See­ho­fer droht, aber kei­ner zit­tert

CSU-Chef be­kräf­tigt vor dem Tref­fen mit Mer­kel und Ga­b­ri­el sei­ne For­de­run­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

BERLIN - Wenn zwei sich strei­ten, freut sich der Drit­te. Wenn See­ho­fer wirk­lich sei­ne CSU-Mi­nis­ter aus der Bun­des­re­gie­rung zu­rück­zie­he, dann sei das „die ers­te kon­struk­ti­ve Idee von See­ho­fer in der Flücht­lings­kri­se“, läs­tert am Mitt­woch der Grü­ne Vol­ker Beck. „Ge­ra­de in der von der Maut ver­murks­ten Ver­kehrs­po­li­tik klingt das nach ei­nem zau­ber­haf­ten Neu­an­fang.“

Zu­vor hat­te die „Bild“-Zei­tung von der Dro­hung Horst See­ho­fers be­rich­tet, sei­ne Mi­nis­ter in Berlin zu­rück­zu­zie­hen. Die­ser hat zu­min­dest nicht de­men­tiert und da­mit die Droh­ku­lis­se im Raum ste­hen las­sen.

Dass See­ho­fer sei­ne Mi­nis­ter aus dem Bun­des­ka­bi­nett wirk­lich zu­rück­zieht, da­mit rech­net in Berlin nie­mand. Denn Mer­kel könn­te auch al­lei­ne mit der SPD wei­ter­re­gie­ren. Auch wenn die 56 CSU-Ab­ge­ord­ne­ten die Re­gie­rung nicht mehr un­ter­stütz­ten, hät­ten die CDU mit 255 Ab­ge­ord­ne­ten und die SPD mit 193 ei­ne sat­te Mehr­heit.

An ei­nem Zei­chen aber, dass man die CSU in Zei­ten ei­ner Gro­ßen Ko­ali­ti­on in Berlin gar nicht braucht, kann dem macht­be­wuss­ten See­ho­fer nicht ge­le­gen sein. Er will in der Flücht­lings­kri­se die Dra­ma­tik un­ter­strei­chen: Es ge­he dar­um, ob der Staat ver­sa­ge oder funk­tio­nie­re.

Des­halb hat­te der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent ul­ti­ma­tiv das Um­steu­ern der Bun­des­re­gie­rung in der Flücht­lings­kri­se ge­for­dert und An­ge­la Mer­kel ein Ul­ti­ma­tum bis zum 1. No­vem­ber ge­setzt. Die­se Frist läuft am Sonn­tag ab.

Mer­kel trifft nun be­reits am Sams­tag See­ho­fer, um dann am Sonn­tag noch ein­mal im Krei­se al­ler Par­tei­chefs der Re­gie­rung, al­so auch mit Vi­ze­kanz­ler und SPD-Chef Ga­b­ri­el, zu re­den. Die Bun­des­kanz­le­rin hat­te de­mons­tra­tiv nicht auf See­ho­fers Ul­ti­ma­tum ge­ant­wor­tet. Sie will wei­ter­hin den Streit mit der Schwes­ter­par­tei CSU tief hän­gen. Das Drei­er­tref­fen am Sonn­tag sei schon län­ger ge­plant ge­we­sen, so Re­gie­rungs­spre­cher Seibert am Mitt­woch. Es ge­he dar­um, den ge­gen­sei­ti­gen Sor­gen zu­zu­hö­ren und die­se aus­zu­tau­schen.

In München sag­te Horst See­ho­fer, er sei bei dem Tref­fen auf al­les gut vor­be­rei­tet, wün­sche sich aber ei­ne Ver­stän­di­gung mit An­ge­la Mer­kel da­hin­ge­hend, dass die Flücht­lings­zah­len re­du­ziert wer­den.

Für Un­ru­he im Uni­ons­la­ger sor­gen neue Umfragen, de­nen zu­fol­ge die CDU/CSU zwei Pro­zent ver­lie­ren, wäh­rend die FDP auf sechs Pro­zent an­wächst. See­ho­fer hat­te schon vor Ta­gen von ei­ner exis­tenz­be­dro­hen­den Kri­se für CDU und CSU ge­warnt, wenn die Asyl­po­li­tik nicht kor­ri­giert wer­den wür­de.

FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner nutzt seit ei­ni­gen Wo­chen die Flücht­lings­kri­se, um die FDP als Rechts­staats­par­tei zu po­si­tio­nie­ren. Zu­wan­de­rung dür­fe nicht „völ­lig un­ge­ord­net und chao­tisch ab­lau­fen“, so Lind­ner. Man kön­ne nur so lan­ge und so weit Hil­fe leis­ten, wie es die Kräf­te ge­stat­te­ten. Ei­gent­lich ist das in et­wa das Glei­che, was der CSU-Chef See­ho­fer sagt, nur dass Lind­ner be­däch­ti­ger wirkt.

FOTO: DPA

Horst See­ho­fer

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