Schwa­ben­ken­ner re­den über ih­re Spe­zi­es

Thea­ter Lin­den­hof ist beim Kul­tur­schwer­punkt „Klein­kunst“Gast im Klos­ter In­zig­kofen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SIGMARINGEN/ INZIGKOFEN/ KRAUCHENWIES - Von Do­ris Fut­te­rer

IN­ZIG­KOFEN - Die Aus­sicht auf „Spätz­le mit Soß“kommt bei al­len Schwa­ben of­fen­sicht­lich zu je­der Ta­ges­zeit bes­tens an. Das je­den­falls hat den Ka­ba­ret­tis­ten Bern­hard Hurm und Bert­hold Bie­sin­ger vom Thea­ter Lin­den­hof ei­nen bre­chend vol­len Ka­pi­tel­saal im ehe­ma­li­gen Klos­ter In­zig­kofen be­schert. „Ich ha­be es auch nicht an­ders er­war­tet“, ge­stand Ed­win Ernst We­ber, der die vie­len Gäs­te im Na­men des Bil­dungs­werks In­zig­kofen und des Kreis­kul­tur­fo­rums be­grüß­te. „Sie wer­den sich an­schlie­ßend sel­ber bes­ser ver­ste­hen kön­nen“, ver­sprach er den Gäs­ten. Als Schwa­ben ver­folg­ten die­se mit gro­ßer Hei­ter­keit und trotz­dem kon­trol­lie­rend wach­sam die hu­mor­vol­len Aus­füh­run­gen über ih­re ei­ge­ne Spe­zi­es. Da­von konn­ten sie nicht ge­nug be­kom­men und lie­ßen die Schau­spie­ler erst nach ei­ner Zu­ga­be ab­tre­ten.

Als um­fas­sen­de Schwa­ben­ken­ner tra­fen „Jo­sef“und „Ro­bert“im Ram­pen­licht in In­zig­kofen auf­ein­an­der, aber sie wa­ren hier auf ei­nen gan­zen Saal eben­sol­cher Spe­zia­lis­ten ge­trof­fen. Mit wach­sa­men Au­gen und Oh­ren ver­folg­ten die Zu­schau­er die hu­mo­ri­gen Dar­bie­tun­gen der bei­den und konn­ten nicht an­ders, als be­geis­tert über sich sel­ber la­chen. Da­mit und mit „das ist wahr“, zoll­te das Pu­bli­kum den Schau­spie­lern Zu­stim­mung und An­er­ken­nung. Die Zu­schau­er hielt es aber nicht un­tä­tig auf den Stüh­len. Mit der Exis­tenz ei­nes „ba­di­schen Schwa­bens“zeig­ten sie sich gar nicht ein­ver­stan­den, ge­nau­so we­nig mit der Be­zeich­nung „Ro­te Bee­te“. Mu­tig wur­de in den Saal ge­ru­fen und auch den Schau­spie­lern die pas­sen­den schwä­bi­sche For­mu­lie­rung in den Mund ge­legt.

„Die Po­in­te ist hin­ten, dann wenn ich nichts mehr sa­ge“, wuss­ten sich die Schau­spie­ler zu weh­ren und im­mer wie­der ent­stand ein hu­mo­rig-lo­cke­res Zwie­ge­spräch auf Schwä­bisch zwi­schen Schau­spie­lern und Gäs­ten. „Wo mir scho do sind, bei uns kommt´s auf ei­nen Tag rum oder num net an“, mein­ten die bei­den. Sie er­in­ner­ten sich aber den­noch im­mer wie­der an ihr vor­be­rei­te­tes Pro­gramm, denn „wir müs­sen jetzt wei­ter­ma­chen, sonst kom­men un­se­re An­zü­ge aus der Mo­de“. Die­se Tat­sa­che stand zu­min­dest im Raum, denn viel be­staunt wa­ren ih­re An­zü­ge in Qu­ietsch­grün und Leucht­end­pink. Al­le Fa­cet­ten des Schwa­ben wer­den be­leuch­tet Fast zwei St­un­den be­nö­tig­ten Bern­hard Hurm und Bert­hold Bie­sin­ger, um den Schwa­ben in al­len sei­nen Fa­cet­ten in Wor­ten und mit Ge­sang zu be­leuch­ten. Da­bei ver­setz­ten sich die bei­den in ge­spiel­ten Sze­nen in die Cha­rak­te­re ei­nes schwä­bi­schen Lie­bes­paa­res ge­nau­so wie in al­te Kum­pel, die sich in ei­ner Kn­ei­pe bei Ap­fel­most tref­fen. Die Viel­schich­tig­keit der schwä­bi­schen Spra­che in zun­gen­bre­che­ri­schen Wort­spie­len, aber auch die An­lei­hen aus dem Fran­zö­si­schen wuss­ten sie zu prä­sen­tie­ren. Dem­ge­gen­über steht die An­ge­wohn­heit im Schwa­ben­land, ge­wöhn­lich nur das Al­ler­nö­tigs­te zu spre­chen. „Man kommt so auch an sein Ziel und kann sich nicht ver­has- peln. Wir ge­hen lie­ber in uns. Das reicht auch!“, war die Fest­stel­lung der Künst­ler.

Ei­ne Un­men­ge von Ar­ten ei­nes Schwa­ben wur­den auf­ge­zählt, aber ge­nau­so der „Rein­ge­schmeck­te“er­klärt. Das Länd­le der Dich­ter, Er­fin­der und Phi­lo­so­phen wur­de in Kost­pro­ben ver­deut­licht, wo­bei aber im­mer das Es­sen die Grund­la­ge ist: „Gwarg­dasch, Greemdord, Dob­bl­weg­ga und an gra­na­da Schlag Sch­ba­za“las­sen den Schwa­ben da­hin­schmel­zen. Mit dem Ur­teil „des isch ob­acha“, wa­ren sich Schau­spie­ler und Zu­schau­er ei­nig. Ganz wich­tig ist auch das Kn­au­sern: „Macht grö­ße­re Schrit­te, um am Ab­satz zu spa­ren“, konn­te vom Pu­bli­kum mit größ­tem Ver­gnü­gen als Vor­schlag an­ge­nom­men wer­den.

Den Ab­schluss ge­stal­te­ten Bern­hard Hurm und Bert­hold Bie­sin­ger mit ei­nem ganz spe­zi­el­len Tipp für die an­we­sen­den Schwa­ben: „Nur Schaf­fen und Spa­ren macht kei­nen Sinn. Ne­ben­bei müsst ihr auch noch le­ben, denn das letz­te Hemd hat kei­ne Ta­schen.“

FOTO: DO­RIS FUT­TE­RER

Bert­hold Bie­sin­ger und Bern­hard Hurm (von links) sind wasch­ech­te Schwa­ben, und sie ver­kör­pern die­se auch in ih­ren Darstel­lun­gen.

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