Agent und Gen­tle­man

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MENSCHEN -

Ge­stat­ten Bond, Ja­mes Bond. Der Mann trägt ei­nen Maß­an­zug und trinkt sei­nen Mar­ti­ni ge­rührt, nicht ge­schüt­telt. In der rech­ten Hand hält er ei­ne noch qual­men­de Pis­to­le und den lin­ken Arm hat er um die Tail­le ei­ner schö­nen Frau ge­schlun­gen. So kennt und liebt ihn das Ki­no­pu­bli­kum seit 1962: den bri­ti­schen Ge­heim­agen­ten mit der Num­mer 007, mit der Li­zenz zum Tö­ten al­so. Sein geis­ti­ger Va­ter, der Au­tor Ian Fle­ming, be­schrieb ihn in sei­nen Thril­lern als knall­har­ten Pro­fi mit tra­gi­scher Ver­gan­gen­heit. Als Bond elf Jah­re alt war, ver­un­glück­ten sei­ne El­tern bei ei­ner Berg­tour in der Nä­he von Cha­mo­nix. Als Wai­se auf­ge­wach­sen und in Eli­te-Schu­len aus­ge­bil­det, trat er als jun­ger Mann dem Ge­heim­dienst bei. Schnell ent­wi­ckel­te sich Bond zu ei­ner ef­fek­ti­ven Waf­fe. Ver­fol­ger oder An­grei­fer zu tö­ten, macht ihm nichts aus. Mäch­ti­ge Geg­ner lockt er durch ge­ziel­te Pro­vo­ka­ti­on aus der Re­ser­ve. Gleich­zei­tig ver­steht er es zu le­ben und tritt welt­män­nisch auf. Zu Bond ge­hö­ren Ka­vi­ar, Smo­king, Cock­tails, Spiel-Ca­si­nos und ras­si­ge Sport­wa­gen, und um ei­ne tro­cke­ne Be­mer­kung ist er nie ver­le­gen. Sei­ne größ­te Schwä­che sind Frau­en. Bond er­obert sie mü­he­los, ent­wi­ckelt für man­che ei­nen rit­ter­li­chen Be­schüt­zer­in­stinkt. Fein­de, die das wis­sen, be­nut­zen das ge­gen ihn. Zu den schlimms­ten Er­eig­nis­sen in Bonds Le­bens ge­hört der Tod sei­ner Frau Tra­cy, kurz nach­dem er sie ge­hei­ra­tet hat­te. Die Geg­ner Bonds wech­sel­ten wäh­rend der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te. In den 1950er-Jah­ren trat er ge­gen den so­wje­ti­schen Ge­heim­dienst an, in den Fil­men der spä­ten 1970er ge­gen Mil­li­ar­dä­re mit Welt­ver­nich­tungs­plä­nen, 1989 ge­gen ei­nen bru­ta­len Dro­gen-Ba­ron und 1997 ge­gen ei­nen skru­pel­lo­sen Me­di­en-Ty­coon. In sei­nem 24. Ki­no­aben­teu­er trifft 007 nun auf das Ter­ror-Netz­werk SPECT­RE.

Eric Zerm Eric Zerm ist Jour­na­list und ver­öff­fent­lich­te jetzt das Buch „Der Spi­on, den wir lie­ben – Ein Agent im Wan­del der Zeit“(ISBN 978-3-941864-94-8).

ILLUSTRATION: EI­LEEN ST­EIN­BACH

All­zeit schuss­be­reit: Ja­mes Bond.

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