Hal­lo­ween – ein biss­chen Gru­sel darf schon sein

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENSCHEN -

Hal­lo­ween ist wie so vie­les an­de­re ein gro­ßes Ge­schäft. Na und? Nie­mand zwingt uns mit­zu­ma­chen. Grau­en­haf­te Gum­mi­mas­ken, grin­sen­de Kür­bis­frat­zen, gru­se­li­ge Ge­spens­ter­par­tys und Sü­ßig­kei­ten for­dern­de Kin­der be­deu­ten noch lan­ge nicht den Un­ter­gang des eu­ro­päi­schen Abend­lan­des. Un­ser Brauch­tum und un­se­re Tra­di­tio­nen exis­tie­ren doch im­mer noch, ob­wohl Ja­ne Fon­da Turn­va­ter Jahn ab­ge­löst hat, die Rol­ling Sto­nes Pe­ter Kraus über­roll­ten, „Dal­las“der „Lin­den­stra­ße“Kon­kur­renz mach­te und jetzt eben Kür­bis­se statt Rü­ben­geis­ter im Fens­ter ste­hen.

Wer al­les so­fort als Werk des Teu­fels ver­dammt, was ver­meint­lich über den gro­ßen Teich schwappt, darf in die­sem Fal­le ge­trost als Spaß­brem­se be­zeich­net wer­den. Was ist denn schon da­bei, sich ein ent­stel­len­des Gru­sel­ge­sicht auf­zu­ma­len, Kin­dern auch noch beim fünf­ten Klin­geln an der Haus­tü­re et­was Sü­ßes in den Sack zu wer­fen statt Sau­res zu kas­sie­ren, und die Nacht auf Al­ler­hei­li­gen duch­zu­fei­ern? Das hin­dert doch kei­nen dar­an, am nächs­ten oder über­nächs­ten Tag nach al­ter Vä­ter Sit­te auf den Fried­hof zu spa­zie­ren und dort der lie­ben Ver­stor­be­nen zu ge­den­ken.

Ach ja, üb­ri­gens: Hal­lo­ween stammt gar nicht aus den USA, son­dern ist viel­mehr ein al­ter iri­scher Brauch. Und Ir­land ge­hört be­kannt­lich zur EU. Al­les al­so nur halb so schlimm.

Von Si­mo­ne Hae­fe­le

s.hae­fe­le@schwa­ebi­sche.de

Mit ih­ren Mas­ken, Um­hän­gen und Ge­sän­gen bringt mich kei­ne der Hal­lo­ween-Gestal­ten, die jetzt durch die Stra­ßen ti­gern, zum Gru­seln. Ge­spens­ter, He­xen und Un­to­te auf der Jagd nach Spaß und Sü­ßig­kei­ten fin­de ich ein­fach nur merk­wür­dig. Sol­len sie doch blei­ben, wo der Kür­bis wächst.

Hal­lo­ween füllt – wie prak­tisch für die Pro­du­zen­ten ein­schlä­gi­ger Ko­s­tü­me – vor­treff­lich ei­ne Lü­cke. Auf den glei­chen Ma­schi­nen wer­den ver­mut­lich Ni­ko­laus-, Weih­nachts­mann- und Fas­nets-Tex­ti­li­en ge­fer­tigt. Was liegt da nä­her, als vor der Weih­nachts­sai­son schnell ei­nen Markt für Kut­ten zu schaf­fen? Und die Kür­bis­bau­ern ern­ten, um zu kas­sie­ren.

Nein: Mit ei­nem ech­ten Brauch hat der aus Ame­ri­ka ein­ge­schlepp­te Hal­lo­ween-Wahn we­nig zu tun. Eher mit Lan­ge­wei­le, der Un­fä­hig­keit und der Un­lust, sich mit den The­men des en­den­den Ok­to­bers und be­gin­nen­den No­vem­bers zu be­fas­sen: Das Re­for­ma­ti­ons­fest am 31. Ok­to­ber, Al­ler­hei­li­gen am 1. No­vem­ber und Al­ler­see­len am 2. No­vem­ber sind ja auch sper­rig, trau­rig und lei­se.

Wer die stil­le Jah­res­zeit ernst neh­men will, soll­te sich der Hal­lo­ween-Wel­le al­so ent­zie­hen und nicht mit­ma­chen. Zwar ge­hen die Kir­chen zu­neh­mend prag­ma­tisch und krea­tiv mit Hal­lo­ween um. Doch tä­ten sie bes­ser dar­an, ih­re Kern­the­men von Tod und Au­fer­ste­hung an die­sen Ta­gen stär­ker in den Vor­der­grund zu rü­cken.

Von Lud­ger Möl­lers

l.mo­el­lers@schwa­ebi­sche.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.