Un­er­war­te­te Här­te

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - ERSTE SEITE - Von Stef­fen Ran­ge s.ran­ge@schwa­ebi­sche.de

John Cryan macht Ernst. Die Deut­sche Bank streicht Tau­sen­de Stel­len, schließt 200 Fi­lia­len in Deutsch­land und zieht sich aus zehn Staa­ten zu­rück. Mit un­er­war­te­ter Här­te setzt der neue Vor­stands­chef durch, wo­vor sich sei­ne Vor­gän­ger ge­drückt hat­ten. Sie schwa­dro­nier­ten vom Kul­tur­wan­del, Cryan streicht Di­vi­den­den.

An­ders als sei­ne Vor­gän­ger ist der Bri­te kein alt­ge­dien­ter Deutsch­ban­ker. Er kommt von der Schwei­zer UBS und kennt das In­nen­le­ben der Deut­schen Bank nur aus der Per­spek­ti­ve des Auf­sichts­rats. Des­halb muss er auch we­ni­ger Rück­sicht auf al­te Freun­de und mäch­ti­ge Seil­schaf­ten neh­men. Sein Spar­kurs trifft die einst ge­hät­schel­ten Lon­do­ner In­vest­ment­ban­ker eben­so wie die un­ge­lieb­te Pri­vat­kun­den­spar­te.

Es ist un­ter Vor­stands­vor­sit­zen­den gang und gä­be, die Ar­beit vor­he­ri­ger Chefs in ein schlech­tes Licht zu rü­cken. Cryans Kas­sen­sturz al­ler­dings über­steigt das üb­li­che Maß. Der Bri­te lie­fert den letz­ten Be­weis, dass die Bank in de­so­la­ter Ver­fas­sung ist. Deutsch­lands tra­di­ti­ons­reichs­ter Fi­nanz­kon­zern ist ver­wi­ckelt in Be­trugs­pro­zes­se, die Mil­li­ar­den kos­ten. Die An­ge­stell­ten irr­lich­tern her­um, weil sie nach zahl­lo­sen Kehrt­wen­den nicht mehr wis­sen, wo­für ihr Kon­zern steht. We­ni­ger be­tuch­te Kun­den und klei­ne Fir­men miss­trau­en dem Geld­haus, weil sie sich un­er­wünscht füh­len.

Wie der neue Chef spa­ren will, liegt nun auf dem Tisch. Wo­hin der Bri­te die Bank führt, bleibt of­fen. Bis­her er­freut sein har­tes Spar­pro­gram­me vor al­lem die An­teils­eig­ner: Sie hof­fen, dass das Un­ter­neh­men bald wie­der Tritt fasst und die Ak­tie an Wert ge­winnt. Ob sich die Kun­den freu­en kön­nen, ist zu­min­dest frag­lich. Die Deut­sche Bank warb einst mit dem Ver­spre­chen, Mit­tel­ständ­ler ins Aus­land zu be­glei­ten. Sie sei zu­gleich zu­ver­läs­si­ge Haus­bank und Part­ner in Über­see. Das gilt für vie­le Län­der nicht mehr. Wenn nun noch im gro­ßen Stil Fi­lia­len in Deutsch­land ver­schwin­den, dürf­ten sich vie­le Kun­den den Spar­kas­sen und Ge­nos­sen­schafts­ban­ken zu­wen­den. Die sind sich nicht zu scha­de, un­ren­ta­ble Fi­lia­len auf dem Land zu be­trei­ben.

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