Mit Pup­pen ge­gen se­xua­li­sier­te Ge­walt

Die Prä­ven­ti­ons­ak­ti­on „Pfo­ten weg!“will Kin­der ge­gen Über­grif­fe wapp­nen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - OBERSCHWABEN UND DONAU - Von Eri­ka Ba­der

RA­VENS­BURG - Wie sich Kin­der ge­gen Be­läs­ti­gun­gen und se­xu­el­le Ge­walt weh­ren kön­nen, er­fah­ren sie bei der Prä­ven­ti­ons­ak­ti­on „Pfo­ten weg!“. Am Sonn­tag, 15. No­vem­ber, kommt die Kon­stan­zer Pup­pen­spie­le­rin Ir­mi Wet­te mit ih­rem Fi­gu­ren­thea­ter in die Schus­sen­tal­hal­le nach Ra­vens­burg-Ober­zell und lei­tet den Ak­ti­ons­tag für Kin­der, El­tern und Er­zie­her mit dem gleich­na­mi­gen Fi­gu­ren­thea­ter „Pfo­ten weg!“ein.

Ge­gen se­xua­li­sier­te Ge­walt an Kin­dern geht Ir­mi Wet­te schon seit Jah­ren vor. 1998 hat sie ihr Pup­pen­thea­ter ge­grün­det. Vor 13 Jah­ren ging sie das ers­te Mal mit dem Stück „Pfo­ten weg!“auf Tour.

Über 47 000 Kin­der ha­ben seit­her das Stück ge­se­hen, in dem drei Kat­zen­kin­der ge­gen die ver­meint­li­chen Lieb­ko­sun­gen ih­res On­kels und ih­rer Tan­te an­ge­hen. „Das The­ma ist sehr sen­si­bel, das Stück soll als Tür­öff­ner die­nen“, sagt Ir­mi Wet­te. Kat­zen­fi­gu­ren ver­mit­teln The­ma 110 Kin­der wer­den die Mög­lich­keit ha­ben, das Stück im Rah­men des Prä­ven­ti­ons­tags am 15. No­vem­ber an­zu­schau­en. „Zum Ak­ti­ons­tag ha­ben sich mitt­ler­wei­le über 500 Kin­der an­ge­mel­det“, sagt Wet­te, die nicht nur Pup­pen­spie­le­rin, son­dern auch ge­lern­te Er­zie­he­rin ist. Die Stoff­fi­gu­ren schaf­fen, was mit mensch­li­chen Schau­spie­lern schwer­fal­len wür­de – sie brin­gen ei­ne schwie­ri­ge Bot­schaft ver­ständ­lich an Kin­der her­an. Der Pup­pen­spie­le­rin ist vor al­lem die In­ter­ak­ti­on mit den Kin­dern im Pu­bli­kum wich­tig – da­bei spricht nicht sie, son­dern spre­chen die Fi­gu­ren mit den Kin­dern. Ta­bui­sier­te The­men Re­na­te Bol­lin­ger, die im Vor­stand des Ge­samt­el­tern­bei­ra­tes der Kin­der­gär­ten ist, hat den Ak­ti­ons­tag we­sent­lich mit­or­ga­ni­siert. Ih­rer Mei­nung nach eig­net sich ein Fi­gu­ren­thea­ter be­son­ders gut, um an Kin­der her­an­zu­kom­men, da ta­bui­sier­te The­men ein­fühl­sam an­ge­spro­chen wer­den.

Als Mut­ter und El­tern­bei­rä­tin der Kin­der­ta­ges­stät­te St. Ni­ko­laus in Ra­vens­burg-Ober­zell Der ge­sam­te Ak­ti­ons­tag am 15. No­vem­ber ist kos­ten­los. Un­ter an­de­rem un­ter­stüt­zen Round Ta­ble Ra­vens­burg, La­dies Circle Ra­vens­burg, Raiff­ei­sen­bank Ober­teu­rin­gen, Stif­tung Ra­vens­bur­ger Ver­lag die Prä­ven­ti­ons­ak­ti­on. Die Schirm­herr­schaft ha­ben der Tal­dor­fer Orts­vor­ste­her Vin­zenz Höss und der Ers­te Bür­ger­meis­ter von Ra­vens­burg Si­mon Blüm­cke über­nom­men. er­hofft sie sich von dem Ak­ti­ons­tag, dass Kin­der durch das Stück eher den Mut fas­sen und sich an Ver­trau­ens­per­so­nen bei Pro­ble­men wen­den. „Ich bin fas­zi­niert da­von, was bei den Kin­dern so hän­gen bleibt. Mein sechs­jäh­ri­ger Sohn schaut mich zum Bei­spiel im­mer an, be­vor er et­was von Frem­den an­nimmt“, sagt Bol­lin­ger.

