BND und NSA mach­ten ge­mein­sa­me Sa­che

Ein Un­ter­su­chungs­be­richt soll Licht in die Prak­ti­ken der Ge­heim­diens­te brin­gen

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Chris­tia­ne Ja­cke

BERLIN (dpa) - Kurt Grau­lich ist am En­de. Der Ex-Ver­wal­tungs­rich­ter durch­fors­te­te als ei­ne Art Son­der­er­mitt­ler meh­re­re Mo­na­te lang Lis­ten mit fast 40 000 heik­len Such­kri­te­ri­en des US-Ge­heim­diens­tes NSA. Die sorg­ten für hel­le Auf­re­gung. Denn die Ame­ri­ka­ner sol­len da­mit – mit­hil­fe des Bun­des­nach­rich­ten­diens­tes BND – über Jah­re ver­sucht ha­ben, Po­li­ti­ker und Fir­men in Eu­ro­pa aus­zu­for­schen. Grau­lich schau­te sich die Lis­ten ge­nau­er an. Her­aus kam ein fast 300 Sei­ten star­ker Be­richt. Der Son­der­er­mitt­ler teilt dar­in or­dent­lich aus ge­gen die Ame­ri­ka­ner. Aber auch an sei­nem Werk gibt es ei­ni­ge Kri­tik, vor al­lem von der Op­po­si­ti­on im Bun­des­tag.

Wor­um geht es? In sei­ner Ab­hör­sta­ti­on im baye­ri­schen Bad Ai­b­ling greift der BND gro­ße Men­gen an in­ter­na­tio­na­ler Sa­tel­li­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on ab. BND und NSA ver­ein­bar­ten, dass die Ame­ri­ka­ner zum Teil Zu­griff auf die­se Da­ten be­kom­men. Da­für über­mit­tel­te die NSA be­stimm­te Such­merk­ma­le (Se­lek­to­ren) – al­so et­wa E-Mail-Adres­sen, Te­le­fon­num­mern oder IP-Adres­sen von Com­pu­tern. Die wer­den ge­nutzt, um rie­si­ge Da­ten­strö­me nach ver­däch­ti­gen In­hal­ten zu durch­käm­men. Ge­dacht war die Ko­ope­ra­ti­on ei­gent­lich zur Ter­ror­be­kämp­fung – ge­knüpft an die Be­din­gung, dass deut­sche und eu­ro­päi­sche In­ter­es­sen ge­wahrt wer­den. Die Ame­ri­ka­ner hiel­ten sich je­doch nicht an die Ab­ma­chung und ver­such­ten Po­li­ti­ker und Fir­men in Eu­ro­pa aus­zu­spä­hen.

Wen ge­nau die Ame­ri­ka­ner aus­ge­forscht ha­ben, nennt Grau­lich bis auf Aus­nah­men nicht – zu­min­dest nicht öf­fent­lich. Es gibt ge­heim ein­ge­stuf­te Fas­sun­gen des Be­rich­tes für das Kanz­ler­amt und den NSA-Un­ter­su­chungs­aus­schuss. Be­kannt war, dass die NSA die eu­ro­päi­schen Rüs­tungs­kon­zer­ne Eu­ro­c­op­ter und EADS im Vi­sier hat­te. Grau­lich be­rich­tet von mehr als 70 Fir­men.

Die meis­ten der rund 40 000 über­prüf­ten pro­ble­ma­ti­schen Se­lek­to­ren fisch­te der BND laut Grau­lich her­aus, be­vor sie in die Über­wa­chungs­sys­te­me ein­ge­speist wur­den. An­de­re wa­ren be­reits „scharf ge­stellt“, be­vor sie ent­deckt wur­den.

In­zwi­schen gibt es Hin­wei­se, dass der BND selbst Part­ner­staa­ten aus­spio­nier­te und bis 2013 ei­ge­ne pro­ble­ma­ti­sche Se­lek­to­ren ver­wen­de­te. Die Bun­des­re­gie­rung, die die Auf­sicht über den BND hat, spricht nun selbst von „tech­ni­schen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen De­fi­zi­ten“beim Aus­lands­ge­heim­dienst und ver­spricht für die Zu­kunft stren­ge­re Vor­ga­ben.

FOTO: DPA

Son­der­er­mitt­ler und Ex-Rich­ter Kurt Grau­lich.

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