För­de­rung beim Stra­ßen­bau sinkt

Land ver­än­dert För­de­rung und will mit den glei­chen Mit­teln mehr Pro­jek­te un­ter­stüt­zen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Klaus Wie­sche­mey­er

STUTTGART (klw) - Trotz mas­si­ver Kri­tik der Op­po­si­ti­on hat Ba­denWürt­tem­bergs Land­tag mit grün-ro­ter Mehr­heit das Ver­kehrs­fi­nan­zie­rungs­ge­setz für Ge­mein­den ge­än­dert. Künf­tig schießt das Land in der Re­gel nur noch 50 Pro­zent der Bau­kos­ten bei kom­mu­na­len In­fra­struk­tur­pro­jek­ten wie Stra­ßen oder Rad­we­gen zu: Bis­her wa­ren es bis zu 75 Pro­zent. Die No­vel­le be­trifft ein För­der­vo­lu­men von jähr­lich 165 Mil­lio­nen Eu­ro.

STUTTGART - Ver­kehrs­po­li­ti­scher Glau­bens­streit um ein Wor­t­un­ge­tüm: We­gen der Neu­re­ge­lung des so­ge­nann­ten Lan­des­ge­mein­de­ver­kehrs­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes (LGVFG) hat die Op­po­si­ti­on am Mitt­woch den grü­nen Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann scharf at­ta­ckiert. Doch selbst mit na­ment­li­cher Ab­stim­mung konn­ten CDU und FDP nicht ver­hin­dern, dass die grün-ro­te Mehr­heit die No­vel­le durch den Land­tag brach­te. Am En­de stimm­ten 68 grü­ne und ro­te Ab­ge­ord­ne­te für die Neue­rung, 62 von CDU und FDP da­ge­gen. Über das Ge­setz reicht das Land im Jahr 165 Mil­lio­nen Eu­ro Bun­des­mit­tel an Städ­te und Ge­mein­den wei­ter, die da­mit Ver­kehrs­we­ge bau­en. Klein­pro­jek­te statt Groß­pro­jek­te Nun än­dert Grün-Rot die Vor­ga­ben: Die För­der­sät­ze wer­den in der Re­gel von 75 Pro­zent auf 50 Pro­zent ge­senkt, so­dass die Kom­mu­nen bei Bau­pro­jek­ten zur Hälf­te ei­ge­nes Geld bei­steu­ern müs­sen. Wird der Bau nach­träg­lich teu­rer, blei­ben auch die­se Mehr­kos­ten künf­tig bei den Kom­mu­nen, denn das Land för­dert mit Fest­be­trä­gen. Zu­dem er­wei­tert Grün-Rot die för­der­fä­hi­gen Pro­jek­te wie elek­tro­ni­sche Ti­ckets oder Bar­rie­re­frei­heit im öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr. „Wir för­dern ge­zielt Klein­pro­jek­te statt Groß­pro­jek­te“, sag­te Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann und pries „Kos­ten­wahr­heit“und Nach­hal­tig­keit der No­vel­le. Durch den hö­he­ren Ei­gen­an­teil wür­den Ge­mein­de­rä­te eher auf die Sinn­haf­tig­keit ei­nes Pro­jekts ach­ten, als sich um die Mit­nah­me der Stutt­gar­ter För­der­gel­der zu küm­mern, ar­gu­men­tier­te Her­mann.

Das sah die Op­po­si­ti­on kom­plett an­ders: „Sie ha­ben nicht im An­satz ver­stan­den, wor­um es bei gu­ter In­fra­struk­tur geht“, hielt die CDU-Ab­ge­ord­ne­te Ni­co­le Ra­za­vi Grün-Rot vor. Der auf der Alb ge­for­der­te und von Her­mann in Aus­sicht ge­stell­te Bahn­halt Merklingen (Alb-Do­nauK­reis) wer­de durch das neue Ge­setz für die Kom­mu­nen vor Ort zum Fi­nanz­aben­teu­er. „Nach dem al­ten LGVFG wä­re der Bahn­hof da schon fi­nan­ziert“, sag­te Ra­za­vi. Der FDPMann Jo­chen Hauß­mann warn­te vor ei­ner „Zer­fled­de­rung“der För­de­rung durch In­fla­ti­on der zu för­dern­den Pro­jek­te. Be­kennt­nis zum Halt Merklingen Der Bahn­halt Merklingen sei nicht in Ge­fahr, be­ton­te der Ver­kehrs­mi­nis­ter hin­ge­gen. Man wer­de ei­nen Weg der Fi­nan­zie­rung fin­den, stell­te Her­mann in Aus­sicht. Der Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te Andre­as Schwarz aus Kirch­heim as­sis­tier­te, der Bahn­halt sei viel­mehr ein Zei­chen, dass es Grün-Rot ernst mei­ne mit der För­de­rung des Schie­nen­ver­kehrs im länd­li­chen Raum. „Auch der kom­mu­na­le Stra­ßen­bau ist bei uns sehr gut auf­ge­ho­ben“, sag­te Schwarz. Er ver­wies dar­auf, dass we­ni­ge gro­ße kom­mu­na­le Pro­jek­te frü­her wei­te Tei­le des LGVFG-För­der­vo­lu­mens für das gan­ze Land ab­ge­saugt hät­ten. So ha­be al­lein der Ro­sen­stein­tun­nel in Stuttgart 100 Mil­lio­nen Eu­ro ge­bun­den.

Die CDU kri­ti­sier­te, die Re­gie­rung ha­be das LGVFG im Schnell­durch­lauf und oh­ne Rück­sicht auf Kri­tik so­wie oh­ne die üb­li­che An­hö­rung von Ver­bän­den durch den Land­tag ge­peitscht. Dies zei­ge „man­geln­den Wil­len, mit den Be­trof­fe­nen ei­nen ge­mein­sa­men Weg zu su­chen“, sag­te Ra­za­vi. SPD-Mann Mans-Mar­tin Hal­ler wi­der­sprach: Al­le Ar­gu­men­te sei­en längst mehr­fach aus­ge­tauscht, ei­ne An­hö­rung sei nicht mehr nö­tig ge­we­sen. „Das The­ma ist aus­ge­mos­tet“, sag­te Hal­ler.

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