Raz­zia bei Stutt­gar­ter Is­la­mis­ten

Ra­di­ka­ler Mo­schee­ver­ein ver­bo­ten – Sze­ne im gan­zen Land ak­tiv

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIR IM SÜDEN - Von Tat­ja­na Bo­jic

STUTTGART (lsw) - Die is­la­mis­ti­sche Sze­ne im ru­hi­gen Stutt­gar­ter Stadt­teil Bot­nang wur­de lan­ge durch den Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­tet, vor neun Mo­na­ten schon gab es ei­ne Raz­zia. Am Don­ners­tag in der Früh fuh­ren rund 50 be­waff­ne­te Be­reit­schafts­po­li­zis­ten auf das Ge­län­de ei­ner dor­ti­gen Mo­schee. Ziel: Durch­su­chung und Be­schlag­nah­me von Räu­men des Ver­eins Is­la­mi­sches Kul­tur- und Bil­dungs­zen­trumMes­dschid Sa­ha­be. Zeit­gleich wur­de den Ver­eins­vor­stän­den im Land­kreis Ess­lin­gen die Ver­bots­ver­fü­gung des In­nen­mi­nis­te­ri­ums über­reicht. Es ist nach Aus­kunft des Mi­nis­te­ri­ums das ers­te Mal, dass ein Mo­schee­ver­ein im Süd­wes­ten ver­bo­ten wur­de.

Die Ak­ti­on war der vor­erst letz­te Akt um die als is­la­mis­tisch ein­ge­stuf­te Stutt­gar­ter Be­geg­nungs­stät­te von ra­di­ka­len Pre­di­gern und ge­walt­be­rei­ten Be­su­chern vor al­lem aus Bos­ni­en. Der Ver­ein war nach Ein­schät­zung von Si­cher­heits­be­hör­den Treff­punkt von Is­la­mis­ten aus ganz Ba­den-Würt­tem­berg. „Die Sze­ne ist ins­ge­samt sehr mo­bil“, sagt ein Spre­cher des Lan­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz. Ob­gleich es in Ba­denWürt­tem­berg kei­ne so­ge­nann­ten Hots­pots ra­di­ka­ler Is­la­mis­ten gibt – wie et­wa im nord­rhein-west­fä­li­schen Wup­per­tal oder in Bre­men – sind die Ge­heim­diens­te auf der Hut. „Letzt­lich sind Is­la­mis­ten übe­r­all zu fin­den, auch auf dem Land.“ Ulm war lan­ge Hoch­burg Lan­ge Zeit galt in Ba­den-Würt­tem­berg Ulm als Is­la­mis­ten­hoch­burg. Vie­le nam­haf­te Dschi­ha­dis­ten ga­ben sich im da­ma­li­gen Is­la­mi­schen In­for­ma­ti­ons­zen­trum (IIZ) die Klin­ke in die Hand. So war et­wa Reda Seyam, der ver­däch­tigt wird, als Hin­ter­mann an den Spreng­stoff­an­schlä­gen von Ba­li im Jahr 2002 be­tei­ligt ge­we­sen zu sein, wohl nur nach Ulm ge­kom­men, weil dort Freun­de von ihm wa­ren.

Da­ne­ben sorg­te für Ulms un­rühm­li­che Be­kannt­heit auch der is­la­mi­sche Dem­ago­ge Yehia You­sif, der zeit­wei­se in Ulm ver­kehr­te und des- sen Sohn in ei­nem Ter­ror­camp aus­ge­bil­det wor­den sein soll. Und auch Osa­ma bin La­dens Fi­nanz­chef, Mamduh Mahmud Salim, war in Ulm. Zu­dem ha­be der Mit­be­grün­der des IIZ, Tho­mas Ham­za Fi­scher, Ulm in die Öf­fent­lich­keit ge­bracht. Der Kon­ver­tit starb bei Kämp­fen in Tsche­tsche­ni­en. Auch die drei Bom­ben­bau­er der so­ge­nann­ten Sau­er­land-Zel­le hat­ten Ver­bin­dun­gen nach Ulm. Das IIZ lös­te sich 2007 selbst auf und kam so ei­nem Ver­bot zu­vor. Im baye­ri­schen Neu-Ulm wa­ren Is­la­mis­ten eben­falls ak­tiv, im De­zem­ber 2005 wur­de dort das „Mul­ti­kul­tur­haus“ver­bo­ten. Sze­ne heu­te in Pforz­heim stark In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­wi­ckel­ten sich je­doch un­ter an­de­rem Stuttgart und Pforz­heim im­mer stär­ker zu ei­nem Treff­punkt der sala­fis­ti­schen Sze­ne im Süd­wes­ten. In Pforz-

FOTO: DPA

Po­li­zis­ten ha­ben am Don­ners­tag den Ver­ein Mes­dschid Sa­ha­be durch­sucht. In­nen­mi­nis­ter Rein­hold Gall ( SPD) hat­te den is­la­mis­ti­schen Mo­schee­ver­ein zu­vor ver­bo­ten.

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