Pu­tin teilt wei­ter ge­gen die Tür­kei aus

Lo­ben­de Wor­te des Kreml­chefs für die Be­mü­hun­gen der USA

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - NACHRICHTEN & HINTERGRUND - Von Klaus-Hel­ge Do­nath und dpa

MOS­KAU - Be­we­gung im Sy­ri­enKon­flikt, aber Fort­set­zung der Eis­zeit mit der Tür­kei: Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin hat bei sei­ner gro­ßen Jah­res­pres­se­kon­fe­renz in Mos­kau am Don­ners­tag Ein­bli­cke in die au­ßen­po­li­ti­schen Prio­ri­tä­ten sei­nes Lan­des ge­ge­ben. Mos­kau un­ter­stützt ei­nen US-Ent­wurf für ei­ne sy­ri­sche UN-Re­so­lu­ti­on. „Wa­shing­ton hat ei­nen an­nehm­ba­ren Vor­schlag ge­macht, auch wenn an man­chen Punk­ten noch ge­ar­bei­tet wer­den muss“, sag­te Pu­tin. Der Ton in Rich­tung Tür­kei bleibt al­ler­dings fros­tig. Kür­ze­res Tref­fen Der Kreml­chef fass­te sich bei dem Me­dien­tref­fen re­la­tiv kurz: Mit drei St­un­den und neun Mi­nu­ten Re­de­ma­ra­thon vor 1400 Jour­na­lis­ten un­ter­schritt Pu­tin die frü­he­ren Ver­an­stal­tun­gen um fast ei­ne St­un­de. Er war gu­ter Lau­ne, ge­le­gent­lich bis­sig, oh­ne je­doch rich­tig zu­zu­bei­ßen.

Zu Be­ginn der Pres­se­kon­fe­renz sag­te der Kreml­chef, der „Hö­he­punkt der Wirt­schafts­kri­se“in Russ­land sei über­schrit­ten. 2016 rech­net Mos­kau wie­der mit ei­nem Wachs­tum von 0,7 Pro­zent, im Jahr dar­auf gar mit plus 1,9 Pro­zent. Pu­tin mal­te zwar kein über­aus ro­si­ges Zu­kunfts­bild, be­un­ru­hig­te die Bür­ger aber auch nicht mit Schre­ckens­mel­dun­gen. Selbst aus­län­di­sche In­ves­to­ren sol­len an Russ­land wie­der In­ter­es­se be­kom­men, mein­te der Staats­chef.

Sy­ri­en und die Tür­kei do­mi­nier­ten den au­ßen­po­li­ti­schen Teil. Auf­fal­lend ver­söhn­lich ging der Kreml­chef auf die Be­mü­hun­gen der USA für ei­ne neue UN-Lö­sung ein. Russ­land ak­zep­tie­re im Gro­ßen und Gan­zen den Re­so­lu­ti­ons­ent­wurf zu Sy­ri­en, den US-Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry bei sei­nem jüngs­ten Be­such in Mos­kau im Ge­päck hat­te. Bei der For­mu­lie­rung des ge­mein­sa­men Ziels, der Be­kämp­fung des Is­la­mi- schen Staa­tes, ist man sich of­fen­sicht­lich nä­her ge­kom­men.

Die USA spre­chen mit Russ­land auf Au­gen­hö­he, dem Prä­si­den­ten war die Ge­nug­tu­ung dar­über an­zu­se­hen. Wäh­rend rus­si­sche Mi­li­tärs Stel­lun­gen in Sy­ri­en aus­bau­en, stell­te Pu­tin die west­li­chen An­nah­men in­fra­ge: „Brau­chen wir in Sy­ri­en ei­nen Mi­li­tär­stütz­punkt?“Er sei sich des­sen nicht si­cher. Russ­land kön­ne auch oh­ne ei­ne Rück­zugs­ba­sis an­grei­fen, wen es wol­le, ko­ket­tier­te der Ober­kom­man­die­ren­de.

Da­ge­gen ist das Ver­hält­nis zur Tür­kei zer­rüt­tet und wird wohl auch so blei­ben. Nach dem Ab­schuss ei­nes rus­si­schen Jets im No­vem­ber im tür­kisch-sy­ri­schen Luf­t­raum ha­be er „kei­ne Hoff­nun­gen“, dass sich die Be­zie­hun­gen ver­bes­sern könn­ten, mein­te Pu­tin. Ei­ne Ver­söh­nung mit Prä­si­dent Er­do­gan scheint aus­ge­schlos­sen. Für Ge­läch­ter im Saal sorg­te der Prä­si­dent mit dem flap­si­gen Satz, je­mand in der tür­ki­schen Füh­rung woll­te of­fen­sicht­lich den Ame­ri­ka­nern mit dem Ab­schuss in ei­ne „be­stimm­te Stel­le krie­chen“. Rei­se­ver­bot bleibt Auf Fra­gen, ob al­le wirt­schaft­li­chen Kon­tak­te zur Tür­kei ab­ge­bro­chen wer­den müss­ten, ant­wor­te­te Pu­tin aus­wei­chend. Zwar for­der­te er die Be­hör­den auf, Ra­che­ak­te an tür­ki­schen Bür­gern nicht zu­zu­las­sen. Das fak­ti­sche Rei­se­ver­bot für die Tou­ris­mus­bran­che tas­te­te er aber nicht an. Die Be­dro­hung durch Ter­ror sei un­ter Er­do­gan ge­wach­sen, be­grün­de­te der Kreml­chef sei­ne Ent­schei­dung.

Auch an der Ukrai­ne ließ Pu­tin kein gu­tes Haar. Den­noch räum­te er ein, dass Russ­land in der Ost­ukrai­ne mit ei­ge­nem Per­so­nal „im mi­li­tä­ri­schen Be­reich“ak­tiv ge­we­sen sei. „Wir ha­ben nie ge­sagt, dass kei­ne Leu­te dort sei­en, die be­stimm­te Auf­ga­ben aus­üb­ten, ein­schließ­lich im mi­li­tä­ri­schen Be­reich“, er­klär­te der Prä­si­dent.

FOTO: DPA

Nur ge­le­gent­lich bis­sig: Pu­tin beim gro­ßen Me­dien­tref­fen.

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