Schar­fe Kri­tik an Rüs­tungs­ex­por­ten nach Sau­di-Ara­bi­en

Kir­chen und Wis­sen­schaft­ler for­dern ei­nen Ex­port­stopp und här­te­re Ge­set­ze

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Tan­ja Tri­ca­ri­co

BER­LIN - Deut­sche Rüs­tungs­ex­por­te in Staa­ten, die für Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ver­ant­wort­lich sind, ste­hen er­neut in der Kri­tik. Fast die Hälf­te al­ler Waf­fen­aus­fuh­ren gin­gen an Dritt­staa­ten, al­so Län­der, die we­der der Na­to noch gleich­ge­stell­ten Staa­ten an­ge­hö­ren, heißt es im ak­tu­el­len Rüs­tungs­ex­port­be­richt der Ge­mein­sa­men Kon­fe­renz Kir­che und Ent­wick­lung (GKKE). „Ein be­son­ders pro­ble­ma­ti­sches Emp­fän­ger­land ist Sau­di-Ara­bi­en“, sag­te der ka­tho­li­sche GKKE-Vor­sit­zen­de, Karl Jüs­ten. „Man­che se­hen in dem Golf­staat ei­nen stra­te­gi­schen Part­ner. Die Men­schen­rechts­pra­xis die­ses

AN­ZEI­GE Lan­des ist aber ab­grün­dig.“Das sau­di­sche Kö­nigs­haus sor­ge nicht für ei­ne Sta­bi­li­sie­rung der Re­gi­on. Zu­dem wer­fe die Be­zie­hung zu den Sala­fis­ten und de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen vie­le Fra­gen auf.

Jüs­ten kri­ti­sier­te, dass die Bun­des­re­gie­rung in die­sem Jahr Rüs­tungs­ex­por­te im Wert von weit über 100 Mil­lio­nen Eu­ro al­lein nach Sau­di-Ara­bi­en ge­neh­migt hat­te. „Die Vor­stel­lung, dass deut­sche Waf­fen über den Golf­staat an Sala­fis­ten und ter­ro­ris­ti­sche Grup­pen in Nord­afri­ka, Ni­ge­ria und Ma­li ge­lan­gen könn­ten, fin­de ich em­pö­rend.“Er for­der­te ein ge­setz­lich ver­an­ker­tes Wi­der­rufs­recht, um be­reits ge­neh­mig­te Ge­schäf­te wie­der rück­gän­gig zu ma- chen. An­ga­ben des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums zu­fol­ge wur­den 2014 Ge­neh­mi­gun­gen für Sam­me­lund Ein­zel­aus­fuh­ren im Wert von 6,52 Mil­li­ar­den Eu­ro er­teilt. Neue Märk­te in Schwel­len­län­dern Al­ler­dings sind sich auch die Kir­chen­ver­tre­ter und die Wis­sen­schaft­ler dar­über be­wusst, dass der Ex­port von Rüs­tungs­gü­tern in die Dritt­staa­ten ei­ne der wich­tigs­ten Ein­nah­me­quel­len der Waf­fen­fir­men ist. „An­ge­sichts sin­ken­der Ver­tei­di­gungs­haus­hal­te und sin­ken­der Be­schaf­fungs­aus­ga­ben in Eu­ro­pa set­zen vie­le Un­ter­neh­men auf das Po­ten­zi­al neu­er Märk­te ins­be­son­de­re in Schwel­len­län­dern“, sag­te Jüs­ten. „Sie dro- hen so in ei­ne Ex­port­ab­hän­gig­keit zu fal­len.“

Be­sorgt zeig­ten sich die Ver­tre­ter der bei­den gro­ßen Kir­chen so­wie die Wis­sen­schaft­ler über neue Waf­fen­lie­fe­run­gen an kur­di­sche Pe­schmer­ga im Nord­irak. „Das Ta­bu, Waf­fen an Par­tei­en zu lie­fern, die sich in ei­nem Ge­walt­kon­flikt be­fin­den, wur­de ge­bro­chen“, sag­te Max Mutsch­ler vom In­ter­na­tio­na­len Kon­ver­si­ons­zen­trum Bonn. Vor ei­nem Jahr hat­te die Bun­des­re­gie­rung be­schlos­sen, die Pe­schmer­ga mit Waf­fen zu un­ter­stüt­zen und sie aus­zu­bil­den. Ziel war es die Grup­pe der Je­si­den zu schüt­zen. Die­se re­li­giö­se Min­der­heit wird in der Re­gi­on von IS-An­hän­gern be­droht und ge­tö­tet.

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