CSU ver­schärft Kon­fron­ta­ti­on mit Mer­kel

See­ho­fer bringt in Flücht­lings­kri­se Ko­ali­ti­ons­bruch ins Spiel – Wir­bel um Ös­ter­reichs Grenz­zaun

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE -

MÜNCHEN/WI­EN (AFP/dpa) - Vor dem Kri­sen­tref­fen der Gro­ßen Ko­ali­ti­on zur Asyl­po­li­tik ver­schärft CSUChef Horst See­ho­fer sei­nen Kon­fron­ta­ti­ons­kurs. Der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent droh­te mit Kon­se­quen­zen, falls die Ge­sprä­che mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) und SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el schei­tern. „Wir sind gut vor­be­rei­tet für al­les – wo­bei ich mir das Gu­te wün­sche, näm­lich ei­ne Ver­stän­di­gung über die Maß­nah­men zur Be­gren­zung“, sag­te See­ho­fer.

Der CSU-Chef spricht am Sams­tag mit Mer­kel, am Sonn­tag folgt ein Drei­er­tref­fen mit der CDU-Che­fin und Ga­b­ri­el. Die Flücht­lin­ge sei­en da­bei, „den Rechts­staat zu über­lau­fen, so­zu­sa­gen zu über­rum­peln, das wird auf Dau­er nicht ge­hen“, sag­te See­ho­fer. Ein Nach­ge­ben der CSU schloss er aus: „Wir sind da ganz fest und hart in der Sa­che.“Ei­nen Be­richt vom Mitt­woch, wo­nach er als letz­ten Aus­weg ei­nen Rück­zug der CSU-Mi­nis­ter aus dem Bun­des­ka­bi­nett er­wä­ge und da­mit den Ko­ali­ti­ons­bruch, de­men­tier­te See­ho­fer nicht.

Noch schär­fe­re Wor­te als See­ho­fer wähl­te Bay­erns Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der (CSU): „Wir ha­ben ei­ne ech­te Ko­ali­ti­ons­kri­se“, sag­te er. Im Ver­hält­nis zwi­schen CDU und CSU han­de­le es sich „um die schwie­rigs­te Si­tua­ti­on seit 1976“, als die CSU vor­über­ge­hend die Frak­ti­ons­ge­mein­schaft mit der CDU ver­ließ. Wer glau­be, Ge­ne­ra­tio­nen von Stamm­wäh­lern igno­rie­ren zu kön­nen, set­ze die Mehr­heits­fä­hig­keit der Uni­on aufs Spiel, sag­te Sö­der. Ver­wir­rung um Grenz­zaun In Ös­ter­reich sorg­ten der­weil Plä­ne für Ver­wir­rung, die Gren­ze zu Slo­we­ni­en ab­schnitts­wei­se mit ei­nem Zaun si­chern zu wol­len, um den un­ge­ord­ne­ten Zu­gang von Flücht­lin­gen zu stop­pen. „Ja na­tür­lich geht es auch um ei­nen Zaun“, sag­te In­nen­mi­nis­te­rin Jo­han­na Mikl-Leit­ner (ÖVP) noch am Mitt­woch­vor­mit­tag. Die Ab­sper­rung sei meh­re­re Ki­lo­me­ter links und rechts des Grenz­über­gangs Spiel­feld in der Stei­er­mark ge­plant. Nach ei­nem Te­le­fo­nat mit EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker ließ Ös­ter­reichs Kanz­ler Wer­ner Fay­mann (SPÖ) am Abend al­ler­dings ver­lau­ten, dass „Zäu­ne kei­nen Platz in Eu­ro­pa ha­ben“und zog da­mit Mikl-Leit­ners An­kün­di­gung in Zwei­fel.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) kri­ti­sier­te am Mitt­woch das Ver­hal­ten Ös­ter­reichs in der Flücht­lings­kri­se. „Wir ha­ben zu be­an­stan­den, dass Flücht­lin­ge oh­ne Vor­war­nung nach Ein­tritt der Dun­kel­heit an be­stimm­te Stel­len ge­fah­ren wor­den sind und dort un­vor­be­rei­tet und oh­ne je­de Vor­sor­ge an die deut­sche Gren­ze ge­kom­men sind“, sag­te er. Wi­en müs­se zu ei­nem ge­ord­ne­ten Ver­fah­ren zu­rück­keh­ren.

An der deutsch-ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze blieb die Si­tua­ti­on wei­ter an­ge­spannt. Auch die Ka­pa­zi­tät der Not­auf­nah­me­stel­le Frei­las­sing bei Berch­tes­ga­den ist mitt­ler­wei­le aus­ge­schöpft. Am Mitt­woch war das eins­ti­ge Mö­bel­la­ger mit mehr als den vor­ge­se­he­nen 1200 Mi­gran­ten ge­füllt.

De Mai­ziè­re kün­dig­te zu­dem ei­ne „er­heb­li­che Stei­ge­rung“der Ab­schie­bun­gen an. Auf der Lis­te der Her­kunfts­län­der von Flücht­lin­gen ste­he Af­gha­nis­tan hin­ter Sy­ri­en auf Platz zwei, dies sei „in­ak­zep­ta­bel“, sag­te er. Deutsch­land stel­le in Af­gha­nis­tan Po­li­zis­ten, Sol­da­ten und viel Ent­wick­lungs­hil­fe be­reit. „Da kann man er­war­ten, dass die Af­gha­nen in ih­rem Land blei­ben.“Zu­dem sol­len Zehn­tau­sen­de ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber vom Bal­kan ab­ge­scho­ben wer­den.

FOTO: DPA

Cha­os als Nor­mal­zu­stand: An der ös­ter­rei­chisch-slo­we­ni­schen Gren­ze bei Spiel­feld kom­men täg­lich Tau­sen­de Flücht­lin­ge an.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.