Zu­grei­fen, wenn gu­te Ti­tel güns­tig sind

Di­vi­den­den-Jagd au­ßer­halb der Sai­son – Kurs­schwä­che bie­tet Ein­stiegs­chan­cen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Jür­gen Lutz

RA­VENS­BURG - Er­fah­re­ne Ak­tio­nä­re wis­sen: Di­vi­den­den ma­chen ei­nen gro­ßen Teil der Ak­ti­en­ren­di­te aus. Doch der An­la­ge­er­folg lässt sich noch stei­gern, wenn man nur aus­ge­wähl­te Di­vi­den­den­ti­tel ins De­pot packt. Und wer die­se dann kauft, wenn die Kur­se schwä­cheln, macht so gut wie al­les rich­tig. Jetzt könn­te ein sol­cher Zeit­punkt sein.

Der Ver­gleich des viel­be­ach­te­ten Per­for­mance-In­dex mit dem Kurs­In­dex des Deut­schen Ak­ti­en­in­dex (Dax) zeigt: Oh­ne Di­vi­den­den müss­ten die An­le­ger deut­lich klei­ne­re Bröt­chen ba­cken. So hat der Per­for­mance-In­dex – in sei­ne Be­rech­nung flie­ßen die ge­zahl­ten Di­vi­den­den der Dax-Mit­glie­der mit ein – seit An­fang 2005 rund 137 Pro­zent an Wert ge­won­nen. Der Kurs-In­dex, der die rei­ne Wert­ent­wick­lung der Ak­ti­en oh­ne Di­vi­den­den wi­der­spie­gelt, brach­te es ge­ra­de ein­mal auf 67 Pro­zent.

Aus­schüt­tun­gen brin­gen 40 Pro­zent der Ren­di­te Der mehr als dop­pelt so ho­he Wert­zu­wachs ent­spricht ei­ner jähr­li­chen Ren­di­te von 8,4 ge­gen­über 4,9 Pro­zent oh­ne Aus­schüt­tun­gen – die Di­vi­den­den tru­gen in die­sem Zei­t­raum al­so 3,5 Pro­zent­punk­te im Jahr bzw. gut 40 Pro­zent zur ge­sam­ten Ak­ti­en­ren­di­te ei­nes Dax-An­le­gers bei. Im Aus­land be­wegt sich der An­teil der Di­vi­den­den auf ähn­li­chem Ni­veau: So ha­ben die 500 be­deu­tends­ten USUn­ter­neh­men An­le­gern, die von 2005 bis 2014 in­ves­tiert hat­ten, in­klu­si­ve Di­vi­den­den ei­ne an­nua­li­sier­te Ren­di­te von 6,8 Pro­zent be­schert. Oh­ne die Di­vi­den­den warf der S&P 500-In­dex im Jahr nur gut 4,5 Pro­zent ab, wie der In­dex­an­bie­ter Stan­dard&Poor’s auf sei­ner Web­site ver­merkt.

Di­vi­den­den­per­len – Das ist zu be­ach­ten Die Be­deu­tung der Di­vi­den­den wie auch ih­ren ge­sam­ten An­la­ge­er­folg kön­nen An­le­ger noch stei­gern. Da­zu müs­sen sie sich auf be­stimm­te Un­ter­neh­men kon­zen­trie­ren, wie Rai­ner La­bo­renz, Ge­schäfts­füh­rer der Pri­vat­in­ves­tor Ver­mö­gens­ma­nage­ment Gm­bH in Of­fen­burg, er­klärt: „Uns über­zeu­gen vor al­lem Un­ter­neh­men mit kon­junk­tur­un­ab­hän­gi­gen Ge­schäfts­mo­del­len so­wie mit ho­hen Er­trä­gen und ei­ner ste­ti­gen

Qu­el­len: Di­vi­den­den­po­li­tik.“Wei­te­re Kri­te­ri­en sind dem Ver­mö­gens­ver­wal­ter zu­fol­ge ei­ne ho­he Preis­set­zungs­macht so­wie die Aus­sicht auf ein star­kes Ge­winn­wachs­tum in den kom­men­den Jah­ren.

Von Mus­ter­schü­lern und fal­len­den Mes­sern Das deut­sche Pa­ra­de­bei­spiel für ei­nen so­li­den Di­vi­den­den­zah­ler ist die Mün­che­ner Rück. Der Rück­ver­si­che­rer hat die Di­vi­den­de seit Jahr­zehn­ten nicht ge­kürzt; 2014 be­trug sie 7,75 Eu­ro je Ak­tie. Be­zo­gen auf den ak­tu­el­len Kurs ent­spricht das ei­ner Di­vi­den­den­ren­di­te von 4,3 Pro­zent – ei­ne traum­haf­te Ren­di­te, über die Spa­rer wohl nur ge­quält lä­cheln kön­nen. Doch ist der aus­schließ­li­che Blick auf die Di­vi­den­den­ren­di­te nicht un­ge­fähr­lich, wie Tho­mas Zip­fel an­merkt: „Wer An­fang 2015 ei­ne RWE- oder ei­ne Eon-Ak­tie ge­kauft hat, sitzt in­zwi­schen auf ei­nem Kurs­ver­lust von 51 bzw. 33 Pro­zent“, so der Se­ni­or-Be­ra­ter der Frei­bur­ger Ver­mö­gens­ma­nage­ment Gm­bH.

Gu­te und schlech­te Di­vi­den­den­stra­te­gi­en Die­ser Fo­kus auf die Di­vi­den­den­ren­di­te dürf­te der Grund sein, war­um der Di­vDax (Di­vi­den­den­in­dex) der Deut­schen Bör­se zu wün­schen üb­rig lässt. Mit die­ser Stra­te­gie set­zen An­le­ger auf die 15 Dax-Un­ter­neh­men mit den höchs­ten Di­vi­den­den­ren­di­ten im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr – im In­dex be­fin­den sich da­her auch Eon und RWE. Das Er­geb­nis ist mau, die Stra­te­gie liegt ei­ni­ge Pro­zent­punk­te hin­ter ei­nem Dax-In­vest­ment zu­rück.

Kauf in der Schwä­che bringt hö­he­re Ren­di­ten Ob An­le­ger nun selbst ei­ne Shop­ping-Lis­te schrei­ben oder sich auf ei­ne be­währ­te Stra­te­gie bzw. ei­nen Fonds ver­las­sen: Klar ist, wer gu­te Ti­tel zu ei­nem Zeit­punkt kauft, zu dem der Markt schwä­chelt, be­kommt mehr für sein Geld. Rai­ner La­bo­renz rät An­le­gern, schritt­wei­se vor­zu­ge­hen und An­tei­le nach und nach zu er­wer­ben. Be­son­ders in­ter­es­sant fin­det der Ver­mö­gens­ver­wal­ter der­zeit die Di­vi­den­den­ti­tel der Al­li­anz; Tho­mas Zip­fel emp­fiehlt aus Grün­den der Ri­si­ko­streu­ung lie­ber Fonds, die er­folg­reich ver­schie­de­ne Di­vi­den­den­stra­te­gi­en ein­set­zen.

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