Vor­tei­le für Eu­ro­pa durch US-Zins­er­hö­hung

Der Kurs des Dol­lar im Ver­hält­nis zum Eu­ro könn­te stei­gen – Hie­si­ge Un­ter­neh­men und Ar­beit­neh­mer pro­fi­tie­ren

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Han­nes Koch

BER­LIN - Für Eu­ro­pa und Deutsch­land könn­te die Er­hö­hung des USLeit­zin­ses leicht po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen ha­ben. „Hie­si­ge Un­ter­neh­men wer­den da­durch kon­kur­renz­fä­hi­ger“, sag­te Gus­tav Horn, Di­rek­tor des In­sti­tuts für Ma­kro­öko­no­mie in Düsseldorf. Die Ex­por­te aus Deutsch­land in den Dol­lar-Raum könn­ten da­mit stei­gen, wo­durch auch die ein­hei­mi­schen Ar­beit­neh­mer pro­fi­tie­ren.

Am Mitt­woch­abend be­schloss die US-No­ten­bank Fe­deral Re­ser­ve, erst­mal seit fast zehn Jah­ren ih­ren Leit­zins an­zu­he­ben. Ban­ken müs­sen künf­tig ei­nen leicht hö­he­ren Zins von 0,25 bis 0,5 Pro­zent ent­rich­ten, wenn sie Ka­pi­tal bei der Zen­tral­bank lei­hen. Da­mit will die Fed die Geld­ver­sor­gung der Wirt­schaft ein we­nig ein­schrän­ken und ei­ner mög­li­chen In­fla­ti­on vor­beu­gen. Die Ent­schei­dung wird all­ge­mein als Zei­chen da­für ge­wer­tet, dass die US-Wirt­schaft die gro­ße Fi­nanz­kri­se der Jah­re seit 2007 nun über­wun­den hat. Fed-Che­fin Ja­net Yel­len sag­te, die Ent­schei­dung be­en­de die „au­ßer­ge­wöhn­li­che“Zeit der Null­zin­sen nach der Wirt­schafts- und Fi­nanz­kri­se. Für In­ves­to­ren wird es at­trak­ti­ver We­gen der hö­he­ren Zin­sen wird es für gro­ße In­ves­to­ren et­was at­trak­ti­ver, Ka­pi­tal in den USA an­zu­le­gen. Weil man da­für US-Dol­lar braucht, dürf­te auch die Nach­fra­ge nach der US-Wäh­rung zu­neh­men und ihr Kurs im Ver­hält­nis zum Eu­ro stei­gen. Am Don­ners­tag be­reits rutsch­te der Eu­ro zeit­wei­se auf Wer­te un­ter 1,09 Dol­lar ab.

„Wenn der Dol­lar an­zieht, ist das für Eu­ro­pa ei­ne ten­den­zi­ell gu­te Nach­richt“, sag­te Sascha Stef­fen vom Zen­trum für Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­for­schung in Mann­heim. Denn für Un­ter­neh­men im Eu­ro­raum kann die Kurs­ent­wick­lung ei­nen Vor­teil be­deu­ten: Die Prei­se ih­rer Pro­duk­te in Dol­lar sin­ken. Bei­spiels­wei­se deut­sche Au­tos, So­lar­zel­len oder Ma­schi­nen wer­den in den USA bil­li­ger. Weil da­mit die Nach­fra­ge nach eu­ro­päi­schen Pro­duk­ten an­zie­hen könn­te, ha­ben mit­tel­bar auch die Be­schäf­tig­ten der hie­si­gen Un­ter­neh­men Vor­tei­le. Ih­re Ar­beits­plät­ze sind si­che­rer. Mög­li­cher­wei­se stel­len die Fir­men wei­te­re Be­schäf­tig­te ein. We­gen der so­li­den Nach­fra­ge nach Ar­beits­kräf­ten dürf­te sich vor al­lem in Deutsch­land die Ver­hand­lungs­po­si­ti­on der Ar­beit­neh­mer ver­bes­sern. Den Ge­werk­schaf­ten fällt es dann leich­ter, ih­re Lohn­for­de­run­gen durch­zu­set­zen.

Die meis­ten ein­hei­mi­schen Öko­no­men be­trach­ten die Zins­er­hö­hung in den USA des­halb als Un­ter­stüt­zung für die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung im Eu­ro­raum. Bis­her liegt das Wachs­tum auf dem al­ten Kon­ti­nent er­heb­lich un­ter dem in den USA. Eu­ro­pa steckt noch die Ver­schul­dungs­kri­se in den Kno­chen, die auf die Fi­nanz­kri­se folg­te.

Be­trach­tet man die eu­ro­päi­schen Ar­beit­neh­mer in ih­rer Rol­le als Kon­su­men­ten, so müs­sen sie sich dar­auf ein­stel­len, dass be­stimm­te Prei­se leicht stei­gen. We­gen des stär­ke­ren Dol­lar wer­den bei­spiels­wei­se Rei­sen in die USA teu­rer – eben­so Im­port­pro­duk­te, die aus dem Dol­lar­raum kom­men. Dies gilt et­wa für Smart­pho­nes oder man­che Tex­ti­li­en. Die No­tie­run­gen für Erd­öl wer­den eben­falls et­was nach oben ge­hen, da­mit auch die Ben­zin­prei­se an den hie­si­gen Tank­stel­len. Weil Treib­stoff ge­gen­wär­tig aber sehr bil­lig ist – ein Li­ter Su­per kos­tet bei­spiels­wei­se nur 1,30 Eu­ro – hält Öko­nom Horn die Ent­wick­lung für „nicht dra­ma­tisch. Gro­ßer Scha­den ist nicht zu er­war­ten, die In­fla­ti­on liegt au­gen­blick­lich ja sehr nied­rig.“

We­gen der im eu­ro­päi­schen Durch­schnitt mau­en Kon­junk­tur neh­men die meis­ten Öko­no­men an, dass die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank ih­ren US-Kol­le­gen vor­läu­fig nicht folgt. Im Eu­ro­raum dürf­ten des­halb die Zin­sen noch län­ger nied­rig blei­ben. Das hat Fol­gen für die Bür­ger in ih­rer Rol­le als Spa­rer und Pri­vat­an­le­ger. Auch die hie­si­gen Zin­sen für Bank­gut­ha­ben und Staats­an­lei­hen wer­den nied­rig blei­ben. Das drückt eben­falls auf die Wert­ent­wick­lung der pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge.

Un­ter­neh­mens­ak­ti­en könn­ten da­ge­gen teu­rer wer­den. Eben­so die Prei­se für Ei­gen­tums­woh­nun­gen an at­trak­ti­ven Or­ten, ver­mu­tet ZEWÖ­ko­nom Stef­fen.

FOTO: AFP

Ei­ne „ au­ßer­ge­wöhn­li­che Pe­ri­ode“sei vor­bei, sag­te Fed- Che­fin Ja­net Yel­len. Die Fed mu­tet den Fi­nanz­märk­ten wie­der et­was hö­he­re Zin­sen zu.

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