo­che, nun hat sie sich auch of­fi­zi­ell beim SSV Ulm 1846 vor­ge­stellt: Langstre­cken­läu­fe­rin Ali­na Reh aus Laichin­gen. „Ali­na ist ein­fach ein Aus­hän­ge­schild. Nicht nur für die deut­sche Leicht­ath­le­tik, son­dern ins­be­son­de­re für die Re­gi­on“, sagt der Ul­mer Chef­trai­ner Ju­li­an Rud­ziok. Ali­na Reh er­gänzt: „Ich ha­be in Ulm bes­se­re Mög­lich­kei­ten und auch ei­ne bes­se­re fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung als bei mei­nem bis­he­ri­gen Ver­ein TSV Er­bach. Au­ßer­dem ist der SSV ein­fach noch re­gio­nal, und ich bin ja sehr ver­wur­zelt hier. Des­halb glau­be ich, dass ich hier ganz gut auf­ge­ho­ben bin.“

Auch Wolf­gang Beck, Ab­tei­lungs­lei­ter des SSV, ist bes­ter Din­ge: „Wir ha­ben mit Ali­na Reh si­cher ei­nen gro­ßen Fisch der Lauf­sze­ne ge­an­gelt“, schwärmt er, Lauf­trai­ner Wie­land Po­kor­ny fügt an: „Ich war selbst über­rascht. Aber als Trai­ner na­tür­lich hoch­er­freut, als sie mich ge­fragt hat, ob ich mit ihr ar­bei­ten möch­te.“Lan­ge im Vor­aus ge­plant hat Reh ih­ren Wech­sel näm­lich nicht: „Das war eher ei­ne spon­ta­ne Ent­schei­dung.“

Ge­wohnt lo­cker gibt sich die erst 18-Jäh­ri­ge. Den­noch zählt sie be­reits seit ei­ni­gen Jah­ren zu den größ­ten Nach­wuchs­hoff­nun­gen der deut­schen Langstre­cken­sze­ne. „Ich muss ein­fach nur lau­fen. Mal schau­en, wie es dann wei­ter­geht“, sagt sie la­pi­dar. Deut­lich über­schwäng­li­cher twit­ter­te et­wa der Deut­sche Olym­pi­sche Sport­bund nach Ali­na Rehs Sil­ber­me­dail­len­ge­winn bei den Olym­pi­schen Ju­gend­spie­len im Vor­jahr: „Ali­na läuft wie ein flin­kes Reh.“Su­per­la­ti­ve hört man oft in Ver­bin­dung mit dem brau­nen Lo­cken­kopf von der Schwä­bi­schen Alb: als „sou­ve­rän“, „be­ein­dru­ckend“oder „per­fekt“wur­den ih­re Leis­tun­gen be­reits be­zeich­net. „Ge­fal­len tut mir das nicht so. Al­so le­se ich da ein­fach drü­ber. Es ist na­tür­lich schön, wenn man das mit mei­nem Na­men in Ver­bin­dung bringt. Man darf das aber nicht über­be­wer­ten.“ Olym­pia ist noch uto­pisch Doch die Eu­pho­rie kommt nicht von un­ge­fähr. Denn ei­ne na­he­zu per­fek­te Sai­son liegt hin­ter ihr. Dop­pel-Eu­ro­pa­meis­te­rin der Ju­nio­ren-Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten in Es­kil­stu­na/Schwe­den über 3000 und 5000 Me­ter. Und Deut­sche Meis­te­rin bei den Er­wach­se­nen über 5000 Me­ter. Ge­gen kei­ne ge­rin­ge­re als die 40-fa­che Deut­sche Meis­te­rin Sabrina Mo­cken­haupt. Nicht um­sonst gilt die 16 Jah­re jün­ge­re Ali­na Reh als de­ren le­gi­ti­me Nach­fol­ge­rin. Nach 15:51,48 Mi­nu­ten lief sie ju­belnd in Ziel. Da­bei ver­bes­ser­te Reh ih­ren ei­ge­nen deut­schen U20-Re­kord um mehr als vier Se­kun­den. „So kann ich gern ver­lie­ren“, sag­te Mo­cken­haupt nach dem Lauf.

Über ih­re wei­te­ren Zie­le spricht Ali­na Reh ger­ne. Jah­res­hö­he­punkt 2016 wird die U20-WM in Russ­land. Ih­re Aus­sich­ten auf ei­ne Teil­nah­me an den Olym­pi­schen Spie­len in Rio de Janei­ro schätzt sie da­ge­gen rea­lis­tisch ein: „Al­so das ist uto­pisch für mich, da ich mich mit 15:51 Mi­nu­ten auf ei­nem Le­vel be­fin­de, wo man 40 Se­kun­den (Die DLV-Olym­pia­norm für 5000 Me­ter liegt bei 15:13 Mi­nu­ten) nicht ein­fach so rein­läuft. Das ist ein­fach noch nicht in mei­nem Hin­ter­kopf. Des­halb schaue ich, dass ich bis To­kio 2020 an die ge­for­der­te Zeit her­an­kom­me. Aber Olym­pia bleibt ein ganz gro­ßer Traum. Da­für wer­de ich ganz viel tun und dar­auf hin­trai­nie­ren, dass es in fünf Jah­ren klappt.“ „Nicht im Streit ge­trennt“Über ih­ren ehe­ma­li­gen und lang­jäh­ri­gen Trai­ner Micha­el Schwen­ke­del will Ali­na Reh in­des erst mal nicht re­den: „Wir ha­ben uns zwar nicht im Streit ge­trennt, aber es ist für uns bei­de bes­ser, erst mal ein we­nig Ab­stand zu ge­win­nen.“

Des­halb tut Ali­na Reh das, was sie am bes­ten kann: Lau­fen. Sie kon­zen­triert sich be­reits auf die Cross-Sai­son und trai­niert im Ul­mer Do­n­au­sta­di­on, oft abends bei Flut­licht. Tags­über ar­bei­tet sie, im Ein­zel­han­dels­ge­schäft ih­rer Mut­ter in Laichin­gen hat sie nach dem Abitur ei­ne Aus­bil­dung be­gon­nen. Und der nächs­te sport­li­che Hö­he­punkt war­tet be­reits: die Cros­sEM am 13. De­zem­ber im fran­zö­si­schen Hyè­res.

FOTO: DPA

Wech­selt die schwä­bi­schen Lauf­ge­fil­de: Ali­na Reh.

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