Kö­nig Kun­de soll die Wen­de brin­gen

Die Bahn steu­ert auf ei­nen Sa­nie­rungs­kurs zu, der zu­nächst ein­mal viel Geld kos­ten wird

Schwaebische Zeitung (Messkirch) - - WIRTSCHAFT - Von Wolf­gang Mul­ke

BER­LIN - Wie an­ge­spannt die Si­tua­ti­on bei der Deut­schen Bahn ge­ra­de ist, zeigt ei­ne klei­ne ver­ba­le Atta­cke im An­schluss an die Ver­kün­di­gung des Sa­nie­rungs­pro­gramms durch Bahn­chef Rü­di­ger Gru­be. „Der Auf­sichts­rat hat uns grü­nes Licht für das Pro­gramm ge­ge­ben“, sag­te der Vor­stands­chef. Von ei­ner „har­mo­ni­schen und kon­struk­ti­ven Sit­zung“, war die Re­de. Das ver­an­lass­te den stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den des Kon­troll­gre­mi­ums, Alex­an­der Kirch­ner von der Ei­sen­bah­ner­ge­werk­schaft EVG, post­wen­dend zu ei­nem Kon­ter. „Das ist so nicht rich­tig“, er­klär­te Kirch­ner. In ei­ner lan­gen und kon­tro­ver­sen Dis­kus­si­on sei viel­mehr deut­lich ge­wor­den, dass es für ver­schie­de­ne Ge­schäfts­fel­der an ei­ner lang­fris­ti­gen Stra­te­gie feh­le. Die­se müs­se der Vor­stand nun nach­lie­fern. Da­mit ist klar, dass Gru­be schwer un­ter Er­folgs­druck ge­ra­ten ist. 2600 Ar­beits­plät­ze ge­fähr­det Mit neu­en Struk­tu­ren, ei­ner straf­fen Or­ga­ni­sa­ti­on und pünkt­li­che­ren Zü­gen will die Bahn die Wen­de ein­läu­ten. Denn in die­sem Jahr steht erst­mals seit mehr als ei­nem Jahr­zehnt ein Mi­nus von mehr als ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro in der Bi­lanz. „Wir räu­men auf“, ver­spricht Gru­be. Da­bei geht es so­wohl um in­ter­ne Ve­rän­de­run­gen, die wohl auch Stel­len kos­ten wer­den. Das wird den Gü­ter­ver­kehr be­tref­fen, der in die­sem Jahr für ei­nen di­cken Ver­lust in der Bi­lanz sorgt. Bis zu 2600 Ar­beits­plät­ze in die­ser Spar­te sei­en ge­fähr­det, sagt Per­so­nal­vor­stand Ulrich We­ber. Das Un­ter­neh­men ver­fügt über bun­des­weit rund 1500 Ver­la­de­stel­len für die Gü­ter. Da­von lie­gen gut 400 mehr oder min­der brach und ste­hen da­mit jetzt zur Dis­po­si­ti­on.

Ein­schnit­te wird es auch bei den Werk­stät­ten ge­ben. Künf­tig sol­len zum Bei­spiel Nah­ver­kehrs­zü­ge ver­stärkt von mo­bi­len Teams vor Ort in­stand ge­hal­ten wer­den. „Da­mit fin­det we­ni­ger Ar­beit in un­se­ren heu­ti­gen Wer­ken statt“, er­läu­tert Tech­nik­Chef Vol­ker Ke­fer. Die Ka­pa­zi­tä­ten wer­den dem­nach an­ge­passt, sprich ab­ge­baut. Ent­las­sen wird bei der Bahn trotz Stel­len­ab­bau in der Re­gel nie­mand. Der Kon­zern be­treibt ei­nen in­ter­nen Ar­beits­markt. Für die be­trof­fe­nen Be­schäf­tig­ten wird dort ei­ne neue Tä­tig­keit in­ner­halb des Un­ter­neh­mens ge­sucht.

Es wird aber nicht nur ge­spart, son­dern auch ge­klotzt. 20 Mil­li­ar­den Eu­ro will Gru­be für In­ves­ti­tio­nen aus­ge­ben, die vor al­lem den Fahr­gäs­ten zu­gu­te kom­men sol­len. „Das ers­te und wich­tigs­te The­ma ist die Pünkt­lich­keit un­se­rer Zü­ge“, ver­si­chert We­ber und star­tet ein Re­chen­spiel. Mehr als 90 Pro­zent der Fahr­gäs­te sol­len ih­re An­schlüs­se pünkt­lich er­rei­chen. Da­zu müs­sen im Fern­ver­kehr 85 Pro­zent der Zü­ge plan­ge­mäß an­kom­men. Der­zeit sind es nur drei von vie­ren. Es sind vie­le klei­ne Maß­nah­men, die für pünkt­li­che­re An­künf­te sor­gen sol­len. Da­zu ge­hö­ren die Früh­er­ken­nung von Feh­lern bei Wei­chen oder je­ne des Dieb­stahls von Me­tal­len auf der Stre­cke. Oder auch Task Forces an zehn gro­ßen Bahn­hö­fen, die ei­ne recht­zei­ti­ge Be­reit­stel­lung der Zü­ge si­cher­stel­len sol­len. Ein­kom­mens­fak­tor Pünkt­lich­keit Die Ein­hal­tung der Rei­se­zei­ten wird für das Ma­nage­ment auch zum Fak­tor des ei­ge­nen Ein­kom­mens. „Wir als Vor­stand ha­ben dem Auf­sichts­rat vor­ge­schla­gen, auch die Pünkt­lich­keit bei den Vor­stän­den und Füh­rungs­kräf­ten in den per­sön­li­chen Leis­tungs­zie­len zu hin­ter­le­gen“, sag­te Gru­be. So sol­len of­fen­kun­dig die Ma­na­ger mo­ti­viert wer­den, die nur in­di­rekt mit dem Zug­ver­kehr zu tun ha­ben.

Dar­über hin­aus will die Bahn durch ei­ne bes­se­re In­for­ma­ti­on der Rei­sen­den punk­ten. Är­ger­nis­se wie zu spä­te An­sa­gen über Gleis­wech­sel oder ge­än­der­te Wa­gen­fol­gen will We­ber bis En­de 2016 be­sei­ti­gen. Da­für schafft die Bahn neue An­zei­ger für die Bahn­stei­ge an.

Schließ­lich hält das In­ter­net im kom­men­den Jahr Ein­zug in die zwei­te Klas­se. Mit­tel­fris­tig wird das WLan-An­ge­bot dann noch durch Un­ter­hal­tungs­pro­gram­me im Zug er­gänzt.

FOTO: DPA

Die Bahn will 20 Mil­li­ar­den Eu­ro in­ves­tie­ren.

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