Zu ei­nem Groß­teil kom­men die Tä­ter bei se­xua­li­sier­ter Ge­walt an Kin­dern aus dem engs­ten Um­feld oder so­gar dem Fa­mi­li­en­kreis. Dar­an ist auch Wet­tes Stück an­ge­lehnt.

Als aus­ge­bil­de­te Er­zie­he­rin mach­te Ir­mi Wet­te frü­her auch in ih­rem be­ruf­li­chen All­tag Er­fah­run­gen mit dem The­ma: „In mei­nem Be­ruf hat­te ich schon Fäl­le, in de­nen der Ver­dacht be­stand, dass Kin­der Op­fer Ir­mi Wet­te tourt seit 2014 bun­des­weit mit ih­rem Pup­pen­thea­ter in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Wei­ßen Ring und der Po­li­zei. Ne­ben dem Pup­pen­thea­ter hält Ma­nue­la Di­rolf, Prä­ven­ti­ons­spe­zia­lis­tin bei der Po­li­zei, ei­nen Im­puls­vor­trag. Ba­s­tel­ti­sche, Kin­der­schmin­ken und In­fo­mög­lich­kei­ten wer­den wäh­rend des ge­sam­ten Ak­ti­ons­ta­ges dar­über hin­aus ge­bo­ten. (erb) von se­xua­li­sier­ter Ge­walt ge­wor­den sind.“Am In­ter­es­se der Kin­der ha­be sich seit der Urauf­füh­rung 2003 nichts ge­än­dert, je­doch sei­en Kin­der heu­te frü­her rei­fer. „Sie sind we­ni­ger kind­lich als noch vor 13 Jah­ren, dar­um ha­ben wir die Al­ters­gren­ze her­ab­ge­setzt“, sagt die 46-Jäh­ri­ge. Das Stück ist be­reits für Kin­der ab vier Jah­ren ge­eig­net.

Die zen­tra­le Aus­sa­ge des Pup­pen­stücks: Kin­der sol­len auf ihr Bauch­ge­fühl hö­ren, und Er­wach­se­ne sol­len die spe­zi­fi­schen Gren­zen ei­nes Kin­des nicht über­schrei­ten. „Das Kind muss sich nicht von der Oma küs­sen las­sen, wenn es das nicht will“, sagt Ir­mi Wet­te.

Ma­nue­la Di­rolf macht seit 20 Jah­ren Prä­ven­ti­ons­ar­beit bei der Po­li­zei. Sie wird am Ak­ti­ons­tag in Ober­zell ei­nen Im­puls­vor­trag zum The­ma se­xua­li­sier­te Ge­walt hal­ten. Ihr ist auf­ge­fal­len, dass die Kin­der, an­ders als noch vor Jahr­zehn­ten, heu­te ganz ge­nau die ty­pi­schen Ma­schen ken­nen, mit de­nen Tä­ter Kin­der zu lo­cken ver­su­chen. „Die Kin­der durch­schau­en heu­te das Ver­fah­ren, ei­ne bö­se Ab­sicht mit Lock­mit­teln zu ver­ste­cken“, sagt die Kri­mi­nal­be­am­tin.

Der Ak­ti­ons­tag ist für die teil­neh­men­den Kin­der, El­tern und Er­zie­her um­sonst. Fi­nan­ziert wird er durch zahl­rei­che Spon­so­ren. „Das The­ma ist ei­ne ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be, das darf die Teil­neh­mer nichts kos­ten“, sagt Wet­te.

FOTO: ERI­KA BA­DER

Ir­mi Wet­te hat das Pup­pen­thea­ter „Pfo­ten weg!“ge­schrie­ben und auch die Fi­gu­ren sel­ber her­ge­stellt.

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