Bri­ti­scher Spar­kurs für Deut­sche Bank

Geld­in­sti­tut will 14 000 Mit­ar­bei­tern kün­di­gen – Ers­ter Auf­tritt von John Cryan

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Bri­git­te Schol­tes

FRANK­FURT - Der Auf­tritt war wohl vor­be­rei­tet: Die Ka­me­ras klick­ten, als um neun Uhr am Don­ners­tag John Cryan, der neue Co-Chef der Deut­schen Bank, vor die Pres­se trat. Noch nie seit sei­nem Amts­an­tritt im Ju­li war der Nach­fol­ger von Ans­hu Jain öf­fent­lich auf­ge­tre­ten. Und so lie­ßen Co-Chef Jür­gen Fit­schen, Fi­nanz­vor­stand Mar­kus Schenck und Pri­vat­kun­den­chef Chris­ti­an Sewing dem Bri­ten den Vor­tritt.

Was Cryan zu ver­kün­den hat­te, war kei­ne Über­ra­schung mehr: Denn mit dem Ab­bau von Tau­sen­den Stel­len hat­te man ge­rech­net. 9000 Mit­ar­bei­ter müs­sen un­ter dem Strich ge­hen, 4000 da­von in Deutsch­land. Ins­ge­samt ver­lie­ren 14 000 Be­schäf­tig­te ih­re Ar­beit, es wer­den aber 5000 Jobs an an­de­rer Stel­le neu ge­schaf­fen. Ein fal­sches Si­gnal sei das, kri­ti­sier­te Kon­zern­be­triebs­rats­chef Al­f­red Her­ling: Da­mit drän­ge sich der Ein­druck auf, dass die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter die Sup­pe aus­löf­feln müss­ten, die ih­nen das Ma­nage­ment ein­ge­brockt ha­be“, sag­te er. Jo­bab­bau trifft Fa­mi­li­en Cryan, der sei­ne Re­de auf Deutsch hielt, die Fra­gen aber lie­ber auf Eng­lisch be­ant­wor­te­te, sag­te, ihm sei be­wusst, dass der Jo­bab­bau Men­schen und Fa­mi­li­en tref­fe, wenn man Fi­lia­len schlie­ße und sich aus zehn Län­dern zu­rück­zie­he. Man will vor al­lem aus sol­chen Län­dern, Pro­duk­ten und Kun­den­seg­men­ten aus­stei­gen, die zu nied­ri­ge Ren­di­ten oder zu ho­he Ri­si­ken auf­wie­sen.

Mehr als 200 Fi­lia­len will die Bank schlie­ßen. Das sol­le vor al­lem in Groß­städ­ten ge­sche­hen, sag­te Pri­vat­kun­den­chef Sewing. Denn das Geld­haus wol­le breit in der Flä­che auf­ge­stellt blei­ben. Man müs­se zu­dem die Kom­ple­xi­tät der Ge­schäf­te re­du­zie­ren, so Cryan. Bis­her war et- wa die Ver­triebs­struk­tur in Deutsch­land je nach Ge­schäfts­be­reich un­ter­schied­lich, so­dass die Kun­den oft mit je­weils un­ter­schied­li­chen An­sprech­part­nern zu tun hat­ten. Das soll sich nun än­dern. Die Post­bank wird vom kom­men­den Jahr an nicht mehr da­zu­ge­hö­ren. Sie soll dann an die Bör­se ge­bracht wer­den, die Deut­sche Bank kon­zen­triert sich nun auf die ver­mö­gen­de­ren Kun­den.

Ein wei­te­res Ziel der Bank: bis 2018 sol­len die Kos­ten von 25,6 auf 22 Mil­li­ar­den Eu­ro sin­ken. Dann will sie 70 Cent auf­wen­den, um ei­nen Eu­ro zu ver­die­nen, 2020 will sie noch ef­fi­zi­en­ter wer­den, dann sol­len das nur noch 65 Cent sein. Skan­da­le kos­ten viel Das Geld­haus kämpft mit den Fol­gen der Skan­da­le, der Fehl­trit­te der In­vest­ment­ban­ker. Es hat in­zwi­schen knapp 12 Mil­li­ar­den Eu­ro für Rechts­strei­tig­kei­ten be­zahlt oder zu­rück­ge­stellt. In­ves­tie­ren muss die Bank auch: zum ei­nen in Kon­troll­sys­te­me, da­mit in Zu­kunft Fehl­ver­hal­ten wie das der In­vest­ment­ban­ker schnel­ler ge­ahn­det wer­den kann. Au­ßer­dem sind die IT-Sys­te­me ma­ro­de, 35 Pro­zent da­von sei­en ver­al­tet, sag­te Cryan. Des­halb ha­be ihn seit sei­nem Start in der Deut­schen Bank am meis­ten die Qua­li­tät der Mit­ar­bei­ter be­ein­druckt: „Wir ha­ben die­se mi­se­ra­blen Sys­te­me, sehr lang­sa­me Pro­zes­se, ei­ne schreck­li­che, in­ef­fi­zi­en­te in­ter­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, und das ma­chen die Men­schen hier mehr als wett“, ver­pack­te der Bri­te sei­ne Kri­tik in ein Lob für die Be­schäf­tig­ten.

Die IT-Bran­che will die Bank je­doch wie­der en­ger in den Kon­zern zie­hen: 6000 ex­ter­ne Di­enst­leis­ter vor al­lem in die­sem Be­reich will sie nicht wei­ter be­schäf­ti­gen. Zur Kos­ten­re­duk­ti­on will die Bank auch die va­ria­ble Ver­gü­tung über­prü­fen: die Bo­nus-Zah­lun­gen sind für das lau­fen­de Jahr nicht si­cher.

Auch die Ak­tio­nä­re müs­sen ih­ren Bei­trag leis­ten. Auf die Di­vi­den­de wer­den sie für das lau­fen­de und das kom­men­de Jahr ver­zich­ten müs­sen. Erst da­nach wer­de man all­mäh­lich wie­der ei­ne „nor­ma­le Bank“wer­den. Bis­her ha­be es mit der Um­set­zung der Stra­te­gie ge­ha­pert, sag­te John Cryan. Ihm sei be­wusst, dass man nun lie­fern müs­se.

Nach an­dert­halb St­un­den war die Pres­se­kon­fe­renz be­en­det. Denn der Vor­stand war am Nach­mit­tag in London mit In­ves­to­ren und Ana­lys­ten ver­ab­re­det und muss­te sich auf­ma­chen in die bri­ti­sche Haupt­stadt – mit dem Li­ni­en­flie­ger na­tür­lich, wie mehr­fach be­tont wur­de.

FOTO: DPA

John Cryan, Co-Chef der Deut­schen Bank, stell­te am Don­ners­tag Spar­plä­ne vor.

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