Ein „Schwä­bisch ist nied­li­cher Dia­lekt“

Te­cle­brhan Ya­nar will bei Ted­dy Co­me­di­an Kaya neh­men Mun­d­art-Nach­hil­fe

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - SZENE AM WOCHENENDE -

Fin­den se­xy? Schwä­bisch ist ein nied­li­cher Dia­lekt. Ich den­ke bei Dia­lek­ten nicht in der Ka­te­go­rie se­xy oder un­se­xy. Viel­mehr, ob es sich schön an­hört oder nicht. Beim Schwä­bi­schen muss ich im­mer schmun­zeln, wenn ich es hö­re. Das ist schön.

Sie

Schwä­bisch Ih­re ak­tu­el­le Show trägt den Ti­tel „Around the World“. Wie welt­of­fen sind Sie wirk­lich? Bis zum Kul­tur­schock. Ich ha­be oft Fern­weh und bin ein klei­ner Va­ga­bund. Da ich selbst ein Ein­wan­de­rer­kind bin, ha­be ich die Wur­zel­lo­sig­keit als Stär­ke ent­deckt. Na­tür­lich gibt es ge­wis­se Kul­tu­ren und Län­der, wie Chi­na und In­di­en, die auch für mich ei­ne Her­aus­for­de­rung sind. Die schie­re Mas­se an Men­schen er­schlägt mich. Wie schät­zen Sie als Sohn ei­nes tür­kisch-ara­bi­schen Mi­gran­ten­paa­res die ak­tu­el­le La­ge der Flücht­lin­ge ein? Mei­ne El­tern wa­ren nicht po­li­tisch oder re­li­gi­ös ver­folgt. Mein Va­ter hat ein neu­es Le­ben mit mehr Mög­lich­kei­ten ge­sucht, des­halb war das da­mals nicht so dra­ma­tisch wie heu­te. Ich bin dank­bar, wie ich auf­ge­nom­men wur­de, und heu­te ein star­ker Be­für­wor­ter der Flücht­lings­auf­nah­me. Von mei­ner mensch­li­chen Sei­te wür­de ich die Gren­zen und Tü­ren nie ver­schlie­ßen, weil ich mich gut in die La­ge der Men­schen hin­ein­ver­set­zen kann. Für mich ist das aber ei­ne po­li­ti­sche An­ge­le­gen­heit. Die EU hat in den letz­ten Jah­ren zu viel Zeit mit Fi­nanz­kri­sen und Grie­chen­land­hil­fen ver­bracht und die Flücht­lings­si­tua­ti­on un­ter­schätzt. Wo ist für Sie das schöns­te Fleck­chen Er­de? Fast 15 Jah­re lang ha­be ich al­les Geld für Rei­sen raus­ge­hau­en und so vie­le schö­ne Fle­cken ent­deckt. Die Er­fah­run­gen ha­ben mich ge­prägt. Trotz­dem ist für mich das schöns­te Fleck­chen dort, wo mei­ne Freun­din ist. Das hört sich platt an, aber ich war sie­ben Jah­re Sing­le und noch nie in ei­ner rich­tig tie­fen Be­zie­hung. Des­halb ist die Be­zie­hung die Er­fül­lung für mich. Da, wo das Frau­chen ist, füh­le ich mich pu­del­wohl. Oh­ne wel­che drei Din­ge ge­hen Sie nicht auf Rei­sen? Ohr­stöp­sel, weil die Welt da drau­ßen so laut ist. Mein Smart­pho­ne na­tür­lich – oh­ne geht nichts mehr. Ich fra­ge mich, wie das al­les oh­ne je­mals funk­tio­niert hat. Das Rei­sen hat sich da­durch ra­di­kal ver­ein­facht. Und na­tür­lich nicht mehr oh­ne mei­ne Freun­din. Wann ha­ben Sie ei­gent­lich ge­merkt, dass Sie be­son­ders lus­tig sind? Das war ein lan­ger Pro­zess. Als ich zwölf Jah­re alt war, ha­be ich mei­nem Kum­pel von mei­nem sehr stren­gen Va­ter er­zählt, in­dem ich mei­nen Va­ter nach­ge­spielt ha­be. Mein Kum­pel hat sich weg­ge­lacht. Ich hab das nicht ver­stan­den, weil ich ei­gent­lich Ver­ständ­nis und Mit­leid woll­te. Er fand das nur lus­tig, wie pass­ge­nau ich ihn imi­tiert ha­be. An­fang zwan­zig hat sich das dann stär­ker aus­ge­prägt, und es war ein­fach für mich, Leu­te zum La­chen zu brin­gen. Wel­che The­men sind auf der Büh­ne ta­bu? Re­li­giö­se The­men sind ein Mi­nen­feld. Da gibt es vie­le Leu­te, die schnell ver­letzt wer­den kön­nen. Po­li­tik las­se ich zwar ein we­nig mit ein­flie­ßen, wo­bei es schwie­rig ist, po­li­tisch et­was zu be­we­gen. Al­les, was ich sa­ge, hat kei­ne gro­ße Aus­wir­kung. Am meis­ten in­ter­es­siert mich der All­tag. Wel­chen Ko­mi­ker fin­den Sie denn ei­gent­lich ko­misch? Ted­dy Te­cle­brhan fin­de ich klas­se, auch pri­vat. Bü­lent Cey­lan ist ein su­per En­ter­tai­ner und Paul Pan­zer ein ge­nia­ler Vo­gel. Es gibt wirk­lich ge­nü­gend Co­me­di­ans, die ich fan­tas­tisch fin­de. Sie sind be­kannt als Ve­ga­ner. Ner­ven Sie Sprü­che wie: Ve­ga­ner es­sen mei­nem Es­sen das Es­sen weg? Nein, über­haupt nicht. Aber ich schaf­fe es lei­der auch nicht im­mer, mich ve­gan zu er­näh­ren. Auf Tour oder bei mei­ner Mut­ter in der Tür­kei ist es schon schwie­rig, ve­ge­ta­ri­sches Es­sen zu be­kom­men. Grund­sätz­lich hat je­der sei­nen ei­ge­nen Kör­per und sei­ne ei­ge­ne Ethik. Am En­de des Le­bens, wenn man Gott ge­gen­über­steht, muss man sel­ber schau­en, wie man zu­ran­de kommt. Und vi­el­leicht ist es Gott ja wich­tig, dass man die Tie­re in Ru­he ge­las­sen hat. Spä­tes­tens dann ha­be ich ein­fach ein Ass im Är­mel. Bei ei­nem Ko­mi­ker scheint al­les im­mer nur lus­tig zu sein. Was macht sie trau­rig? Tra­gö­di­en, Krank­hei­ten, Un­fäl­le, Schick­sals­schlä­ge, Tod. Als Mensch fühlt man sich fra­gil, klein und macht­los ge­gen­über dem Schick­sal. Als un­se­re Kat­ze vor zwei Jah­ren über­fah­ren wur­de, wa­ren wir am Bo­den zer­stört. Auch ein Ko­mi­ker kann sehr trau­rig sein. Live: 6.11. Neu-Ulm, Ra­tio­phar­mA­re­na; 8.11. Ra­vens­burg, Ober­schwa­ben­hal­le; 14.11. Freiburg, Rot­haus-Are­na. Kar­ten sind bei Süd­fin­der Ti­cket un­ter Te­le­fon 0751/29555777 er­hält­lich.

FOTO: NA­DI­NE DIL­LY

ha­be ich al­les Geld „Fast 15 Jah­re lang

sagt Co­me­di­an raus­ge­hau­en“, für Rei­sen Kaya Ya­nar.

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