In Stuttgart frus­triert, in Darm­stadt be­gehrt

Kon­stan­tin Rausch, der Herr­scher über die Stan­dards, hat bei sei­nem neu­en Klub zum Hö­hen­flug an­ge­setzt

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SPORT -

DARM­STADT (dpa/sz) - Über die vo­ri­ge Sai­son beim VfB Stuttgart will Kon­stan­tin Rausch nicht mehr spre­chen. „Das ist Ver­gan­gen­heit und da­mit für mich ab­ge­hakt“, sagt der Mit­tel­feld­spie­ler des SV Darm­stadt 98, im Ju­li hat­te er noch an­ders ge­klun­gen: „Ich bin kein Spie­ler, der groß nachtritt. Aber dass ich in Stuttgart kaum ge­spielt ha­be und zur Re­ser­ve ge­schickt wur­de, ge­fiel mir na­tür­lich über­haupt nicht. Ich hät­te mir die Si­tua­ti­on ger­ne er­spart. Aus sport­li­cher Sicht war das für mich ei­ne her­be Ent­täu­schung“, sag­te der 25-Jäh­ri­ge da­mals der „Sport-Bild“. Am Sonn­tag (15.30 Uhr) tref­fen sein al­ter und sein neu­er Ver­ein am 11. Spiel­tag der Fuß­ball-Bun­des­li­ga in Stuttgart auf­ein­an­der – und Rausch freut sich dar­auf.

„Von der Mo­ti­va­ti­on her ist es bei mir im­mer gleich in der Bun­des­li­ga. Aber na­tür­lich ist es für mich et­was Be­son­de­res, auf die al­ten Kol­le­gen zu tref­fen.“Rausch war 2013 mit gro­ßen Hoff­nun­gen von Han­no­ver nach Stuttgart ge­wech­selt. 51 Nach­wuchs-Län­der­spie­le hat­te der Sohn russ­land­deut­scher El­tern für den DFB be­strit­ten, der VfB soll­te der nächs­te Kar­rie­re­schritt wer­den. In der ers­ten Spiel­zeit kam er im­mer­hin auf 21 Bun­des­li­ga-Ein­sät­ze, in der letz­ten wa­ren es ge­ra­de noch vier. Meist muss­te er in der zwei­ten Mann­schaft ran.

In Darm­stadt wur­de Rausch auf An­hieb Stamm­spie­ler im lin­ken Mit­tel­feld, glänz­te mit star­ken Stan­dards und Vor­be­rei­tun­gen und er­ziel­te beim 1:1 ge­gen Schal­ke ei­nen wich­ti­gen Tref­fer. „Ich spü­re hier das ab­so­lu­te Ver­trau­en des Trai­ner­teams, das ist ein wich­ti­ger Grund, dass es bis hier­hin recht gut für mich läuft“, sagt er: „Aber es ist noch zu früh in der Sai­son, um das wirk­lich be­wer­ten zu kön­nen.“

Die Stan­dards, die bis­lang bes­te Waf­fe in der Of­fen­si­ve der „Li­li­en“, trai­niert das Team meist ein­mal die Wo­che. „Ab und an schie­ße ich zu­dem nach dem Trai­ning noch Bäl­le aufs Tor, um ein gu­tes Ge­fühl zu be­kom­men“, sagt Rausch. Na­tür­lich sei es wich­tig, dass die Frei­stö­ße und Ecken gut kä­men. „Aber es braucht auch gu­te Kopf­ball­spie­ler in der Mit­te, die gut in die Bäl­le ge­hen. Bei uns hat bis­lang bei­des recht gut zu­sam­men­ge­passt – dann ist es auch nicht so leicht, die Stan­dards zu ver­tei­di­gen.“

Rausch selbst hat durch­aus noch Luft nach oben – und das ganz wört­lich. „Am An­fang hat­te ich schon noch kon­di­tio­nel­le Schwie­rig­kei­ten, da ich an­dert­halb Jah­re nicht mehr die­se Be­las­tung über 90 Mi­nu­ten kann­te“, räumt er mit Blick auf die neun Aus­wechs­lun­gen in den ers­ten zehn Li­ga­spie­len ein. Mitt­ler­wei­le ha­be er da­mit aber kei­ne Pro­ble­me mehr.

Pro­ble­me be­rei­tet ihm der­zeit viel­mehr ei­ne Wa­den­ver­let­zung, we­gen der er auch das Po­kal­spiel die­se Wo­che ge­gen sei­nen Ex-Ver­ein Han­no­ver ver­pass­te. Da­nach hat er zwar trai­niert, muss aber To­bi­as Kem­pe wie­der aus der Start­elf ver­drän­gen, der beim Po­kal­sieg bei­de Tref­fer in bes­ter Rausch-Ma­nier ein­lei­te­te: mit Stan­dards. Auch der hat üb­ri­gens zu­min­dest ei­ne ge­ne­ti­sche VfB-Ver­gan­gen­heit: Sein Va­ter Tho­mas spiel­te lan­ge Jah­re für den VfB. Darm­stadts Schus­ter hofft der­weil, dass Kon­stan­tin Rausch für den Fall sei­nes Ein­sat­zes ge­gen den al­ten Klub nicht über­mo­ti­viert ist: „Bei Ko­cka muss man auf­pas­sen, dass er nicht über­dreht.“ Stutt­garts Trai­ner Alexander Zor­ni­ger will auch ge­gen die kon­ter­star­ken Darm­städ­ter, die aus­wärts noch nicht ver­lo­ren ha­ben, stür­men las­sen: „Fakt ist, dass ich nach wie vor da­von über­zeugt bin, dass du gu­te Spie­le eher ge­winnst als schlech­te“, sag­te er. „Ich hof­fe, dass es ir­gend­wann ei­nen Zu­sam­men­hang gibt zwi­schen gu­tem und er­folg­rei­chem Fuß­ball.“Der Li­ga-16. er­war­tet „fuß­bal­le­risch wahr­schein­lich kein to­ta­les Feu­er­werk, sie wer­den uns nicht ins Pres­sing kom­men las­sen und viel mit lan­gen Bäl­len agie­ren“. Um ge­gen die Mann­schaft des Ex-Stutt­gar­ter-Ki­ckers-Trai­ners Dirk Schus­ter zu ge­win­nen, setzt Zor­ni­ger auf die Rück­keh­rer Se­rey Dié und Chris­ti­an Gent­ner. Ver­zich­ten muss er ne­ben den schon län­ger ver­letz­ten Da­ni­el Ginc­zek, Rob­bie Kru­se, Fi­lip Kostic und Lu­kas Rupp (Hand­bruch) auch auf Ge­org Nie­der­mei­er (Rü­cken­pro­ble­me). Rupp und Kostic könn­ten dem VfB am 7. No­vem­ber ge­gen den FC Bay­ern wie­der zur Ver­fü­gung ste­hen. (sz/dpa)

FOTO: DPA

Vom Tri­bü­nen­gast zum Füh­rungs­spie­ler: Kon­stan­tin Rausch hat in Darm­stadt Er­folg.

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