Ein Gip­fel der Hoff­nung

Un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen er­schwe­ren Lö­sung bei bis­lang größ­ter Sy­ri­en-Kon­fe­renz

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Chris­toph Sator

WI­EN (dpa) - Das Ho­tel „Im­pe­ri­al“in der Wie­ner Ring­stra­ße war am Frei­tag der idea­le Schau­platz für die größ­te Sy­ri­en-Kon­fe­renz, die es je gab. Vier Jah­re nach Be­ginn des Kon­flikts sa­ßen zum ers­ten Mal fast al­le wich­ti­gen Ak­teu­re an ei­nem Tisch: die fünf UN-Ve­to­mäch­te (USA, Russ­land, Chi­na, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en) und Deutsch­land, die gro­ßen Re­gio­nal­mäch­te Tür­kei, Sau­di-Ara­bi­en und – zum ers­ten Mal – Iran plus acht wei­te­re Staa­ten. Aber oh­ne Sy­ri­en.

Die po­li­ti­schen Be­mü­hun­gen um ein En­de der Tra­gö­die – et­wa 250 000 To­te, mehr als 4,2 Mil­lio­nen Sy­rer im Aus­land auf der Flucht, sie­ben Mil­lio­nen Ver­trie­be­ne in­ner­halb des Lan­des – ste­cken seit Län­ge­rem völ­lig fest. Auch was die Zu­kunft As­sads an­geht, hat­te man sich to­tal ver­hakt: Russ­land und Iran nah­men den Dik­ta­tor in Schutz. Der Wes­ten, die Tür­kei und ver­schie­de­ne ara­bi­sche Staa­ten woll­ten ihn ei­gent­lich so­fort los­wer­den. „Aus­weg aus der Höl­le“Durch die Ge­sprä­che in Wi­en gibt es jetzt zu­min­dest wie­der Hoff­nung, dass in Sy­ri­en doch noch et­was vor­an­geht. US-Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry nann­te die Kon­fe­renz ei­nen „Aus­weg aus der Höl­le“. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er sprach we­ni­ger dra­ma­tisch von ei­nem „Hoff­nungs­zei­chen“. Vor der Heim­rei­se nach Berlin mein­te er: „Es gibt kei­ne Il­lu­si­on, dass der Groß­teil der Ar­beit wei­ter vor uns liegt.“

Die Deut­schen ha­ben gro­ßes In­ter­es­se an ei­ner schnel­len Lö­sung, weil die Flücht­lings­kri­se an­sons­ten kaum in den Griff zu be­kom­men ist. Die al­ler­meis­ten Men­schen, die der­zeit Zuflucht in der Bun­des­re­pu­blik su­chen, kommt aus Sy­ri­en.

Wie geht es nun wei­ter? In zwei Wo­chen will man in der­sel­ben Run­de er­neut zu­sam­men­kom­men, ver­mut­lich wie­der im „Im­pe­ri­al“. Zu­vor soll der Sy­ri­en-Son­der­be­auf­trag­te Staf­fan de Mis­tu­ra ei­ni­ges an Vor­ar­beit leis­ten. Grund­la­ge könn­te ei­ne Art Wunsch-Fahr­plan für ei­ne Über­gangs­re­gie­rung und Wah­len sein, auf den man sich be­reits im Som­mer 2012 in Genf ge­ei­nigt hat­te. Zu­dem gibt es schon Re­so­lu­tio­nen des UNSi­cher­heits­rats – zum Bei­spiel ein Ver­bot von Fass­bom­ben – die noch nicht um­ge­setzt sind.

Par­al­lel zu den di­plo­ma­ti­schen Be­mü­hun­gen ga­ben die USA be­kannt, dass sie ih­ren Mi­li­tär­ein­satz in Sy­ri­en aus­wei­ten wer­den. In den nächs­ten Ta­gen sol­len bis zu 50 ame­ri­ka­ni­sche Spe­zi­al­kräf­te in den Nor­den des Lan­des ver­legt wer­den, um den Kampf ge­gen die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) zu ver­stär­ken. Zu­gleich soll ver­sucht wer­den, zu­min­dest lo­ka­le Waf­fen­still­stän­de zu or­ga­ni­sie­ren.

Die In­ter­es­sen der sy­ri­schen Kriegs­par­tei­en lie­gen im­mer noch weit aus­ein­an­der, ge­nau­so wie die In­ter­es­sen der an­de­ren Ak­teu­re. Das gilt nicht nur für die bei­den Groß­mäch­te USA und Russ­land. Iran und Sau­di-Ara­bi­en zum Bei­spiel, die sich die Vor­herr­schaft am Golf strei­tig ma­chen, sind zer­strit­ten.

So ei­nig man sich dar­über ist, Sy­ri­en vor dem völ­li­gen Zer­fall zu ret­ten und kei­nes­falls dem IS zu über­las­sen, so un­ter­schied­lich sind die Vor­stel­lun­gen dar­über, wie die Zu­kunft des Lan­des aus­se­hen könn­te. Wer ei­ne Über­gangs­re­gie­rung füh­ren könn­te? Wie die be­setzt ist? Wann der Über­gang be­ginnt? Wer ge­nau mit wem dar­über ver­han­delt?

Größ­ter Streit­punkt ist laut Frank­reichs Au­ßen­mi­nis­ter Lau­rent Fa­bi­us aber wei­ter­hin, was mit As­sad selbst ge­schieht. Der Wes­ten be­steht seit ei­ner Wei­le nicht mehr dar­auf, dass der 50-Jäh­ri­ge so­fort ab­tre­ten muss, son­dern kann sich ei­ne „Über­gangs­frist“vor­stel­len.

Den Sau­dis und an­de­ren Staa­ten geht das als Zu­ge­ständ­nis be­reits viel zu weit. Iran und Russ­land hin­ge­gen ver­tre­ten wei­ter die Auf­fas­sung, dass die Ent­schei­dung über As­sad al­lein Sa­che der Sy­rer sei. Dem­nächst mehr da­zu, ver­mut­lich wie­der in Wi­en.

FOTO: DPA

Die Sy­ri­en-Kon­fe­renz in Wi­en brach­te vie­le Staa­ten an den Ver­hand­lungs­tisch.

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