Ge­gen­sei­ti­ge Schuld­zu­wei­sun­gen

Am Wo­che­n­en­de tref­fen sich die Ko­ali­ti­ons­spit­zen und be­ra­ten zur Flücht­lings­kri­se

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Ras­mus Buch­stei­ner

BERLIN - Am En­de könn­te ein Asyl­pa­ket II ste­hen, mit Maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Flücht­lings­stroms, oder eben der ganz gro­ße Eklat. Wenn sich am heu­ti­gen Sams­tag um 19 Uhr im Kanz­ler­amt An­ge­la Mer­kel (CDU) und Horst See­ho­fer (CSU) tref­fen, um ih­ren Streit über den rich­ti­gen Kurs in der Flücht­lings­kri­se aus­zu­räu­men, ist das der Auf­takt. Am Sonn­tag soll wei­ter ver­han­delt wer­den. Mit am Tisch sitzt dann SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el.

Die Ko­ali­ti­on steht wo­mög­lich vor ih­ren bis­lang schwers­ten St­un­den. CSU-Chef See­ho­fer, sein Ul­ti­ma­tum und die ge­zielt ge­streu­te In­for­ma­ti­on, man be­hal­te sich als „Ul­ti­ma Ra­tio“so­gar den Aus­stieg aus der Gro­ßen Ko­ali­ti­on vor, sor­gen für größ­te An­span­nung. SPD-Chef Ga­b­ri­el mach­te ges­tern sei­nem Är­ger Luft: „Die­se Form der ge­gen­sei­ti­gen ULM (mö) - Kon­kre­te Ge­fah­ren für den eu­ro­päi­schen Ei­ni­gungs­pro­zess sieht der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) für den Fall, dass in der Flücht­lings­kri­se die So­li­da­ri­tät der eu­ro­päi­schen Staa­ten ver­sagt: „Es kön­nen sich dann Kräf­te ent­wi­ckeln, die Eu­ro­pa aus­ein­an­der­trei­ben“, sag­te Kret­sch­mann am Frei­tag im Ge­spräch mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Der Re­gie­rungs­chef wei­ter: „Wir brau­chen ei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung, wenn wir nicht schei­tern wol­len.“ Er­pres­sung und Be­schimp­fung ist un­wür­dig und schlicht ver­ant­wor­tungs­los.“CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er warf der SPD vor, die „Rea­li­tät aus­zu­blen­den“und SPDGe­ne­ral­se­kre­tä­rin Yas­min Fa­hi­mi sprach von ei­nem „Kas­per­le­thea­ter“, das die CSU auf­füh­re. Gün­ther Oet­tin­ger, Al­lein am Don­ners­tag ha­be das Land mehr als 1600 Asyl­be­wer­ber auf­ge­nom­men. Die 1100 Teil­neh­mer der zwei­tä­gi­gen Kon­fe­renz der Do­n­au­staa­ten in Ulm be­schäf­tig­ten sich am Frei­tag mit prak­ti­schen Fra­gen wie Aus­bil­dung, Ver­kehr und Wirt­schaft. Es sei wich­tig, die Volks­wirt­schaf­ten im Do­nau­raum zu ent­wi­ckeln, et­wa auf dem West­bal­kan, ver­tei­dig­te Kret­sch­mann die Kon­fe­renz­the­men. Nur dann könn­ten die­se Staa­ten sel­ber Flücht­lin­ge auf­neh­men. EU-Di­gi­tal­kom­mis­sar, be­wer­te­te die Äu­ße­run­gen aus der CSU als „nicht wirk­lich sach­dien­lich“.

Kann See­ho­fer der Kanz­le­rin ei­ne Wen­de in der Flücht­lings­po­li­tik ab­trot­zen? Wird An­ge­la Mer­kel das Si­gnal aus­sen­den, dass Deutsch­lands Be­las­tungs­gren­ze er­reicht ist? Muss Sig­mar Ga­b­ri­el sei­nen Wi­der­stand ge­gen Tran­sit­zo­nen auf­ge­ben?

Hin­ter den Ku­lis­sen wird längst nach Kom­pro­mis­sen ge­sucht. Dass die CSU das schwarz-ro­te Bünd­nis zum Plat­zen bringt, wur­de in Ko­ali­ti­ons­krei­sen aus­ge­schlos­sen. Die CSU wä­re dann schließ­lich in der Op­po­si­ti­on und könn­te den Lauf der Din­ge nicht mehr be­ein­flus­sen.

Kurz vor dem Gip­fel er­hö­hen die Kom­mu­nen den Druck. Sie for­dern un­ter an­de­rem ei­ne Straf­fung der Ver­fah­rens­vor­schrif­ten und ein kon­se­quen­tes Ab­schie­be­ma­nage­ment, wie Gerd Lands­berg, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Städ­te­und Ge­mein­de­bun­des, ges­tern im Ge­spräch mit un­se­rer Ber­li­ner Re­dak­ti­on er­klär­te.

FOTO: DPA

Da herrsch­te noch Zu­ver­sicht (von links): Sig­mar Ga­b­ri­el, An­ge­la Mer­kel und Horst See­ho­fer prä­sen­tie­ren 2013 den Ko­ali­ti­ons­ver­trag.

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