Groß­mäch­te ver­han­deln über Sy­ri­en

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - MEINUNG & DIALOG - Von Chris­ti­na Hors­ten und Jan Kuhl­mann (Istanbul)

ach fast fünf Jah­ren Blut­ver­gie­ßen in Sy­ri­en soll jetzt al­les ganz schnell ge­hen. Für Ja­nu­ar sind neue Ge­sprä­che zwi­schen dem sy­ri­schen Re­gime und sei­nen Geg­nern ge­plant. In­ner­halb von sechs Mo­na­ten soll ei­ne Über­gangs­re­gie­rung ste­hen, nach 18 Mo­na­ten ei­ne freie Wahl fol­gen.

So je­den­falls sieht es der ehr­gei­zi­ge Fahr­plan vor, den die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft in Wi­en aus­ge­han­delt hat. Doch vie­len Be­ob­ach­tern er­scheint der Zeit­rah­men vor dem nächs­ten Sy­ri­en-Spit­zen­tref­fen am heu­ti­gen Frei­tag in New York uto­pisch.

Mög­lich war der Kom­pro­miss zwi­schen den un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen der be­tei­lig­ten Staa­ten in Wi­en über­haupt nur, weil die Haupt­fra­ge zu­nächst aus­ge­klam­mert wur­de: Was pas­siert mit Sy­ri­ens Macht­ha­ber Ba­schar al-As­sad? In New York wird es dar­auf noch kei­ne Ant­wort ge­ben – in den nächs­ten Wo­chen aber wird sie im Zen­trum ste­hen.

Mit Russ­land und Iran hat der Macht­ha­ber in Da­mas­kus zwei mäch­ti­ge Ver­bün­de­te, die nicht nur sei­nen Ab­tritt ab­leh­nen, son­dern ihn auch mas­siv mit Luft­an­grif­fen und Kämp­fern am Bo­den un­ter­stüt­zen. Sie be­fürch­ten, durch As­sads Sturz in Sy­ri­en an Ein­fluss zu ver­lie­ren. Zu­gleich war­nen sie, ein Zu­sam­men­bruch des an­ge­schla­ge­nen Re­gimes und sei­ner Si­cher­heits­kräf­te könn­te da­zu füh­ren, dass die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) noch grö­ße­re Ge­bie­te ein­nimmt.

Doch für die Re­gime­geg­ner kommt ei­ne Lö­sung mit As­sad wei­ter­hin nicht in­fra­ge. Erst­mals sa­ßen vor kur­zem in der sau­di­schen Haupt­stadt Ri­ad gro­ße Tei­le der zer­split­ter­ten Op­po­si­ti­on zu­sam­men, um die Rei­hen zu schlie­ßen. Auch wenn das noch nicht ganz ge­lun­gen ist, konn­ten sich die Op­po­si­tio­nel­len auf ei­nen wich­ti­gen Punkt ei­ni­gen: As­sad muss mit dem Be­ginn ei­ner Über­gangs­pe­ri­ode ab­tre­ten.

Mos­kau lässt of­fen, ob Chef­di­plo­mat Ser­gej La­w­row zu dem Tref­fen nach New York reist. Es wirkt, als woll­ten Pu­tin und sein Au­ßen­mi­nis- ter mit ei­ner Hin­hal­te­tak­tik den Ein­satz er­hö­hen. Mit der UN-Re­so­lu­ti­on dürf­te es Russ­land-Be­ob­ach­tern zu­fol­ge auch dar­um ge­hen, ei­nen Sturz As­sads durch ei­ne In­ter­ven­ti­on des Wes­tens zu ver­hin­dern. Für die USA näm­lich ist klar: „As­sad hat in Sy­ri­en künf­tig kei­nen Platz.“

Der UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ban Ki­moon dringt als Gast­ge­ber des Tref­fens im Haupt­quar­tier der Ver­ein­ten Na­tio­nen auf ein Er­geb­nis. Der Sy­ri­en-Kon­flikt sei ei­ne „of­fe­ne Wun­de im Na­hen Os­ten und der gan­zen Welt“, sag­te er am Mitt­woch vor Jour­na­lis­ten. Ban liegt viel an ei­nem En­de des Sy­ri­en-Kon­flikts, auch weil ein sol­cher Er­folg sein ei­ge­nes Image po­si­tiv prä­gen wür­de, be­vor 2016 sei­ne Amts­zeit aus­läuft. (dpa)

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