Raum­son­de „Cas­si­ni“taucht in ei­si­ge Wol­ke ab

Wis­sen­schaft­ler su­chen auf Sa­turn­mond En­ce­la­dus nach For­men ein­fa­chen Le­bens

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WISSEN -

WA­SHING­TON (dpa) - Mit ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Ab­tauch­ma­nö­ver hat die un­be­mann­te Na­sa-Raum­son­de „Cas­si­ni“die Fon­tä­nen aus Eis­teil­chen des Sa­turn­mon­des En­ce­la­dus un­ter­sucht. Die Mis­si­on sei plan­mä­ßig ge­star­tet, sag­te ein Na­sa-Spre­cher der Deut­schen Pres­se-Agen­tur am Mitt­woch­abend. Ob al­les nach Plan ge­lau­fen sei, wer­de sich je­doch erst in der Nacht zu Don­ners­tag her­aus­stel­len, wenn wie­der mit der Son­de kom­mu­ni­ziert wer­den kön­ne.

Un­wirt­li­cher als En­ce­la­dus kann ein Him­mels­kör­per auf den ers­ten Blick ei­gent­lich fast gar nicht sein. Der 1789 ent­deck­te und nach ei­nem Gi­gan­ten aus der grie­chi­schen My­tho­lo­gie be­nann­te Sa­turn­mond ist ei­ne Eis­ku­gel mit Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu mi­nus 240 Grad Cel­si­us. Un­ter dem di­cken Ei­s­pan­zer des rund 500 Ki­lo­me­ter mes­sen­den Mon­des schwappt ein Oze­an, au­ßer­dem gibt es Vul­ka­ne und Gey­si­re, die ho­he Fon­tä­nen aus Was­se­reis­par­ti­keln spu­cken. His­to­ri­scher Vor­bei­flug Aber trotz all die­ser Un­ge­müt­lich­keit su­chen Wis­sen­schaft­ler auf En­ce­la­dus nach For­men ein­fa­chen Le­bens, denn Was­ser ist ei­ne Grund­be­din­gung da­für. Wich­ti­ge Er­kennt­nis­se da­für er­hoff­ten sie sich von ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Ab­tauch-Mis­si­on der Raum­son­de „Cas­si­ni“am Mitt­woch­nach­mit­tag. Auf rund 50 Ki­lo­me­ter soll sich die Son­de dem En­ce­la­dus nä­hern und so tief wie nie zu­vor in sei­ne Eis­par­ti­kel­wol­ken tau­chen.

„Cas­si­ni“ist schon ein­mal nä­her an dem Mond vor­bei­ge­flo­gen, aber den Was­se­reis­par­ti­keln am Süd­pol ist sie noch nie so na­he ge­kom­men, wes­we­gen die US-Raum­fahrt­be­hör­de Na­sa von ei­nem „his­to­ri­schen Vor­bei­flug“spricht. „Cas­si­ni ist schon seit mehr als ei­nem Jahr­zehnt ei­ne Ent­de­ckungs­ma­schi­ne“, sagt Na­sa-Wis­sen­schaft­ler Curt Nie­bur. Und es gibt im­mer wie­der Neu­es zu er­for­schen: „Die­ses un­glaub­li­che Ab­tau­chen in die En­ce­la­dus-Wol­ke ist ei­ne groß­ar­ti­ge Chan­ce für uns, um uns zu fra­gen: „Kann ei­ne ei­si­ge Mee­res­welt die Zu­ta­ten für Le­ben be­inhal­ten?“

Wäh­rend des Flugs soll „Cas­si­ni“Fo­tos ma­chen und die Was­se­reis­par­ti­kel mit ih­ren wis­sen­schaft­li­chen In­stru­men­ten an Bord un­ter­su­chen: Sa­turn ist hin­ter Ju­pi­ter der zweit­größ­te Pla­net un­se­res Son­nen­sys­tems. Er um­kreist die Son­ne an sechs­ter Stel­le in ei­ner Ent­fer­nung von bis zu 1,67 Mil­li­ar­den Ki­lo­me­tern. Der Pla­net be­steht vor al­lem aus den leich­ten Ga­sen Was­den. Wie vie­le spuckt En­ce­la­dus und wor­aus be­ste­hen sie ge­nau? Son­de seit 1997 im Wel­tall Vor al­lem soll die Son­de Aus­schau nach Was­ser­stoff hal­ten. „Wenn wir mo­le­ku­la­ren Was­ser­stoff in der Wol­ke ser­stoff und He­li­um, er hat kei­ne fes­te Ober­flä­che. Be­son­ders auf­fäl­lig sind die ihn um­ge­ben­den Rin­ge, die vor al­lem aus Eis­par­ti­keln be­ste­hen und 1610 von Ga­li­leo Ga­li­lei ent­deckt wur- be­stä­ti­gen kön­nen, wür­de das be­wei­sen, dass es auf dem Grund des Oze­ans von En­ce­la­dus hydro­ther­ma­le Ak­ti­vi­tä­ten gibt“, sagt Wis­sen­schaft­ler Hun­ter Wai­te vom Sou­thwest Re­se­arch In­sti­tu­te in Te­xas. Was­ser­stoff kann sich un­ter an­de­rem Der von meh­re­ren Dut­zend Mon­den um­ge­be­ne Sa­turn dreht sich in et­was mehr als zehn St­un­den um die ei­ge­ne Ach­se, da­bei ist er 764-mal so groß wie die Er­de. In der rö­mi­schen My­tho­lo­gie ist Sa­turn der Gott der Ern­te. (dpa) bei ver­schie­de­nen Re­ak­tio­nen in hei­ßem, stark un­ter Druck ste­hen­dem Was­ser bil­den. Bis es ers­te Er­geb­nis­se gibt, könn­te es al­ler­dings Mo­na­te dau­ern, war­nen die For­scher.

„Cas­si­ni“war 1997 ge­star­tet und um­kreist seit 2004 den Sa­turn, der mehr als 60 be­kann­te Mon­de hat. Die Mis­si­on, die ge­mein­sam mit der Eu­ro­päi­schen Raum­fahrt­be­hör­de Esa und der ita­lie­ni­schen Raum­fahrt­be­hör­de durch­ge­führt wird, soll noch bis 2017 lau­fen. Im De­zem­ber soll die Son­de zum drit­ten und letz­ten Mal nah am En­ce­la­dus vor­bei­flie­gen, be­vor dann 2016 das „gro­ße Fi­na­le“be­ginnt: Dann soll „Cas­si­ni“mehr­fach zwi­schen dem Sa­turn und sei­nen Rin­gen durch­flie­gen.

FOTO: NA­SA

Die un­be­mann­te Raum­son­de „Cas­si­ni“ist am Mitt­woch­nach­mit­tag zur ih­rer Mis­si­on am En­ce­la­dus ge­star­tet.

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